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Salzkonsum

Ein Löffel zu viel

16.02.2010
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Von Christina Hohmann / Den durchschnittlichen Salzkonsum nur um wenige Gramm pro Tag zu senken, könnte jedes Jahr Millionen Menschenleben weltweit retten. Die deutsche Hochdruckliga fordert daher eine Ampel-Kennzeichnung von verstecktem Salz in Lebensmitteln.

Ein zu hoher Salzkonsum wird schon seit Langem mit Bluthochdruck in Verbindung gebracht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt daher, die Salzzufuhr niedrig – möglichst bei 5 g pro Tag – zu halten. Tatsächlich liegt die Zufuhr in westlichen Industrienationen aber bei 10 g Kochsalz pro Tag und damit deutlich zu hoch. Dass dies Folgen hat, zeigen zwei aktuelle Arbeiten. Eine im britischen Ärzteblatt »British Medical Journal« (doi: 10.1136/bmj.b4567) veröffentlichte Meta-Analyse kam zu dem Ergebnis, dass der um 5 g zu hohe Salzkonsum das Schlaganfall-Risiko um 23 Prozent erhöht. Auch das Risiko für andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen steige um 17 Prozent.

In die Untersuchung flossen 13 prospektive Studien aus verschiedenen Ländern ein, die mehr als 177 000 Teilnehmer umfassten. Der Berechnung zufolge könnte mit dem Verzicht auf 5 g Salz (einem Teelöffel voll) pro Tag weltweit jedes Jahr 1,25 Millionen tödliche Schlaganfälle und 3 Millionen tödliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindert werden, berichten die Autoren um Pasquale Strazzullo von der Universität Warwick in Coventry, Großbritannien.

 

Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen nun auch Kirsten Bibbins-Domingo von der Universität von Kalifornien in San Francisco und ihre Kollegen. Eine Reduktion des täglichen Salzkonsums um 3 g könnte die Zahl der Schlaganfälle um 8 Prozent, der Herzerkrankungen um 11 Prozent und der Herzinfarkte um 13 Prozent senken. Dies berichten die Forscher im »New England Journal of Medicine« (doi: 10.1056/NEJM oa0907355).

 

Doch den Salzkonsum zu senken, ist gar nicht so einfach. Denn das meiste Salz, dass wir täglich zu uns nehmen, kommt nicht aus dem Salzstreuer, sondern steckt in Lebensmitteln. Damit Menschen eine Chance haben, ihre Salzzufuhr einzuschränken, müssten sie wissen, in welchen Lebensmitteln wie viel Salz zu finden ist. Die Deutsche Hochdruckliga (DHL) fordert deshalb eine Ampel-Kennzeichnung von verstecktem Salz in Lebensmitteln. »Viele Produkte, die wir täglich bedenkenlos essen, haben einen hohen Salzanteil. Das gilt nicht nur für die ›üblichen Verdächtigen‹ wie Fertigpizza oder Tütensuppe. Auch Brot, Käse und Wurst sind sehr salzhaltig«, warnt Professor Dr. Joachim Hoyer, Vorsitzender der Deutschen Hochdruckliga, in einer Mitteilung des Instituts. »Die wenigsten wissen, dass auch Schokolade viel Salz enthalten kann.«

 

Um eine Chance zu haben, den Salzkonsum und damit sein Krankheitsrisiko zu reduzieren, müsste der Salzgehalt in Lebensmitteln klar gekennzeichnet werden. Besonders geeignet sind nach Einschätzung der Hochdruckliga dafür Ampelfarben in Verknüpfung mit Text. Rot zeigt einen hohen, gelb einen mittleren und grün einen geringen Salzgehalt an. Diese Kombination ist entscheidend für die Verständlichkeit von Nährwertinformationen. »Wie erfolgreich diese Methode ist, zeigen Finnland, England und Portugal. Dort findet eine Kennzeichnung und eine intensive Gesundheitsaufklärung bereits statt«, so Hoyer. Tipps zur Salzreduktion finden Sie in dem Beitrag Hypertonie: Richtige Ernährung nimmt den Druck, PZ 30/2009. /

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