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Coronaviren

Auf den Spuren eines Breitband-Virostatikums

Das Coronavirus 2019-nCoV beherrscht derzeit die Medien. Die Autoren einer Originalarbeit im Fachmagazin »Antiviral Research« konnten zum Zeitpunkt des Einreichens ihrer Ergebnisse nicht ahnen, wie aktuell die Publikation sein würde.
Sven Siebenand
30.01.2020
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Das Forscherteam um Wiebke Obermann von der Universität Marburg und die Gießener Virologin Dr. Christin Müller berichtet darin über einen synthetischen Virenhemmstoff mit Breitbandwirkung. Neben einer Aktivität gegen Zika- und Lassa- sowie Krim-Kongo-Fieber-Viren konnten die Wissenschaftler auch eine Wirkung gegen Coronaviren nachweisen. Bislang handelt es sich allerdings noch um präklinische Ergebnisse. Von einer Zulassung als Medikament ist man noch weit entfernt, sodass die getestete Substanz in der Behandlung der aktuellen Coronaviren-Infektionen keine Rolle spielen wird.

Die Prüfsubstanz, CR-31-B, leitet sich von Silvestrol ab, einem Naturstoff aus asiatischen Mahagonigewächsen. Silvestrol verfügt über virushemmende Eigenschaften, ist chemisch aber nur schwer herstellbar. CR-31-B besitzt eine ähnliche Struktur, ist aber einfacher synthetisierbar. Bei ihren Experimenten infizierten die Wissenschaftler Zellen zum Beispiel mit Coronaviren, anschließend gaben sie einen Hemmstoff hinzu: Silvestrol oder CR-31-B. »Die antiviralen Effekte sind fast identisch«, berichtet Müller in einer Pressemitteilung.

Sowohl Silvestrol als auch CR31-B sind in der Lage, ein körpereigenes Enzym zu hemmen, den eukaryotischen Initiationsfaktor 4A (eIF4A). Dieser ist an der Translation von mRNA in Proteine beteiligt und Viren sind auf ihn angewiesen, um ihre eigenen Proteine herstellen zu können. Wird dieses Enzym gehemmt, ist die Formation des Initiationskomplexes für die Translation erschwert. Das Virus kann sich schließlich nicht mehr vermehren.

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