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ARZNEISTOFFE

Defibrotid|Defitelio®|42|2014

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STOFFGRUPPE
42 Fibrinolytika
WIRKSTOFF
Defibrotid
FERTIGARZNEIMITTEL
Defitelio®
HERSTELLER

Gentium SpA

MARKTEINFÜHRUNG (D)
03/2014
DARREICHUNGSFORM

80 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung

Indikationen

Defitelio ist zugelassen zur Behandlung der schweren Lebervenen-Verschlusskrankheit (veno-occlusive disease, VOD). Es ist indiziert bei Kindern ab einem Monat, Jugendlichen und Erwachsenen, die sich einer hämatopoetischen Stammzelltransplantation (HSCT) unterziehen und eine VOD erleiden.

Wirkmechanismus

Defibrotid ist eine komplexe Mischung aus Oligodesoxyribonukleotiden (Einzelstrang-DNA), die aus Darmschleimhaut von Schweinen gewonnen wird. Der Wirkmechanismus ist nicht vollständig geklärt. Nach In-vitro-Daten soll Defibrotid über verschiedene Mechanismen beim Schutz von Endothelzellen und bei der Wiederherstellung des thrombo-fibrinolytischen Gleichgewichts mitwirken. Unter anderem verstärkt es die Funktion des Gewebeplasminogenaktivators (t-PA) und vermindert die Aktivität des Plasminogenaktivator-Inhibitors-1 (PAI-1). Letztlich beschleunigt es den Abbau von Blutgerinnseln. Nach Firmenangaben wirkt Defibrotid antithrombotisch, antiinflammatorisch and antiischämisch.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis von Defibrotid beträgt 6,25 mg/kg KG alle sechs Stunden (25 mg/kg/Tag). Sie wird als intravenöse Infusion über zwei Stunden verabreicht. Defibrotid soll mindestens 21 Tage lang gegeben werden.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen in Studien zu Defibrotid waren Blutungen, darunter auch Magen-Darm- und Lungenblutungen sowie Nasenbluten, Hypotonie und Störungen der Blutgerinnung (Koagulopathie).

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Die gleichzeitige Anwendung von Thrombolytika, zum Beispiel t-PA, ist kontraindiziert. Die Anwendung von Defibrotid zusammen mit antithrombotischen/fibrinolytischen Arzneimitteln wird nicht empfohlen.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Wirksamkeit und Sicherheit wurden in einer Phase-III-Studie bei 102 Patienten mit schwerer VOD nach HSCT untersucht. Die Patienten bekamen Defitelio 25 mg/KG/Tag als intravenöse Infusion und wurden mit 32 historischen Kontrollpatienten verglichen, die eine unterstützende Standardbehandlung erhalten hatten. Ein signifikant höherer Anteil an Patienten erreichte unter Defibrotid ein vollständiges Ansprechen, definiert als Gesamtbilirubin unter 2 mg/dl und Abklingen des Multiorganversagens (23 versus 9 Prozent). 100 Tage nach der Transplantation überlebten 38 Prozent der Patienten in der Defitelio-Gruppe gegenüber 25 Prozent in der historischen Kontrollgruppe.

 

Die Behandlungsergebnisse von 611 Patienten, die wegen nicht schwerer und schwerer VOD nach Transplantation auf Compassionate-Use-Basis mit Defitelio behandelt wurden, stimmen damit überein. Die vollständige Ansprechrate betrug 24 Prozent und die Überlebensrate 37 Prozent bei Patienten mit schwerer VOD. Die Daten eines unabhängigen US-amerikanischen Registers zeigten ebenfalls eine positive Wirkung von Defibrotid in der klinischen Routinepraxis.

Hintergrundinfos

Die VOD ist eine seltene schwere Lebergefäßerkrankung infolge einer myeloablativen Chemotherapie, die Patienten vor einer Blutstammzelltransplantation bekommen. Die eingesetzten Chemotherapeutika können die Endothelzellschicht der Blutgefäße in der Leber massiv schädigen und so zur Bildung von Blutgerinnseln und zum Gefäßverschluss führen. Daraus kann ein Leberversagen resultieren. Eine VOD ist gekennzeichnet durch Hyperbilirubinämie, Aszites, deutliche Gewichtszunahme, Hepatomegalie und Bauchschmerzen. Eine schwere VOD führt zum Multiorganversagen und sehr häufig zum Tod. Die 100-Tage-Überlebensrate liegt bei 20 Prozent oder darunter. Daher gilt die VOD als eine der schwersten Komplikationen der HSCT.

Besonderheiten

Defitelio wurde unter »außergewöhnlichen Umständen« zugelassen. Das bedeutet, dass es aufgrund der Seltenheit der Erkrankung nicht möglich war, vollständige Informationen über das Arzneimittel zu erhalten. Das Unternehmen, das das Arzneimittel in Verkehr bringt, wurde aufgefordert, ein Patientenregister einzurichten, um weitere Daten über die langfristige Sicherheit, Behandlungsergebnisse und die Art der Anwendung in der Praxis zu erheben. Ärzte und ­Apotheker sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden.

 

Defitelio darf nicht einfrieren.

Defitelio ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Bisher liegen keine Studien zur Anwendung von Defibrotid bei Schwangeren vor. Embryofetale entwicklungstoxikologische Studien an trächtigen Ratten und Kaninchen mit Defibrotid-Dosen nahe der empfohlenen therapeutischen Dosis bei Menschen ergaben eine hohe Rate von hämorrhagischen Aborten.


Defitelio darf während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, dass eine Behandlung mit Defitelio aufgrund des klinischen Zustandes der Frau erforderlich ist.
Es ist nicht bekannt, ob Defibrotid in die Muttermilch übergeht. In Anbetracht der Art des Arzneimittels ist ein Risiko für das Neugeborene/Kind nicht zu erwarten. Defitelio kann während der Stillzeit angewendet werden.

Letzte Aktualisierung: 13.07.2016