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Coronavirus-Tests

Apotheken dürfen ab Freitag Antigentests an Schulen abgeben

Mit einer neuen Rechtsverordnung plant das Bundesministerium für Gesundheit (BMG), dass Lehrer und Erzieher selbst Antigentests durchführen dürfen. Mit der Verordnung ist zudem geregelt, dass Apotheken die Schnelltests ab Freitag auch an Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas und Schulen abgeben dürfen.
Charlotte Kurz
03.12.2020  14:00 Uhr

Im Zuge der weiter voranschreitenden Pandemie möchte die Regierung die Schulen trotz aktuell hoher Infektionszahlen offenhalten. Das Robert-Koch-Institut (RKI) verzeichnete am Donnerstag 22.046 Coronavirus-Neuinfektionen. Um Lehrer und Erzieher, aber auch Kinder und Jugendliche vor einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 zu schützen, soll am Freitag eine neue Verordnung aus dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) in Kraft treten. Darin ist geregelt, dass Lehrer und Erzieher sich künftig selbst auf das Coronavirus testen dürfen. Allerdings müssen sie für diesen Zweck an einer entsprechenden Schulung teilnehmen. 

Mit der Verabschiedung des Dritten Bevölkerungsschutzgesetzes hatte der Gesetzgeber bereits den Arztvorbehalt bei der Durchführung von Schnelltests aufgeweicht, um laut BMG »patientennahe Schnelltests auf das Coronavirus SARS-CoV-2 einsetzen zu können und bei Bedarf auch Kapazitäten der veterinärmedizinischen Labore abrufen zu können.« Damit könne grundsätzlich jeder die Tests anwenden, allerdings müssen diese durch entsprechend geschultes Personal erfolgen, erklärte ein BMG-Sprecher auf Nachfrage der PZ.

Die Verordnung ändert nun die Medizinprodukte-Abgabeverordnung (MPAV) im Rahmen der epidemischen Lage nationaler Tragweite. Das bedeutet, dass die Änderungen nach dem Ende der Pandemie und einem entsprechenden Beschluss des Bundestags, spätestens jedoch zum 31. März 2021, wieder zurückgenommen werden. Ab Freitag gilt nun, dass In-Vitro-Diagnostika, zu denen Schnelltests zählen, auch an Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindertageseinrichtungen, Kinderhorte, Kindertagespflegeeinrichtungen, Schulen, Heime und Ferienlager abgegeben werden können. Apotheken können somit künftig Antigentests nicht nur wie bisher an Praxen, Krankenhäuser, Pflegeheime und Rettungsdienste abgeben, sondern auch Bildungseinrichtungen mit den Schnelltests versorgen. Die BMG-Verordnung, die der PZ vorliegt, erscheint am Donnerstag im Bundesanzeiger und tritt damit am morgigen Freitag in Kraft.

Abgabe von Antigentests soll vergütet werden

Die Abgabe von Antigentests soll dabei vergütet werden, dies ist in einem weiteren Verordnungsentwurf des BMG geregelt. In einem aktuellen Entwurf plant das Ministerium, die Apotheken pro Test mit 60 Cent zu vergüten. Vor einigen Wochen lag diese Fixvergütung noch bei einer Höhe von 40 Cent. Offenbar reagierte der Gesetzgeber damit auf die Kritik von Apothekerverbänden.

Der Funke Mediengruppe sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dazu am Donnerstag:  »Kitas und Schulen beziehungsweise ihre Träger können von Freitag an eigenständig Schnelltests beziehen und nutzen. Lehrerinnen und Lehrer werden sich regelmäßig selbst testen dürfen.« Es sei eine weitere alltagstaugliche Option, um Kindern auch in Pandemiezeiten den Kita- oder Schulbesuch zu ermöglichen, so Spahn.

Wieler: Hygienebeauftragter wäre sinnvoll

RKI-Präsident Lothar Wieler plädiert bezüglich der Tests in den Schulen für die Ernennung eines Hygienebeauftragten. Testungen in Schulen seien im Rahmen eines gesamten Hygienekonzepts sinnvoll, erklärte Wieler am Donnerstag in Berlin. »Es wäre am besten, wenn ein bestimmter Lehrer zum Hygienebeauftragten ernannt würde, dieser natürlich auch entsprechend weitergebildet wird von den lokalen Behörden, um dann diese Tests sinnvoll einzusetzen.« Dazu bedürfe es einer gewissen Kenntnis, aber das sei wirklich machbar, fügte er laut dpa-Mitteilung hinzu.

Laut Medienberichten gab es seit Beginn der Pandemie 636 Coronavirus-Ausbrüche in Schulen. In den vergangenen vier Wochen habe es rund 64 Ausbrüche pro Woche gegeben, berichteten Zeitungen der Funke Mediengruppe. Der Anteil der Infektionsfälle an Schulen an allen Corona-Ausbrüchen liege damit bei etwa zwei Prozent. Laut Statista-Zahlen gibt es im aktuellen Schuljahr 2019/2020 32.332 allgemeinbildende Schulen in Deutschland.

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