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Pharmacon Schladming

Gesundheitspolitik im Fokus

25.01.2017
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Von Daniel Rücker, Schladming / Europapolitik, Effizienz der ABDA-Arbeit und Freiberuflichkeit: Bei der berufspolitischen Veranstaltung in Schladming gaben ABDA-Chefjurist Lutz Tisch, ABDA-Hauptgeschäftsführer Sebastian Schmitz und der Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK) Andreas Kiefer Einblicke in die aktuelle Lage und die daraus resultierenden Konsequenzen.

»Wir müssen jeden Tag den Freien Beruf verteidigen. Die Freiberuflichkeit ist die Basis für die Apothekerschaft.« Im berufspolitischen Teil des Pharmacons Schladming ließ Lutz Tisch, ABDA-Geschäftsführer Recht, keinen Zweifel daran, dass diese Organisationsform für die Apotheker eine zentrale Bedeutung hat. Grundsätzlich sei der Staat in der Pflicht, das Gesundheitswesen und damit auch die Arzneimittelversorgung sicherzustellen. Er habe aber auch die Möglichkeit, diese Aufgabe an Dritte zu delegieren, zum Beispiel die Arzneimittelversorgung an die Apotheker.

 

Sie organisierten diese Aufgabe zum Wohl der Allgemeinheit. Ein wesentliches Merkmal des Apothekerberufs sei der Qualitätswettbewerb. Dieser grenze ihn ab vom Preiswettbewerb der Kaufleute. Ein weiteres Charakteristikum für die Freien Berufe sei die verpflichtende Mitgliedschaft in einer Kammer, so Tisch.

 

Freie Berufe gibt es auch in anderen EU-Staaten. Hierzulande gibt es aber eine deutlich stärkere Regulierung. Damit liegt Deutschland nicht im aktuellen Trend. Laut Tisch nehmen die Tendenzen zur Deregulierung seit den 90er-Jahren zu – auch bei der Arzneimittelversorgung. In einigen Staaten gehörten dazu die Erlaubnis des Fremdbesitzes von Apotheken, die Filialisierung und das umstrittene Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Preisbindung.

 

Paradigmenwechsel

 

Tisch ging auch auf das EU-Notifizierungsverfahren für das von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) initiierte Gesetz zum Rx-Versandverbot ein. Das Verfahren werde sich eine ganze Weile hinziehen. Tisch: »Das Gesetz wird in jedem Fall beklagt werden. Es wird in einigen Jahren wieder beim EuGH landen.« Der ABDA-Jurist sieht mit dem Urteil einen Paradigmenwechsel. Der Wettstreit zwischen Ökonomie und Daseinsvorsorge sei bislang immer auf Staatenebene entschieden worden. Nun setze der EuGH auf eine weiter gefasste Deregulierung.

 

Tisch ist davon überzeugt, dass die Apotheker davon nicht profitieren würden. Je größer die Unternehmen, desto einfacher sei es für Konzerne, größere Einheiten zu übernehmen. Tisch: »Ein kleinteiliges System ist stabiler.« Einen Einblick in die gesundheitspolitische Lobbyarbeit der ABDA gab Hauptgeschäftsführer Sebastian Schmitz. Er weiß, dass die Arbeit der ABDA von vielen Apothekern kritisch gesehen wird. »Die tun nix und reagieren immer zu spät«, nannte Schmitz exemplarisch einen wiederkehrenden Vorwurf. Er könne nachvollziehen, dass die Apotheker sich eine laute und offensive Berufsvertretung wünschten. Diese Strategie komme bei den Mitgliedern zwar gut an, sie sei aber nicht unbedingt zielführend. Ein öffentlich kommunizierter Erfolg der Apothekerschaft provoziere schnell die Stereotype der mächtigen Apothekerlobby. Das nütze dem Berufsstand nicht. Beim Weisungsverbot im Entlassmanagement, dem Apothekenabschlag, dem Medikationsmanagement und dem Medikationsplan habe die Berufsvertretung viel erreicht. Und auch beim Rx-Versandverbot sehe es für die Apotheker recht gut aus.

 

Zum Thema Freiberuflichkeit sagte BAK-Präsident Andreas Kiefer, die Politik stehe hierzulande zu diesem Konzept. Er setze darauf, dass dies auch in den kommenden Jahren so bleibt. /

 

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