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Brandenburg

Apotheker und Ärzte Seite an Seite

Zur Sicherung der medizinischen und pharmazeutischen Versorgung auf weiterhin hohem Niveau müssen sich Apotheker und Ärzte gemeinsam engagieren. Nur im engen Zusammenwirken lässt sich ein Optimum für die Patienten erzielen: Das zeigte der 4. Brandenburgische Apotheker- und Ärztetag am vergangenen Wochenende in Potsdam.
Christiane Berg
02.03.2020
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»Wir befinden uns mitten in der kompletten und radikalen Umstrukturierung unseres Gesundheitswesens – bislang eines der besten Gesundheitswesen der Welt«, konstatierte der Präsident der Apothekerkammer Brandenburg, Jens Dobbert, bei der Begrüßung der rund 100 Teilnehmer. Unter anderem die Digitalisierung schreite rasant voran. Doch berge sie neben vielen Chancen für Ärzte, Apotheker und Patienten auch zahlreiche Risiken, so Dobbert mit Verweis auf den Expansionsdrang US-amerikanischer Konzerne wie Google, Microsoft und Amazon, die nur noch auf Quantität und nicht auf Qualität der Versorgung setzen.

Grundsätzlich begrüße auch er die Möglichkeiten der aktuellen IT-Entwicklungen. Doch müssten sich diese auf einem »vernünftigen Niveau« abspielen, sprich: einen Mehrwert für den Patienten unter Berücksichtigung von Datenschutz und Persönlichkeitsrechten mit sich bringen. Dobbert warnte vor der Etablierung sogenannter »Ping an good doctor«- Strategien mit Online-Sprechstunden bei gleichzeitiger Lieferung von Arzneimitteln in öffentlichen Beratungs-Boxen, wie sie insbesondere in China bereits an den Start gebracht wurden. »So etwas möchte ich in Deutschland nicht sehen.«

Das Arzneimittel sei und bleibe eine Ware der besonderen Art. Seine Anwendung mache stets den vorherigen persönlichen Kontakt zwischen Patienten sowie Ärzten und Apothekern erforderlich. Dobbert betonte, dass Europa zwischen der »US-amerikanischen Plattformökonomie« und den gleichermaßen in China bereits praktizierten staatlichen Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen mittels Digitalisierung eigene Wege suchen muss.

Jetzt bereit machen für das E-Rezept

Sollen, so Dobbert im weiteren Verlauf seiner Ausführungen, die ersten E-Rezepte am 1. Januar 2021 Eingang in die Praxis finden, so müssten die Apotheken bis Ende September mit Konnektoren ausgestattet beziehungsweise die Heilberufsausweise mit der Telematik-Infrastruktur verbunden sein. »Sorgen Sie dafür, dass Sie digital erreichbar sind. Überlegen Sie heute schon, wie sich die Arbeitsabläufe ändern werden. Bereiten Sie auch Ihre Mitarbeiter vor. Klären Sie, wer was macht. Denken Sie zudem über Sicherheitsaspekte und gegebenenfalls über eine zweite Telefonleitung für den Internetzugang in Ihrer Apotheke nach, um die Rezeptbearbeitung vor Störungen zu schützen. Mit anderen Worten: Stellen Sie sich auf das Kommende ein. Die Digitalisierung wird nicht wieder verschwinden«, so Dobbert. Er zeigte sich überzeugt, dass die Apotheke vor Ort trotz des Einflusses großer Konzerne auch zukünftig überleben wird. »IT und künstliche Intelligenz können uns nicht ersetzen. Allerdings brauchen wir eine Standesführung, die die Zeichen der Zeit erkennt.«

Auf der Suche nach Antworten auf noch viele offene Fragen sei nicht Schnelligkeit, sondern Besonnenheit angezeigt. Das unterstrich wie Dobbert auch der Präsident der Ärztekammer Brandenburg Frank-Ullrich Schulz mit Verweis darauf, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn seit seinem Amtsantritt gesetzgeberisch zu sehr aufs Tempo drücke.

Auf dem medizinischen und pharmazeutischen Sektor sei ein verantwortlicher Umgang mit der Umsetzung der Digitalisierung und der künstlichen Intelligenz unabdingbar. Masse bedeute nicht Klasse. Die Gesundheitspolitik sei entsprechend in der Pflicht. Verhindert werden müsse, dass das Patientenwohl und die Patientensicherheit auf der Strecke bleiben. »Wer wirklich krank ist, braucht den persönlichen Kontakt zum Arzt seines Vertrauens. Wirtschaftliches Interesse und kommerzielle Geschäftsmodelle Dritter haben hier nichts zu suchen«, sagte er.

Gemeinsame AMTS-Fortbildung

2014 ins Leben gerufen, soll der Brandenburgische Apotheker- und Ärztetag nicht nur der Stärkung des Standings gegenüber der Politik und somit der Kooperation der beiden Heilberufe, sondern auch der gemeinsamen Fortbildung dienen. Unter dem Motto »Arzneimitteltherapiesicherheit: Modern, individuell und patientengerecht« standen in diesem Jahr die Themen »Phytopharmaka – Qualität und Therapiesicherheit« (Dr. Christian Ude, Darmstadt), »Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit« (Professor Dr. Christof Schaefer, Berlin) und »Die häufigsten Interaktionen an Fallbeispielen« (Dr. Nina Griese-Mammen, Berlin) im Fokus. PZ-Chefredakteur Professor Dr. Theo Dingermann (Frankfurt am Main) zeigte genetisches Grundlagenwissen als Basis für stratifizierte Pharmakotherapieoptionen auf.

Führten als Moderatoren Professor Dr. Dorothea Fischer, Ärztin am Klinikum Ernst von Bergmann, Potsdam, Katrin Wolbring, Vizepräsidentin der Landesapothekerkammer Brandenburg, und Dr. Reinhold Schrambke, Stellvertretender Vorsitzender der Akademie für Fortbildung der Landesapothekerkammer Brandenburg, durch die Veranstaltung, so zeigten auch sie sich überzeugt, dass Apotheker und Ärzte im Sinne des Patientenwohls mehr denn je den Schulterschluss pflegen müssen angesichts der Tatsache, dass – so Schrambke – im Gesundheitswesen »nicht mehr der Verstand, sondern das Kapital regiert«.

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