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Hilfsorganisationen

Gemeinsam im Einsatz

04.01.2017
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Von Brigitte M. Gensthaler und Daniela Hüttemann / Für die pharmazeutischen Hilfsorganisationen Apotheker helfen und Apotheker ohne Grenzen war 2016 wieder ein ereignisreiches Jahr. Erstmals kooperierten die beiden Vereine – in Haiti und in Deutschland. 2017 wollen sie ein gemeinsames Projekt auf die Beine stellen.

Für ein Projekt in Deutschland haben sich die Hilfsorganisationen Apotheker helfen (AH) und Apotheker ohne Grenzen (AoG) zusammengetan: Seit 2013 unterstützt AoG die Ambulanz ohne Grenzen in Mainz, die dort neben Obdachlosen auch andere arme, nicht krankenversicherte Menschen versorgt. Rechtzeitig zum Winter organisierten die Vereine gemeinsam eine Arzneimittelspende mit einer Sonderration von Präparaten gegen Erkältungskrankheiten.

 

Zwar haben beide Hilfsorganisationen ihren Schwerpunkt in der Entwicklungszusammenarbeit und Nothilfe im Ausland. Die beiden Geschäftsführer Eliette Fischbach (AoG) und Andreas Wiegand (AH) sehen aber auch die Notwendigkeit, im eigenen Land zu helfen. »Neben den vielen Menschen im Ausland, die wir mit unseren Projekten unterstützen, finde ich es sehr wichtig, die Armut vor der eigenen Tür nicht zu vergessen«, so Fischbach. »Im Mainzer Projekt unterstützen wir bedürftige Menschen in Deutschland, und ich freue mich, dass Apotheker helfen uns erstmalig Arzneimittel zur Verfügung gestellt hat.« Wiegand betonte: »Apotheker ohne Grenzen und wir arbeiten beide für kranke Menschen in Not. In Mainz konnten wir dies gemeinsam tun, indem wir dem Verein Armut und Gesundheit in Deutschland Arzneimittel zur Verfügung gestellt haben.«

 

Mehr Zusammenarbeit

 

Im neuen Jahr wollen beide Hilfsorganisationen enger zusammenarbeiten. Bereits 2016 koordinierten sie ihre Nothilfe für Haiti, indem Apotheker helfen sich an den Kosten des dritten AoG-Einsatzteams beteiligte. In Uganda wollen sie 2017 gemeinsam eine lokale Organisation im Kibaale-Distrikt unterstützen. Ein zuverlässigerer und regelmäßiger Zugang zu Arzneimitteln soll die Gesundheitsversorgung der dortigen Bevölkerung verbessern.

 

Besonders vulnerable Personengruppen stehen für Apotheker helfen im Mittelpunkt der Arbeit. Dazu gehören die Opfer des Wirbelsturms Matthew auf Haiti ebenso wie südsudanesische Flüchtlinge in Norduganda oder syrische Flüchtlinge in Damaskus. Mit soliden Partnern vor Ort konnte die Hilfsorganisation den Menschen gezielt helfen. Bedarfsgerecht stellte sie sowohl Basisarzneimittel als auch Spezialmedikamente zur Verfügung oder sorgte für den qualitätsgesicherten Einkauf im Land.

 

In mehreren Projekten arbeitet AH ­daran, Geburten für Mütter und Kinder sicherer zu machen und die Kindergesundheit zu stärken. Im Senegal sorgte sie in zwei Mutter-Kind-Häusern für eine umfassende Versorgung der Frauen rund um Schwangerschaft und Geburt. Die im Januar 2016 eröffnete Maternité in Medina Thioub läuft sehr erfolgreich, wie Gerhard Gensthaler bei seiner Projektreise im November feststellte.

