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Katastrophenhilfe Libanon

Apotheker Helfen bittet um Spenden

Das Ausmaß der Zerstörung durch die gewaltige Explosion am 4. August in Beirut ist erschütternd: Mindestens 130 Tote, mehr als 5000 Verletzte und 300.000 Menschen ohne Obdach. Die Hilfsorganisationen Apotheker Helfen und Malteser International kooperieren, um den Verletzten rasch zu helfen.
Brigitte M. Gensthaler
10.08.2020  17:00 Uhr

Mit mobilen Ärzteteams, zwei Klinikbussen sowie stationären Gesundheitseinrichtungen startete Malteser International umgehend mit der Versorgung verletzter und kranker Menschen in Beirut. Rund 200 Malteser-Freiwillige helfen, Schutt und Scherben wegzuräumen und Wohnungen wieder bewohnbar zu machen. Möglich ist dies, weil Malteser International, das Hilfswerk des Malteserordens, und sein Partner »Lebanese Association of the Knights of Malta« (LAKM) seit Jahren im Gesundheitsbereich im Libanon aktiv und mit einheimischem Personal vor Ort sind.

Ingo Radtke, Generalsekretär von Malteser International, spricht gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung von einer »multiplen Krisenlage«. Die medizinische Versorgung im Land und speziell in Beirut sei durch den anhaltenden Bürgerkrieg, die Wirtschaftskrise, die hohe Zahl syrischer Flüchtlinge im Land und eine dramatische Zahl von Covid-19-Erkrankten schon vorher katastrophal gewesen. Die aktuelle Krise müsse man immer in diesem Kontext sehen. »Der Bedarf an Hilfsgütern ist flächendeckend vorhanden. In der Akutsituation geht es um die Primärversorgung der Verletzten. Daher wollen wir die mobilen Klinikbusse, die wir aus anderen Regionen abgezogen haben, verstärken und in Beirut in zwei Schichten betreiben. Neben Medikamenten und Hilfsgütern der Akutversorgung benötigen wir ebenso Arzneimittel gegen chronische Krankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck.«

Aktuell könnten die Hilfskräfte der Malteser auf Lagervorräte zurückgreifen, doch der Nachschub zur Versorgung müsse möglichst bald sichergestellt werden, erklärt Radtke. Ziel sei es, Medikamente und medizinische Hilfsgüter möglichst regional zu beschaffen: mit hohem Qualitätsstandard bei möglichst niedrigen Transportkosten. »Es soll möglichst viel vom Spendengeld bei den Bedürftigen ankommen und wenig beim Transport hängen bleiben.« Beispielsweise arbeite LAKM im Libanon mit dem Medikamenten-Hilfswerk Action medeor zusammen.

Gut vernetzt und hoch angesehen

Auf die unruhige Situation in Beirut angesprochen, ist der Generalsekretär zuversichtlich: »Unsere einheimischen Ärzte, Pfleger und sonstigen Helfer können helfen, sie werden nicht bedroht. Sie sind gut vernetzt und hoch angesehen.«

Gerade dies ist für Apotheker Helfen entscheidend, wie Geschäftsführer Andreas Wiegand erklärt: »Als kleine spezialisierte Organisation ist es uns wichtig, mit Partnern zu kooperieren, die große Erfahrung im betroffenen Land mitbringen und die geeignete Fachkräfte haben.« Apotheker Helfen wird vorrangig die pharmazeutische Versorgung der traumatisierten und verletzten Menschen unterstützen und stellt sich auf eine längerfristige Kooperation ein. »Wir dürfen nicht vergessen: Wenn die Verletzten akut versorgt sind, wird die Arbeit nicht beendet sein. Viel Engagement und Kraft wird benötigt, die Gesundheitsversorgung wiederaufzubauen«, so Wiegand.

Ingo Radtke weist zudem auf einen weiteren wichtigen Aspekt hin. »Wir müssen den Menschen ganzheitlich sehen und dringend auf die hohe Traumabelastung achten. Wir kümmern uns um die Wunden an Körper und Seele. Seelische Wunden können und müssen heilen – auch wenn dies manchmal sehr lange dauert.«

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