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Zeitbombe Aneurysma

01.02.2010
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Es ist eine tickende Zeitbombe, doch den meisten Betroffenen ist ihr Risiko gar nicht bewusst: Ein Aneurysma ist eine Aussackung in den Arterien, die meist keinerlei Beschwerden verursacht. Doch wenn sie platzt, besteht Lebensgefahr durch innere Blutungen oder eine Embolie.

Aneurysmata sind lokale, spindel- oder sackförmige Ausbuchtungen arterieller Gefäße, die meist infolge einer Arteriosklerose oder einer angeborenen Gefäßwandschwäche entstehen. Am häufigsten ist die Hauptschlagader, oft im Brust- oder Bauchraum, betroffen. Das abdominale Aortenaneurysma tritt vor allem bei Senioren auf – bei Männern drei- bis viermal häufiger als bei Frauen. Etwa 3 Prozent der Menschen über 65 sollen ein Bauch­aortenaneurysma haben. Bei einem Viertel wird das Problem entdeckt, weil sie wegen unklarer Beschwerden, zum Beispiel Bauch- oder Rückenschmerzen, oder einer tastbaren Schwellung im Bauch zum Arzt gehen. Aber bei drei Viertel der Betroffenen ist die Diagnose ein Zufallsbefund. Dieser kann lebensrettend sein, denn beim Platzen eines Aneurysmas droht inneres Verbluten oder eine Embolie, wenn sich ein Thrombus ablöst und Gefäße verstopft.

Auch Aussackungen in Hirngefäßen sind meist symptomlos. Doch wenn es zu einer Ruptur kommt, überlebt nur jeder Zweite der meist jüngeren Patienten die Subarachnoidalblutung, eine spezielle Form des Schlaganfalls. Viele tragen dauerhafte Schäden davon. Vor rund einem Jahr entdeckten Wissenschaftler der Yale Universität in New Haven/Connecticut drei Genvarianten, die das Risiko für die Entstehung eines intrakraniellen Aneurysmas deutlich erhöhen. Ob der Gentest allerdings jemals zur Anwendung kommt, wollen die Forscher nicht prognostizieren.

 

Andere Wissenschaftler arbeiten an Vorhersagemodellen, mit denen Ärzte die Wahrscheinlichkeit einer Ruptur besser abschätzen können. Beispielsweise erstellen Mediziner und Ingenieure der Technischen Universität München unter Leitung von Dr.  Michael Gee, Lehrstuhl für Numerische Mechanik, eine ganzheitliche Simulation der Interaktion von Blutdruck und Arterienwand und vergleichen die Computerdaten mit Versuchsergebnissen an humanen Gewebeproben aus Aneurysmen. In Zukunft soll das 3-D-Modell bei der Entscheidung für eine vorbeugende Operation zur Gefäßstabilisierung helfen (siehe dazu Abbildung).

 

Bislang müssen die Ärzte im Einzelfall abwägen, ob sie ein Aneurysma operativ ausschalten, um einer Ruptur zuvorzukommen. Während dies früher meist in einer offenen Operation erfolgte, gibt es seit einigen Jahren auch die Alternative der endovaskulären Therapie mit Stent-Prothesen beziehungsweise Platin-Mikrospiralen für Hirn-Aneurysmen. Jede Behandlung birgt spezifische Risiken.

 

Gezielt vorbeugen kann man einem Aneurysma nicht. Auf jeden Fall können Apotheker eine gute Blutdruckeinstellung und eine gesunde Lebensweise zum Schutz vor Arteriosklerose empfehlen. Raucher aus Familien, in denen ein Angehöriger einen Schlaganfall durch ein Aneurysma erlitten hat, sollten ihr Laster rasch beenden. Denn damit senken sie ihr deutlich erhöhtes Risiko, selbst eine Hirnblutung zu bekommen.

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