Spendenkonten

Apotheker helfen: 

Deutsche Apotheker- und Ärztebank, IBAN: DE 02 3006 0601 0004 7937 65

 

Apotheker ohne Grenzen: 

Deutsche Apotheker- und Ärztebank, IBAN: DE 88 3006 0601 0005 0775 91

Geburtshilfe in Nepal

 

2017 will AH sein Engagement für Geburtshilfe in Nepal ausweiten. Geschäftsführer Andreas Wiegand erklärte: »Traditionell dürfen Frauen im Humla-Gebiet ihre Kinder nicht im Haus zur Welt bringen, sondern müssen im Stall gebären. Diesen untragbaren Zustand wollen wir ändern.« Deshalb plant die Organisation gemeinsam mit Nepal-Medical-Careflight und Sternstunden in Dandaphaya den Bau einer Gesundheitsstation mit Schwerpunkt Geburtshilfe und Kindergesundheit. Eine ausgebildete Hebamme ist im Dorf bereits tätig. AH unterstützte sie mit Arzneimitteln, gynäkologischen Instrumenten und einem mobilen Ul­traschallgerät.

 

»Als Apotheker wissen wir, wie wichtig pharmazeutisches Know-how und eine gute Ausbildung für die Gesundheitsversorgung ist. Daher legen wir besonderen Wert auf Wissensvermittlung und Fortbildung«, so Wiegand. »2016 beteiligten wir uns am Bau eines Labor-und Bibliotheksgebäudes für die Kilimanjaro School of Pharmacy in Tansania.« Zudem arbeitete je eine ehrenamtliche deutsche Einsatzkraft im Wasso-Hospital in Tansania und im St. Gabriels-Hospital in Malawi, um das Fachwissen des dortigen Apothekenpersonals zu stärken. AH fördert einheimische Kräfte, denn nur diese tragen das Gesundheitswesen eines Landes auf Dauer.

 

Auf vier Kontinenten sind im vergangenen Jahr Einsatzkräfte für Apotheker ohne Grenzen (AoG) unterwegs gewesen. Drei Teams waren zwischen Oktober und Dezember in Haiti, um nach dem Hurrikan Matthew pharmazeutische Nothilfe zu leisten, die Beschaffung, Lagerung und Abgabe von Arzneimitteln zu organisieren und lokales Personal zu schulen.

 

Schulung von Mitarbeitern

Neben dem Nothilfeeinsatz setzte die Hilfsorganisation ihre langfristig angelegten Projekte fort: In Nepal half AoG beispielsweise beim Wiederaufbau von Gesundheitsposten nach dem Erdbeben im April 2015. Auch auf den sturmgeplagten Philippinen halfen deutsche Apotheker ehrenamtlich weiter, etwa bei der Arzneimittelversorgung, Schulung und Unterstützung der lokalen Mitarbeiter. In Argentinien laufen mehrere Projekte, unter anderem die Arbeit im Gesundheitszentrum Villa Zagala in einem Slum von Buenos Aires. Neben Schulungen im Viertel stellt AoG auch hier kontinuierlich Arzneimittel, Personal und Know-how zur Verfügung. »Das ist sicherlich eines unserer Leuchtturmprojekte, das wir 2017 fortführen werden«, sagte Fischbach der Pharmazeutischen Zeitung.

 

Auch in der Flüchtlingshilfe ist AoG im In- und Ausland aktiv: Seit 2013 organisiert der Verein Medikamente und medizinisches Material für eine Klinik in der Türkei an der Grenze zu Syrien, die zahlreiche Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland versorgt.

 

Eine neue Kooperation ist für 2017 in Indien geplant. Mit einem lokalen Partner in Nord-Bengalen will AoG untersuchen, welche Infektionskrankheiten bei den Arbeitern der dortigen Teeplantagen vorherrschen und ob die Ärzte der Kliniken im Umfeld Anti­biotika rational einsetzen. Auch soll der konkrete Schulungsbedarf ermittelt und Handlungsempfehlungen für die Kliniken der Teeplantagen ent­wickelt werden. /

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