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Coronavirus

APS warnt vor Unterversorgung wegen Pandemie

Obwohl dem deutschen Gesundheitswesen gerade viel abverlangt wird, darf die Versorgung von akut und chronisch Erkrankten nicht vernachlässigt werden. Das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) pocht nun auf klare Regelungen und mehr Aufklärung.
Jennifer Evans
15.04.2020  15:20 Uhr

Das APS ruft dazu auf, während und nach der Coronavirus-Krise die Anstrengungen mit Blick auf die Patientensicherheit deutlich zu erhöhen. Demnach sollen die Verantwortlichen nun zunächst regional festlegen, wo und wie alle Patientengruppen entsprechend ihrem medizinischen Bedarf versorgt werden können, fordert das Aktionsbündnis in seinem Positionspapier. Zudem soll die Bevölkerung Informationen zu diesen Versorgungsangeboten erhalten. Menschen mit dringenden Behandlungen wie einem Herzinfarkt, Schlaganfall oder Sepsis dürften nicht aus Angst vor einer Coronavirus-Infektion von einer Behandlung absehen oder »durch das System irren« müssen, so Heike Morris, stellvertretende APS-Vorsitzende.

»Der Verlust an Lebensjahren und Lebensqualität aufgrund von Corona wiegt nicht schwerer als der aufgrund von unzureichender Patientensicherheit«, betont APS-Vorsitzende Ruth Hecker. Bei der Betreuung von Covid-19-Patienten müsse natürlich alles Nötige getan werden, aber »wir dürfen auch nicht über das Ziel hinausschießen«. Andernfalls gingen mehr Leben durch abgesagte, verschobene oder vermiedene Versorgung verloren als durch die Pandemie selbst, warnt sie. Deshalb müssen laut Aktionsbündnis bald Kriterien dafür vorliegen, welche Behandlungen und Eingriffe verschiebbar sind und welche Krankheitsbilder zur Akutversorgung zählen.

In seinem Positionspapier wirbt das APS für intersektorale Kooperationen bei der Versorgung von akut und chronisch Erkrankten und fordert eine entsprechende Aufklärung der Bevölkerung zu diesen Angeboten. Patientensicherheit müsse auch aus dem Grund mitgedacht und umgesetzt werden, um das Gesundheitswesen zu schützen, heißt es. Gemeint sind Folgekosten durch vermeidbare Patientenschäden, die in Morris Augen »beim aktuellen Tunnelblick auf Corona« entstehen.

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