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ARZNEISTOFFE

Olaparib|Lynparza|86|2015

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STOFFGRUPPE
86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva
WIRKSTOFF
Olaparib
FERTIGARZNEIMITTEL
LynparzaTM
HERSTELLER

AstraZeneca

MARKTEINFÜHRUNG (D)
06/2015
DARREICHUNGSFORM

50 mg Hartkapseln

Indikationen

Lynparza darf als Monotherapie für die Erhaltungstherapie bei erwachsenen Patientinnen mit Platin-sensitivem Rezidiv eines BRCA-mutierten high grade serösen epithelialen Eierstock-, Eileiter- oder Peritoneal-Karzinoms eingesetzt werden. Vor Behandlungsbeginn muss in Blut oder Tumorgewebe eine Mutation an BRCA1 oder BRCA2 nachgewiesen sein.

Wirkmechanismus

Olaparib ist der erste zugelassene Vertreter der neuen Wirkstoffklasse der PARP-Inhibitoren. Im menschlichen Organismus kommt es regelmäßig zu Einzelstrangbrüchen der DNA. PARP behebt diese Brüche mittels der sogenannten Basenexzisionsreparatur. 

 

Wird das Enzym gehemmt, können die Einzelstrangbrüche nicht mehr repariert werden, und in der Folge kommt es bei der nächsten Zellteilung zu Doppelstrangbrüchen. Zellen mit funktionierenden BRCA-Genen können diese Doppelstrangbrüche durch homologe Rekombination ausgleichen. Ist jedoch die Funktion der BRCA-Gene aufgrund einer Mutation defekt, besteht diese Möglichkeit nicht, und die Zelle stirbt (Apoptose). Das Prinzip wird auch als synthetische Letalität bezeichnet.

Anwendungsweise und -hinweise

Die Behandlung mit Lynparza sollte spätestens acht Wochen nach der letzten Dosis der Platin-basierten Chemotherapie begonnen werden. Die empfohlene Dosis beträgt 400 mg Olaparib (acht Kapseln) zweimal täglich. Tipp für die Beratung: Da eine gleichzeitig Nahrungsaufnahme die Resorption deutlich verlangsamt, sollten die Patientinnen die Kapseln mindestens eine Stunde nach einer Mahlzeit einnehmen und danach möglichst zwei weitere Stunden nichts essen. Vergisst die Patientin eine Einnahme, sollte sie ihre nächste normale Dosis zur geplanten Zeit einnehmen. Die Therapie ist so lange fortzusetzen, bis die Krebserkrankung fortschreitet. Für eine Weiterbehandlung nach einem Rezidiv liegen keine Daten vor.

 

In Studien zeigte Olaparib eine hämato­logische Toxizität, die sich durch An­ämie, Neutropenie, Thrombozytopenie und Lymphopenie äußerte. Daher sollten Patientinnen die Therapie erst beginnen, wenn sich die Spiegel von Hämoglobin, Thrombozyten und Neutrophilen von einer vorangegangenen Krebsbehandlung erholt haben. Zudem sollte vor Behandlungsbeginn und in regelmäßigen Abständen ein großes Blutbild gemacht werden. In seltenen Fällen wurde über das Auftreten eines myelodysplastisches Syndrom beziehungsweise einer akuten myeloischen Leukämie berichtet.

Wichtige Wechselwirkungen

Die gleichzeitige Anwendung von Olaparib und starken CYP3A-Induktoren oder -Inhibitoren sollte vermieden werden. Da Olaparib CYP3A4 hemmen kann, ist bei der gleichzeitigen Einnahme von Substraten dieses Enzyms Vorsicht geboten. Olaparib hemmt die Transportproteine P-GP, BCRP, OATP1B1, OCT1 und OCT2 und erhöht daher möglicherweise die Exposition von Substraten dieser Transporter. Insbesondere Statine sollten deshalb in Kombination mit Olaparib mit Vorsicht angewendet werden.

 

Die Wirksamkeit hormoneller Kontrazeptiva kann bei gleichzeitiger Anwendung von Olaparib verringert sein.

