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Einsatz im Impfzentrum

Apotheker bekommen bis zu 140 Euro pro Stunde

Im Kampf gegen das Coronavirus steht der Aufbau der mehr als 400 Impfzentren bundesweit kurz vor dem Abschluss. Auch die Vergütung der Fachkräfte ist in einigen Ländern inzwischen geklärt. Apotheker sollen demnach bis zu 140 Euro pro Stunde für ihren Einsatz bekommen.
Stephanie Schersch
14.12.2020  14:38 Uhr

Es ist ein Kraftakt für alle Beteiligten: In diesem Tagen sollen Aufbau und Organisation von deutschlandweit rund 400 Impfzentren stehen. Nach Personal wird immer noch gesucht, darunter auch nach Apotheker und PTA. Sie sollen vor Ort die Rekonstitution und das Vorbereiten des tiefgekühlten Covid-19-Impfstoffs von Biontech/ Pfizer übernehmen.

In Berlin gibt es bereits sehr konkrete Pläne für den Einsatz der Apotheker. Demnach sollen die pharmazeutischen Fachkräfte dort in 10er-Teams und Schichten von jeweils sechs Stunden arbeiten. Das geht aus einem Schreiben von Apothekerkammer und –verein an alle Berliner Apothekeninhaber hervor. An der Spitze soll dabei ein diensthabender Apotheker stehen, der die pharmazeutischen Arbeiten überwacht und Dokumentation sowie Qualitätskontrolle übernimmt. Darüber hinaus sollen acht pharmazeutische Mitarbeiter und ein Springer zum Team gehören.

Gestaffelte Stundensätze

Für den Einsatz in einem der sechs Impfzentren der Hauptstadt schließt das Personal einen Arbeitsvertrag mit dem Land Berlin und erhält ein Gehalt nach festen Vergütungssätzen: Diensthabende Apotheker bekommen 120 Euro pro Stunde, alle anderen Apotheker 100 Euro. Für PTA und Pharmazieingenieure ist ein Stundenlohn von 40 Euro vorgesehen, für Pharmazeuten im Praktikum und Pharmaziestudenten gibt es 20 beziehungsweise 15 Euro pro Stunde. Damit liegen die Apotheker in etwa auf gleicher Höhe wie die Ärzte. Diese bekommen nach Aussage der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin 120 Euro pro Stunde. Für den unterstützenden Einsatz einer medizinischen Fachangestellten sind zusätzlich 60 Euro vorgesehen.

Das Land Rheinland-Pfalz unterscheidet bei der Vergütung gar nicht zwischen Ärzten und Apothekern. Beide Berufsgruppen erhalten nach Angaben der dortigen Apothekerkammer einen Stundenlohn von 140 Euro brutto, PTA sollen 50 Euro bekommen. Diese Kosten sollen die Fachkräfte dem Koordinator des jeweiligen Impfzentrums in Rechnung stellen. Auch Haftungsfragen sind im Südwesten bereits geklärt, wie aus einem Schreiben der Kammer an die Apotheker des Bundeslands hervorgeht. Demnach übernehmen die Fachkräfte mit ihrem Einsatz zur Vorbereitung der Impfungen hoheitliche Aufgaben bei der Pandemiebekämpfung und sind während dieser Tätigkeit sogenannte Beamte im haftungsrechtlichen Sinn. Damit haften Landkreis und Bundesland etwa im Falle von Impfschäden.

Bislang haben sich in Rheinland-Pfalz schon mehr als 900 Apotheker und PTA freiwillig für den Einsatz in einem der 31 Impfzentren gemeldet. Ob Pharmazeuten auch Teil der mobilen Impfteams sein werden, sei noch unklar und werde im Wesentlichen davon abhängen, wie transportfähig der bereits rekonstituierte Impfstoff ist, heißt es bei der Kammer.

Verhandlungen in NRW

Auch in Nordrhein-Westfalen sind noch nicht alle Fragen abschließend geklärt. Dort hatte das Gesundheitsministerium vorübergehend geplant, dass pharmazeutisches Personal den sensiblen Impfstoff in Apotheken mit Sterillabor aufbereitet. Doch schon nach wenigen Tagen war der Plan wieder verworfen worden. Nun sollen die Apotheker diese Aufgabe vor Ort in den landesweit 53 Impfzentren übernehmen. Das geht aus einem Schreiben der Apothekerkammern und -verbände in NRW hervor.

Demnach wird in jedem Impfzentrum pro Tag voraussichtlich ein zweiköpfiges Team bestehend aus Apotheker und PTA gebraucht. Geplant ist ein Einsatz von jeweils rund zwei Stunden am Morgen und gegen Mittag. Zur Vergütung der Freiwilligen hatte das Landesgesundheitsministerium in Düsseldorf zuletzt sehr allgemein versprochen, das Land werde den freistellenden Arbeitgebern alle Kosten erstatten und damit für den Lohnausfall der Fachkräfte aufkommen. Unklar ist aber noch, was das konkret für die Apotheker bedeutet. Dem Vernehmen nach gab es bis zuletzt Verhandlungen über diesen Punkt.

 

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