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Apobank-Umfrage

Apotheken nur mittelmäßig nachhaltig

Pharmazeuten halten Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein mehrheitlich für ein wichtiges Thema. Allerdings schätzen sie ihre eigenen Apotheken als nur mittelmäßig nachhaltig ein. Das hat eine Online-Umfrage im Auftrag der Apobank ergeben. Auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit gebe es große Herausforderungen, wie etwa hohe Kosten oder mangelnde Alternativen, finden die befragten Apotheker.
Charlotte Kurz
05.10.2021  15:45 Uhr

Die Bedeutung einer nachhaltigen Lebens- und Arbeitsweise im Hinblick auf den zügig voranschreitenden Klimawandel ist mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Auch in der Apothekenbranche ist das Thema in der Breite angekommen. Eine sehr große Mehrheit von Apothekern, die im Rahmen einer kürzlich erfolgten Online-Umfrage im Auftrag der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apobank) befragt wurden, finden etwa, dass Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert in ihrem Leben besitzt (92 Prozent).

Dass der Klimawandel und demzufolge der Klimaschutz auch direkt mit der Gesundheit der Menschen verbunden sind, hat erst vor wenigen Wochen ein eindringliches Plädoyer von mehr als 200 wissenschaftlichen Fachzeitschriften gezeigt. Die Wissenschaftler forderten darin striktere Maßnahmen, um einen weltweiten Temperaturanstieg von 1,5 Grad Celsius zu vermeiden. Denn diese Erderwärmung bilde die größte Gefahr der globalen öffentlichen Gesundheit (Public Health), so die Wissenschaftler.

Um diese Gefahr eindämmen zu können, sehen fast alle befragten Apotheker vornehmlich die Politik, Standesorganisationen, Krankenkassen und Unternehmen in der Verantwortung, eine nachhaltige Gesundheitsversorgung voranzutreiben (92 Prozent). Allerdings findet auch eine knappe Mehrheit der befragten Apotheker (48 Prozent), dass das deutsche Gesundheitswesen aktuell vor wichtigeren Herausforderungen steht, als sich mit Folgen des Klimawandels zu befassen. Dass das Gesundheitswesen aber insgesamt resilienter und krisensicherer gestaltet werden sollte, da sind sich die befragten Apotheker mit 94 Prozent sehr einig. Zudem sollte das Gesundheitswesen in Deutschland in den Augen der Pharmazeuten auch präventiver gestaltet sein, dem stimmen 88 Prozent zu.

Im Hinblick auf die eigene Arbeit schätzten die befragten Apotheker ihre Offizin als mittelmäßig nachhaltig ein. Auf einer Skala von 1 (nicht nachhaltig) bis 10 (sehr nachhaltig), kamen die befragten Apotheker damit auf einen Durchschnitt von 6,1. Nur knapp jeder Fünfte bewertete seine Apotheke auf einer Skala zwischen 8 bis 10. Dabei achten Apotheker aber vor allem beim Thema Entsorgung auf Nachhaltigkeit. Demnach berücksichtigen 93 Prozent Umweltaspekte bei der Entsorgung, 85 Prozent beim Energieverbrauch. Die Apobank befragte allerdings nicht nur Apotheker, sondern auch Fach-, Haus- und Zahnärzte. Im Vergleich zu den Ärzten, schnitten die Apotheken beispielsweise besser bei Mobilitätsaspekten wie etwa Fahrgemeinschaften oder Bezuschussungen zum öffentlichen Nahverkehr ab. Rund 60 Prozent der Pharmazeuten beachten hier verstärkt die Umwelt, während bei den Ärzten nur rund die Hälfte auf umweltfreundliche Mobilität achtet. Am wenigsten beachten Apotheker Aspekte der Nachhaltigkeit bei der Gebäudetechnik (31 Prozent). Insgesamt finden aber 71 Prozent, dass sie in ihrer täglichen Arbeit klimatechnisch einen Unterschied machen können, wenn sie ihre Apotheke nachhaltig aufstellen. Und: 56 Prozent der Apotheker beobachten derzeit eine Zunahme der gesundheitlichen Auswirkungen durch den Klimawandel in ihrer Offizin

Transformation zu mehr Nachhaltigkeit oftmals schwierig

Gefragt, warum Apotheken nachhaltiger gestaltet werden sollten, gaben 85 Prozent der Apotheker als Grund die eigene Überzeugung an, 77 Prozent nannten die soziale Verantwortung. Für mehr als die Hälfte der befragten Teilnehmer spielt aber auch die langfristige Senkung von Betriebskosten eine wichtige Rolle.

Allerdings stellt die Umfrage auch deutlich heraus, dass Apotheker auch vor Herausforderungen bei der Transformation der Apotheke hin zu mehr Nachhaltigkeit gestellt werden. So finden knapp 50 Prozent der Befragten, dass diese Umstellung mangels nachhaltiger Alternativen, beziehungsweise aufgrund eines zu hohen Aufwands schwierig sei. Rund 40 Prozent gaben zudem an, dass Nachhaltigkeitsaspekte in der Apotheke zu hohe Kosten mit sich brächten und dass es hierfür zu wenig Unterstützung gebe. Eine befragte Apothekerin wünscht sich beispielsweise staatliche Förderungsanreize, ein anderer Apotheker wäre dankbar für Tipps und Informationen rund um das Thema Nachhaltigkeit und Gesundheit. Eine Idee, wie das Thema Nachhaltigkeit in der Offizin besser integriert werden kann, hat Apotheker Albrecht Binder aus dem nordrhein-westfälischen Steinheim vor einigen Wochen der PZ erläutert. Binder misst regelmäßig den Einfluss seiner Apotheke auf die Umwelt und findet, dass dieses System der sogenannten Gemeinwohlökonomie auch die richtigen staatlichen Anreize setzen könnte.

Die Apobank befragte für diese Umfrage insgesamt 500 Heilberufler, davon jeweils ein Viertel Hausärzte, Fachärzte, Zahnärzte und Apotheker. Von den befragten 125 Apothekern waren 95 Prozent Apothekeninhaber und 5 Prozent Teilhaber. Insgesamt liegt die Geschlechterverteilung der befragten Teilnehmer bei 50 Prozent Frauen. Auch die Stadt-Land-Verteilung ist relativ gleichmäßig, so wurden insgesamt 41 Prozent Heilberufler befragt, die auf dem Land leben oder aus einer Kleinstadt kommen. Demnach leben und arbeiten 59 Prozent der Befragten in einer mittleren bis großen Stadt. Die Online-Umfrage wurde vom 28. Juli bis zum 23. August 2021 im DocCheck Panel von DocCheck Insights im Auftrag der Apobank durchgeführt.

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