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Hepatotoxizität
Was kann erhöhte Leberwerte auslösen?

Therapie und Prognose

Die wichtigste Maßnahme ist das schnelle Absetzen des potenziell kausalen Agens sowie die Meidung anderer hepatotoxischer Substanzen. Bei ­einer Intoxikation mit Paracetamol (N-Acetylcystein) und Valproat (L-Carnitin) gibt es intravenöse Behandlungsoptionen (9). Auch bei Leberversagen aufgrund einer idiosynkratischen Toxizität kann die Behandlung mit N-Acetylcystein das transplantationsfreie Überleben verbessern, sodass dies bei schwerer betroffenen Patienten empfohlen wird (15).

Für Glucocorticoide sind die Daten uneinheitlich, jedoch können diese ­aufgrund ihrer antiinflammatorischen Eigenschaften extrahepatische Hypersensitivitätsreaktionen verbessern (30). Eine Indikation haben Glucocorticoide in der Behandlung von Toxizitätsreak­tionen, die durch Immuntherapeutika wie Tyrosinkinase-Inhibitoren oder Checkpoint-Inhibitoren ausgelöst werden. Ursodeoxycholsäure kann probatorisch bei cholestatischen Verläufen eingesetzt werden, jedoch liegen hierzu keine validierten Studiendaten vor.

Bei den meisten Patienten normalisieren sich im Verlauf die Leberparameter und -funktion. Bestimmte Faktoren sind mit einer negativen Prognose assoziiert. Hierzu zählen ein erhöhtes Gesamtbilirubin (über 2,5 mg/dL) sowie eine ALT oberhalb des fünffachen Normwerts, was der Hepatologe Hy Zimmerman bereits 1987 beschrieb (Hy’s Law). Dies wurde in aktuelleren Studien bestätigt, in denen ein Ikterus mit einer erhöhten Rate an Transplantation und Mortalität assoziiert war (4).

Weitere negative Faktoren sind die Fortführung der Noxe bei bestehender Leberfunktionseinschränkung, eine Do­ sis oberhalb von 50 bis 100 mg/Tag, idiosynkratische Genese sowie die Schwere der Organinsuffizienz, unter anderem Koagulopathie und Enzephalopathie.

Fazit

Die arzneimitteltoxische Hepatopathie ist heutzutage bei zunehmender Polypharmazie und einem wachsenden Markt für Phytotherapeutika und Nahrungsergänzungsmittel eine wichtige Differenzialdiagnose bei erhöhten Leberwerten, akuter Hepatitis und akutem Leberversagen. Eine genaue Anamnese, insbesondere auch der zeitliche Rahmen der Einnahme möglicher Noxen, ist daher bei jedem Patienten mit erhöhten Leberwerten nötig. Dies ist entscheidend, um das auslösende Medikament absetzen und somit die Gefahr für eine schwere Leberschädigung minimieren zu können. Patienten mit schweren Verläufen und fulminantem Leberversagen sollten laborchemisch und klinisch möglichst genau überwacht werden; eventuell ist sogar eine Lebertransplantation notwendig.

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