Nebenwirkungen

Als häufigste Nebenwirkungen traten in Studien zu Olaparib bei mehr 10 Prozent der Patientinnen Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Dyspepsie, Erschöpfung, Kopfschmerzen, Schwindel, verminderter Appetit, An­ämie, Neutropenie, Lymphopenie, erhöhte Kreatininwerte sowie ein erhöhtes mittleres korpuskuläres Volumen auf. Eine Dosisreduktion auf 200 mg zweimal täglich kann in Betracht gezogen werden. Ist eine weitere finale Reduktion erforderlich, kann die Dosis auf 100 mg zweimal täglich gesenkt werden.

 

 Eine kleine Anzahl von Patientinnen entwickelte unter der Therapie eine Lungenentzündung. Daher sollte die Therapie sofort abgebrochen werden, wenn neue oder sich verschlechternde Atemsymptome wie Dyspnoe, Husten oder Fieber auf­treten.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Stillen während der Behandlung und einen Monat lang nach Einnahme der letzten Dosis ist kontraindiziert. Bei Patientinnen mit mäßig oder stark eingeschränkter Nierenfunktion ist eine Abwägung von Nutzen und Risiko erforderlich, bei eingeschränkter Leberfunktion wird von der Einnahme abgeraten.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Ausschlaggebend für die Zulassung waren die Ergebnisse einer Phase-II-Studie mit 265 Patientinnen mit Platin-sensitivem, high-grade serösem Ovarial­karzinom, in der Olaparib das progressionsfreie Überleben im Vergleich zu Placebo signifikant von 4,3 Monaten auf 11,2 Monate verlängerte. Das Gesamtüberleben lag unter Olaparib bei 34,9 Monaten und unter Placebo bei 31,9 Monaten. Die Zeit bis zur nächsten Folgetherapie konnte signifikant von 6,3 auf 15,6 Monate verlängert werden. Gleiches gilt für die zweite nachfolgende Therapie (von 15,2 auf 23,8 Monate). Die Lebensqualität wurde durch Olaparib nicht beeinträchtigt. Weitere Studien sollen Nutzen und Sicherheit von Olaparib bei der Therapie des Ovarialkarzinoms bestätigen.

Hintergrundinfos

Das Ovarialkarzinom ist mit jährlich 7500 Neuerkrankungen in Deutschland die fünfthäufigste Tumorerkrankung der Frau. Die Prognose ist schlecht. Lediglich rund 40 Prozent der Patientinnen überleben die ersten fünf Jahre nach Diagnosestellung. 

 

Die hohe Sterblichkeit ist hauptsächlich dadurch bedingt, dass Eierstockkrebs aufgrund der unspezifischen Symptome und des Mangels an etablierten effektiven Früherkennungs­möglichkeiten häufig in einem späten Stadium dia­gnos­ti­ziert wird, wenn eine kurative Therapie oft nicht mehr möglich ist.

 

Die am häufigsten diagnostizierte Form ist das high grade seröse Karzinom. Dieser Subtyp macht schätzungs­weise 60 bis 80 Prozent der Krebs­erkrankungen der Eierstöcke aus und stellt die aggressivste Form der Krankheit dar. Eine Schlüsselrolle kommt hier BRCA-Gen­mu­ta­tionen zu, denn sie gehen mit einer fünf- bis zwanzigfachen Risikoerhöhung für die Entwicklung eines Eierstocktumors einher.

Formeln

Olaparib

Olaparib

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

Olaparib.wrl

Weitere Hinweise

Olaparib kann den Fetus schädigen. Daher muss vor Behandlungsbeginn eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden. Während der Therapie und bis einen Monat nach deren Ende muss die Patientin eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Da Olaparib möglicherweise die Wirkung hormoneller Kontrazeptiva abschwächen kann, sind zusätzlich nicht hormonelle Verhütungsmethoden in Betracht zu ziehen und regelmäßig ein Schwangerschaftstest zu machen. Während der Einnahme und bis einen Monat danach darf nicht gestillt werden.

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Letzte Aktualisierung: 13.05.2016