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Zukunftskongress Apotheke

»Apotheker könnten Corona-Impfungen durchführen«

Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerverbands Nordrhein (AVNR), kann sich grundsätzlich vorstellen, dass Apotheker auch Impfungen gegen das Coronavirus durchführen. Bei der diesjährigen digitalen Ausgabe des Zukunftskongresses Apotheke forderte Preis mit Blick auf die Ausweitung der Antigentests auch, dass Apotheker jetzt prioritär geimpft werden sollten.
Benjamin Rohrer
20.02.2021  13:30 Uhr

Wie alle (gesundheitspolitischen) Veranstaltungen findet auch die diesjährige Ausgabe des Zukunftskongresses Apotheke am heutigen Samstag digital statt. Der AVNR startete den Kongress am heutigen Samstagvormittag mit Grußworten der Bonner Bürgermeisterin Katja Dörner (Grüne), der Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium (BMG) Sabine Weiß (CDU) sowie dem AVNR-Vorsitzenden Thomas Preis. Sowohl Dörner als auch Weiß unterstrichen die Bedeutung der Vor-Ort-Apotheken und erinnerten an die zahlreichen zusätzlichen Aufgaben, die die Apotheken in der Pandemie übernommen haben.

BMG-Staatssekretärin Weiß sagte, man müsse das »Leistungsspektrum der Apotheken« erhalten. Man brauche die Apotheken, so Weiß. Die CDU-Politikerin erinnerte zudem an die Maßnahmen, die das BMG und der Gesetzgeber in dieser Legislaturperiode zur Stärkung der Apotheken umgesetzt haben. Sie nannte das Apotheken-Stärkungsgesetz, die Erhöhung der Notdienstpauschale sowie die neuen Botendienst-Regelung samt Botendienst-Vergütung. Mit Blick auf das seit Dezember 2020 geltende Rx-Boni-Verbot im GKV-Bereich erinnerte Weiß daran, dass eine Umsetzung des Rx-Versandverbotes »rechtlich sehr bedenklich« gewesen wäre.

Preis: Wir werden nicht locker lassen

AVNR-Chef Thomas Preis merkte als Reaktion auf Weiß‘ politische Bestandsaufnahme kritisch an, dass die Bundespolitik länger als vier Jahre gebraucht habe, um auf das EuGH-Urteil zur Rx-Preisbindung zu reagieren. Die nun bestehende Lösung mit dem Rx-Boni-Verbot, das allerdings nicht für PKV-Versicherte gilt, nannte Preis «halbherzig« und kündigte daher an: »Wir werden in dieser Sache nicht lockerlassen.«

Preis sprach sich dafür aus, dass die Apotheken auch in den kommenden Monaten in die Eindämmung der Pandemie eingebunden werden. Denn: Dass die Pandemie bald vorüber ist, davon geht der Verbandschef nicht aus. Mit Blick auf die am gestrigen Freitag leicht gestiegenen Infektionszahlen sagte er: »Wir stehen am Anfang der dritten Welle.« Zur weiteren Bekämpfung des Coronavirus stellte Preis einen Fünf-Punkte-Plan vor. Erstens müssten die Impfungen vorangebracht werden. Hier sagte der Pharmazeut, dass Apotheker »grundsätzlich bereit wären« Coronavirus-Impfungen durchzuführen.

Preis: Apotheker setehen bereit

Dazu erklärte der Verbandschef: »Wenn die Ärzte es nicht schaffen, die Impfstoffe zeitnah und in ausreichenden Mengen zu verabreichen, stehen wir Apotheker bereit.« Die Studien der verfügbaren Impfstoffe zeigten, dass die Nebenwirkungen ähnlich ausfielen wie die Nebenwirkungen bei Influenza-Impfstoffen. Und da Apotheker inzwischen auch Grippeimpfstoffe verabreichen dürfen, sollten auch Coronavirus-Impfungen in Apotheken grundsätzlich möglich sein, so Preis.

Zweitens müssten in den kommenden Wochen auch die Antigentests ausgeweitet werden. Preis sicherte der Politik die Unterstützung zu und erklärte, dass die Apotheken genutzt werden sollten, um zu den zu erwartenden Laientests zu beraten. Die Testaktivitäten der Apotheker und die von Apotheken aufgebauten Testzentren bezeichnete Preis als Übergangslösung – wichtig sei es, dass die Politik bei der Verteilung der Laientests auf die Fachkompetenz der Apotheker setze. Zur Erklärung: In einem ersten Entwurf einer novellierten Teststrategie hatte das BMG zuletzt angekündigt, Verträge mit Herstellern von Laientests abzuschließen und die Tests mit einer Eigenbeteiligung in Höhe von 1 Euro in den Markt bringen zu wollen. In diesem Zusammenhang forderte Preis auch, dass Apotheker in den kommenden Wochen schneller als ursprünglich geplant geimpft werden. Die Apotheker hätten schon in den vergangenen Monaten dauerhaft »in einer Viruswolke« gestanden. Wenn nun die Testaktivitäten noch ausgebaut werden, müssten die Apotheker auch schnellstmöglich geimpft werden.

Drittens erwartet der Verbandschef aufgrund der andauernden pandemischen Lage, dass die Coronavirus-Schutzmasken-Verordnung fortgeschrieben wird. Zur Erinnerung: Risikopatienten haben bis Mitte April die Möglichkeit, aus Apotheken FFP2-Masken gegen eine geringe Eigenbeteiligung zu beziehen. Viertens sprach sich der Verbandschef dafür aus, dass die derzeit für Apotheker geltenden erleichterten Abgabemöglichkeiten im Bereich der Rabattverträge verlängert werden. Schließlich forderte Preis auch, die Kompetenzen der Apotheker und ihrer Teams in der Pandemie weiterhin zu nutzen. Denn: »Wir Apotheker erklären Gesundheit, wir erklären den Menschen die Pandemie.«

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