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Baden-Württemberg

Apotheken testen im staatlichen Auftrag

Seit einigen Wochen können Gesundheitsämter Apotheken beauftragen, für den öffentlichen Gesundheitsdienst zu testen. Das Sozialministerium Baden-Württemberg befähigt nun alle Apotheken im Land, dies zu tun. Zudem plant das Land die Testkosten für Grenzpendlerinnen und Grenzpendler zu übernehmen. Dafür sollen die Apotheker bald mit 30 Euro je Test vergütet werden.
Charlotte Kurz
05.02.2021  07:00 Uhr

Seit Mitte Januar 2021 können Apotheker nicht nur Antigentests in der Apotheke anbieten, sondern die Tests auch im staatlichen Auftrag beziehungsweise über eine entsprechende Beauftragung der Gesundheitsämter durchführen. Dies ist in der entsprechenden Coronavirus-Testverordnung geregelt, die das Bundesgesundheitsministerium (BMG) immer wieder aktualisiert.

Das Sozialministerium in Baden-Württemberg hat mit einem amtlichen Schreiben an die Apothekerkammer nun diesen Weg der staatlichen Beauftragung erleichtert. In diesem Schreiben bezieht sich das Ministerium auf Paragraf 6 der Coronavirus-Testverordnung des BMG, erklärte ein Sprecher des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg (LAV). In der Verordnung sind die möglichen Leistungserbringer der Testdurchführung, auch Apotheken, gelistet.

Künftig können damit alle Apotheken in Baden-Württemberg, die entsprechende Räumlichkeiten und Personal für die Tests haben, im staatlichen Auftrag ohne eine entsprechende individuelle Beauftragung durch das örtliche Gesundheitsamt testen, erklärte der Verbandssprecher der PZ. In Baden-Württemberg bieten aktuell 170 Apotheken Antigentests an (Stand 05. Februar 2021). Dies kann auf der Website der Landesapothekerkammer eingesehen werden.

Ziel ist, damit die Ärzte zu unterstützen und Quarantänemaßnahmen mittels negativer Schnelltest-Ergebnisse zu verkürzen. Diese Strategie bezieht sich jedoch lediglich auf die Antigentests. Die Durchführung von PCR-Tests ist nach wie vor den Ärzten vorbehalten. Laut Sozialministerium gilt für die Apotheker zudem eine Meldepflicht für positive Antigentests.

Registrierung und Abrechnung über die KV

Die Apotheken müssten sich lediglich auf der Website der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Baden-Württemberg registrieren, um die Kosten abrechnen zu können. Die Kosten für die Tests bezahlt aber letztendlich nicht die KV, sondern das Bundesamt für Soziale Sicherung und damit der Staat. Der Abrechnungsweg über die KV wurde lediglich gewählt, weil das auch so bereits über die Hausärzte funktioniere, so der LAV-Sprecher.

Konkret wird zudem eine Vergütung der Sachkosten der Tests in Höhe von 9 Euro je Test mit der KV abgerechnet. Außerdem können die Apotheken auch die erbrachte Leistung, die Abstrichkosten nach Paragraf 7 Absatz 3 der Test-Verordnung, mit der KV abrechnen. In diesen Pauschalen sind die Kosten für Schutzkleidung inkludiert, heißt es in einem Leitfaden, den das Ministerium erstellt hat.

Allerdings ist die Registrierungsmöglichkeit für Apotheken derzeit noch nicht freigeschalten. Auf der entsprechenden Website der KV steht, dass Apotheken sich spätestens bis zum 15. Februar registrieren können. Allerdings könne laut KV auch rückwirkend abgerechnet werden.

Regelung gilt für: Schüler, Kontaktpersonen und nichtärztliches Personal

Doch wie laufen die Tests auf Staatskosten konkret ab? Asymptomatische Personen, die Kontakt mit dem Coronavirus in direkter oder indirekter Form hatten, können im staatlichen Auftrag getestet werden, wenn sie ein sogenannter »Cluster-Schüler«, eine Kontaktperson oder Personal von nichtärztlichen Praxen und anderen medizinischen Heilberufen sind. Dies regelt der Ministeriums-Leitfaden.

Mit »Cluster-Schüler« sind Schülerinnen und Schüler gemeint, die ausschließlich im Schulkontext Kontakt mit einer positiv getesteten Person hatten. Dies gelte auch für Kinder in Kitas. Wer als solcher Cluster-Schüler in Quarantäne muss, könne frühestens am fünften Tag der Quarantäne mit einer entsprechenden Bescheinigung des Gesundheitsamts zu einer Apotheke gehen und sich dort testen lassen. Mit einem negativen Testergebnis könne die Quarantäne vorzeitig beendet werden. Dies sieht der Leitfaden des Sozialministeriums Baden-Württemberg vor.

Kontaktpersonen gelten nur dann als Kontaktperson, wenn sie »enge asymptomatische Kontaktpersonen von Personen mit einer bestätigten SARS-CoV-2-Infektion« sind oder über die Corona-Warn-App die Warnmeldung »Erhöhtes Risiko« erhalten haben. Auch Personen, die zu einem Haushalt angehören, in dem es einen bestätigten Corona-Fall gibt, gehören zur Gruppe der Kontaktpersonen. 

Die dritte Gruppe, nichtärztliches Personal, darf ebenfalls in Apotheken im Auftrag des öffentlichen Gesundheitsdiensts getestet werden. Dies gilt für Psychotherapeuten, Physiotherapeuten, Logopäden oder andere medizinische Heilberufe. Auch für die Kontaktpersonen und das nichtärztliche Personal gilt, dass sie eine entsprechende Quarantänebescheinigung der Behörde bei der Apotheke im Vorfeld der Testung vorlegen müssen. 

Bei Grenzpendler-Tests soll es 30 Euro geben

Zudem reagiert Baden-Württemberg auf die verschärften Einreisebedingungen des Bundes. So kündigte das Sozialministerium in einer Pressemitteilung an, dass das Land die Testkosten für Grenzpendlerinnen und Grenzpendler übernehmen werde, wenn das betreffende Nachbarland zu einem Hochinzidenzgebiet oder zum Virusvarianten-Gebiet erklärt werde. Es sei zeitnah geplant, dass auch die grenznahen Apotheken diese kostenfreien Tests anbieten können, erklärte das Ministerium am Mittwoch.

Auch der LAV informierte die Apotheken über dieses neue Vorhaben. In einer Vorabinformation an die Mitgliedsapotheken, die der PZ vorliegt, heißt es, dass sich künftig die Pendlerinnen und Pendler in der Grenzregion zu Frankreich und der Schweiz in den Apotheken testen lassen dürfen. Dafür müssen sie lediglich einen Berechtigungsschein der Arbeitgeber vorlegen. Die Vergütung dieser Tests soll laut LAV-Schreiben »analog, wie bei den Schutzmasken« erfolgen. Demnach soll die Abrechnung über die Rechenzentren unter Verwendung des Belegs »Nacht- und Notdienstfons des DAV« erfolgen. Es werde dafür eine Sonder-PZN zur Verfügung gestellt. Die Vergütung, die der LAV ankündigt ist dabei um einiges höher als die Vergütung der Testverordnung: 30 Euro brutto je Test, inklusive Sachkosten und zuzüglich einer Abrechnungsgebühr von 0,50 Euro. Weitere Details werden aktuell aber noch mit dem Sozialministerium geklärt, heißt es in der Mitteilung.

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