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Sachsen-Anhalt

Apotheker kritisieren unklare Gemengelage in der Pandemie

Ob Hygiene-, Desinfektions- oder Hygienemaßnahmen: Apotheken haben sich in der Pandemie von Beginn an mit großem Einsatz eingebracht. Zwar erhielten auch sie zunächst Beifall von den Balkonen. Doch fehlt es in vielerlei Hinsicht seitens der Politik grundsätzlich an Anerkennung und Unterstützung.
Christiane Berg
05.03.2021  16:30 Uhr

Schnelltests, Impfungen, Lockdown: Überhaupt hält das generelle Polit-Chaos mit oft nicht nachvollziehbaren Ankündigungen von Maßnahmen zur Bewältigung der Coronavirus-Krise an. Das machten die Ausführungen von Andreas Münch auf der Versammlung der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt deutlich. Große Geduld, so Münch, verlangte den Apothekern unter anderem das Geschehen um die Maskenverteilung ab, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kurz vor Weihnachten »aus dem Hut gezaubert hat«. Zu Beginn hätten die zunächst überlasteten Transportkapazitäten der Logistikunternehmen zeitweilig den reibungslosen Ablauf der Aktion verhindert.

»Der Aufwand für uns alle war enorm, innerhalb von wenigen Tagen tausende von Masken zu besorgen und die Ausgabe zu organisieren. Dass das so nicht ohne Probleme laufen konnte, war eigentlich von vornherein klar«, konstatierte er. Münch sprach von einer zeitraubenden »Hauruck-Aktion« infolge des politischen Organisations-Desasters. Die Kollegen hätten alles Erdenkliche getan, um die Versorgung dennoch sicherzustellen. Ein »Kraftakt«, so Münch, für den er sich bedanke. Der Kammerpräsident versicherte, dass die große Leistung der Apotheken sowohl in den Medien als auch in der Politik Anerkennung findet.

Seit der Abgabe mit Berechtigungsscheinen laufe die Versorgung mit Masken zwar in sehr viel geordneteren Bahnen. Dann jedoch habe Spahn die Apotheker – angeblich auf politischen Druck hin – mit der Botschaft konfrontiert, dass diese ab Belieferung des zweiten Coupons nicht mehr die pro Verordnung zugesagten 6 Euro, sondern lediglich 3,90 Euro erhalten. Das generelle Vertrauen der Apothekerschaft in Aussagen des Ministers sei durch diese plötzliche Kehrtwende erneut in Mitleidenschaft gezogen worden – zumal Spahn zu anderen Gelegenheiten deutlich stoischer in der Lage sei, sich vermeintlich politischem Druck zu widersetzen. Der diesbezügliche Frust und Unmut der Apotheker, so Münch, wird gestärkt durch die Tatsache, dass das BMG wenige Tage zuvor noch die Preise auf eine Kleine Anfrage der Grünen verteidigt hatte.

Ein logisches Strategie-Konzept muss her

Viele Apotheken hatten ihre Vorräte zu den zum Stichtag der Festlegung der Maskenpreise bekannten und also höheren Konditionen geordert, so der Kammerpräsident mit Verweis auf das damit verbundene wirtschaftliche Risiko. Ganz zu schweigen davon, dass auch die Organisations-, Abrechnungs- und Beratungskosten hätten angemessen honoriert werden müssen. »Der Preis war also begründbar«, so Münch.

Derzeit sorge das ungeordnete »Wenn« und »Dann« zu den Corona-Teststrategien für Verwirrung. Erste Laientests seien inzwischen zwar zugelassen und werden voraussichtlich zeitnah abgegeben. Praktisch alle Fragen zu Tests in oder aus Apotheken seien bisher jedoch noch offen. Täglich kämen auch hier neue unausgereifte Ideen auf den Tisch. Die Bundesvereinigung Deutscher Apotheker – ABDA, versuche in Gesprächen mit dem Ministerium Klärung herbeizuführen. Völlig unverständlich sei und bleibe, warum Ärzte für die gleiche Leistung mehr Honorar als Apotheker erhalten sollen.

Der Kammerpräsident unterstrich, dass der gezielte Einsatz der Tests bei gleichzeitiger Zulassung der notwendigen Lockerungen richtig ist. »Es sollte aber wenigstens hier ein logisches Strategie-Konzept geben, in das selbstverständlich auch Apotheken sinnvoll eingebunden sein können. Vor allem erwarten wir zumindest diesmal eine klare Kommunikation und Information der Bevölkerung durch die Regierung, was wann wo und wie möglich ist«, betonte er. Das gelte auch für zukünftige Impfstrategien, wobei er hier eine bundeseinheitliche Regelung absolut begrüße.

Unverständnis für Hilfegesuche der Apotheker

Unterstützung habe die Apothekerschaft nicht nur im bisherigen Verlauf der Coronavirus-Pandemie, sondern auch angesichts der Insolvenz des Abrechnungsdienstleisters AvP im letzten Quartal des vergangenen Jahres vermisst. »Wir haben einiges unternommen, um Politik und Medien zu sensibilisieren und zu informieren. Letztlich hat sich auch dieses für uns nicht in barer Münze ausgezahlt«, kritisierte er. 

Münch zeigte auf, dass der Kammervorstand, die Geschäftsführung und Vertreter des LAV Hintergrundgespräche mit Abgeordneten und Pressevertretern geführt haben – dieses auch angesichts der Tatsache, dass insbesondere letztere in einigen Kommentaren zunächst mit Unverständnis auf die Hilfegesuche der Apotheker reagiert haben. Schließlich habe sogar eine Videokonferenz mit dem Ministerpräsidenten, dem Wirtschafts- und Finanzminister und der Gesundheitsministerin stattgefunden, so sei ein allgemeiner »Rettungsschirm« für die betroffenen Apotheken dennoch abgelehnt worden.

»In Sachsen-Anhalt sind 92 Apotheken geschädigt, insgesamt beläuft sich die ausstehende Summe auf 10 Millionen Euro, also durchschnittlich circa 113.000 Euro pro Apotheke«, berichtete Münch. Noch sei es gelungen, Insolvenzen zu verhindern. Doch sei die Situation einiger Apotheken alles andere als rosig. »Trotz aller Enttäuschung: Wir bleiben dran, denn wir brauchen Regelungen, um solche Situationen für die Zukunft zu verhindern«, sagte er.

Aufruf zur Mitarbeit in der Kammerversammlung

Am Ende seiner kurzen Rede wies Münch darauf hin, dass in diesem Jahr nicht nur Landtags- und Bundestagswahlen anstehen, sondern dass auch die Legislaturperiode für die 7. Kammerversammlung endet. Er appellierte an die Delegierten, sich selbst wieder zur Wahl zu stellen und darüber hinaus in ihren Regionen Kollegen für die Mitarbeit in der Kammerversammlung zu motivieren, da noch unklar sei, ob und wenn ja wie Wahlveranstaltungen in den Regionen durchgeführt werden könnten.

Die Kammerversammlung fand als Videositzung statt. Insbesondere sollte der Haushalt 2021 vorgestellt und diskutiert werden. Die Delegierten verabschiedeten den Haushalt 2021 einstimmig. Um Beschlüsse auch online beziehungsweise im Umlaufverfahren fassen zu können, waren Änderungen in der Hauptsatzung und der Geschäftsordnung notwendig, die einstimmig beschlossen wurden. Solche Online-Sitzungen werden immer nur im Ausnahmefall möglich sein, so Münch. »Wir gehen heute davon aus, dass die Kammerversammlung im Sommer wieder als Präsenzveranstaltung stattfinden wird«, sagte er.

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