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Freiwillige Selbstkontrolle

FSA will Verstöße härter ahnden

07.02.2012
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Von Uta Grossmann / Der Verein Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie (FSA) will seine Arbeit auf alle Beteiligten des Gesundheitswesens ausdehnen. Auch die Apotheker stehen künftig stärker im Fokus.

Der neue Geschäftsführer Dr. Holger Diener möchte den FSA auf eine breitere gesellschaftliche Basis stellen, sagte er im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung (PZ). Diener übernahm die Geschäftsführung zum 1. Januar von Michael Grusa, der die Geschäfte des FSA seit der Gründung durch Mitglieder des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) im Jahr 2004 erfolgreich geführt hatte.

Der promovierte Jurist Diener war vorher in der Rechtsabteilung des VFA bereits für die Einführung und Weiterentwicklung der Verhaltenskodizes des FSA verantwortlich. Der Vorstandsvorsitzende des FSA, Michael Klein, nannte Diener einen ausgewiesenen Kodex-Experten und Fachmann für Compliance und ethisches Pharma-Marketing.

 

Der Verein Freiwillige Kontrolle für die Arzneimittelindustrie (FSA) überwacht die Zusammenarbeit zwischen Pharmaunternehmen, den Angehörigen der medizinischen Fachkreise sowie den Organisationen der Patientenselbsthilfe. In den vergangenen Jahren standen vor allem die Beziehungen zwischen Ärzten und Unternehmen im Blickpunkt. Der neue Geschäftsführer, Jahrgang 1976, will verstärkt den Diskurs mit allen weiteren Beteiligten im Gesundheitswesen suchen, auch den Apothekern. Der bestehende Kodex »Fachkreise« zielt zwar explizit auf die Zusammenarbeit von Ärzten und Apothekern mit Unternehmen, doch bisher waren Verstöße, in die Apotheker involviert waren, kein Thema.

 

Wissenschaft statt Wellness bei Fortbildungen

 

Für sie gelten jedoch dieselben Regeln: So dürfen Werbegeschenke von Pharmaunternehmen einen Wert von fünf Euro nicht überschreiten und Einladungen zu Fortbildungen nicht mit der Unterbringung in luxuriösen Hotels verknüpft werden.

 

In den Verfahren geht es zum Beispiel darum, ob es angemessen ist, dass ein Pharmaunternehmen Ärzte zu einer Fortbildung an einen Wintersportort einlädt und dort lediglich einen halben von zwei Tagen mit Fortbildung, den Rest aber mit Unterhaltungsprogramm wie einer Hundeschlittenfahrt füllt. Die Firma gab in diesem Fall eine strafbewehrte Unterlassungserklärung ab.

 

Diener wirkte schon an den Änderungen von Verfahrensordnung, Satzung und den beiden Verhaltenskodizes mit, durch die der FSA seine Sanktionsmöglichkeiten Anfang Dezember 2011 deutlich verschärfte. Demnach wird künftig bei einem Kodexverstoß sofort der Name des Unternehmens genannt, bei dem die erste oder zweite Instanz der Schiedsstelle des Vereins ein Fehlverhalten festgestellt hat. Der damit verbundene Imageschaden dürfte die meisten Firmen härter treffen als die Geldstrafen, die nichtsdestoweniger ebenfalls erhöht wurden. Neu eingeführt wurde eine sofort fällige Geldstrafe von mindestens 5000 Euro bei Unterlassungsverpflichtungen im Regelverfahren und rechtskräftigen Entscheidungen der Schiedsstelle. Das Geld kommt einer gemeinnützigen Einrichtung zugute.

 

Die bisherigen Ordnungsgeldstrafen wurden erhöht: in der ersten Instanz von 50 000 auf 200 000 Euro und in der zweiten Instanz von 200 000 auf 400 000 Euro. Neuerdings kann neben dem Vorstand auch die FSA-Geschäftsführung ein Verfahren einleiten, was die Position des neuen Geschäftsführers stärkt.

 

Im FSA-Kodex »Fachkreise« wurde neu geregelt, dass Ärzte Musterabgaben maximal zwei Jahre nach der erstmaligen Anforderung erhalten dürfen. Die zulässige Höchstmenge wurde auf zwei Muster pro Jahr beschränkt.

 

Mittlerweile sind 64 pharmazeutische Unternehmen Mitglied im FSA, weitere 25 haben sich dem Kodex unterworfen. Zusammen erwirtschaften sie rund 70 Prozent des deutschen Pharmaumsatzes. Seit der Gründung des Vereins gab es 318 Verfahren wegen Verstößen gegen ethische Standards. Jeder kann Verstöße gegen die Verhaltenskodizes bei der Schiedsstelle anzeigen: Patienten, Ärzte, Organisationen der Patientenselbsthilfe, Krankenkassen oder Behörden. /

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