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PZ-Publikumsfavorit

Apostart: Gutscheinkarten für Apotheken konnten überzeugen

Die diesjährige Finalrunde des Start-up-Wettbewerbs Apostart steht fest: Vier junge Unternehmen, die im Gesundheitsmarkt Fuß fassen möchten, wurden in einem Vorpitch ausgewählt und werden am kommenden Dienstag um den ersten Platz beim digital übertragenen Finale kämpfen. Ein Unternehmen überzeugte die PZ-Leserschaft vorab und zog per Wild Card ins Finale ein.
Cornelia Dölger
08.09.2021  18:00 Uhr

Fast 2000 PZ-Leserinnen und -Leser hatten in der vergangenen Woche an der digitalen Umfrage teilgenommen und sich in einer Umfrage für Loop Card Systems ausgesprochen. Das Start-up mit Sitz im Hamburger Norden bietet Geschenk-Gutscheinkarten an – das Besondere hierbei: Alles rund um diese Karten soll sich um Gesundheit drehen. »Deshalb lautet unser Motto: Gesundheit ist das beste Geschenk«, erklärt Co-Geschäftsführer Thomas Rabe im Gespräch mit der PZ. Rund 50.000 Karten seien fertig produziert – übrigens aus umweltfreundlichem Bio-PVC – und könnten sofort in den Markt gehen, ergänzt Rabes Kollege Moses Rothschild. Dass ihr Produkt nun zum PZ-Leserfavoriten gewählt wurde, freut die beiden Unternehmer. »Wir wollen den lokalen Apotheken helfen, die mehr und mehr unter Druck geraten, weil die digitale Konkurrenz stetig wächst«, so Rabe.

Wie genau soll das geschehen? Der Vorteil für die Apotheken, so Rabe, bestehe darin, dass die »Good-4-you«-Gutscheinkarten in bis zu 200.000 Verkaufsstellen im Einzelhandel erworben werden könnten – also etwa in Supermärkten, Tankstellen oder am Kiosk –, wodurch eine breite Masse an Kunden angesprochen werde. Eingelöst werden könnten sie aber ausschließlich in teilnehmenden lokalen Apotheken, entweder als physische Karte oder auch per App. »Dadurch bekommen die Apotheken eine größere Präsenz und werden zu neuen Zulaufstellen«, ist Rabe überzeugt. Für Apotheken, die sich als solche so genannte Akzeptanzpartner listen lassen wollten, fielen an Kosten in der Anlaufphase 499 Euro und danach 899 Euro pro ganzem Jahr an. Mittelfristig sollten neben Apotheken auch weitere Leistungsträger im Gesundheitssystem, etwa Arztpraxen mit IGeL-Leistungen oder Physiotherapeuten, an dem System teilnehmen. »Wir wollen also, dass die Gutscheine ausschließlich im Gesundheitssystem eingelöst werden können«, so Rothschild.

Zu kaufen geben solle es die etwa scheckkartengroßen Gutscheine zu 15, 30, 50 oder 100 Euro. »Damit gibt es dann zu Weihnachten eben mal keine Flasche Wein, sondern ein aktives Geschenk für die Gesundheit«, erklärt Rabe. Mit den Gutscheinen könnten in den Apotheken OTC- wie auch Rx-Medikamente erworben werden – hier gehe es allerdings immer nur um den Eigenanteil, den die Kundinnen und Kunden zu zahlen hätten. Derzeit noch auf einen Testmarkt in Hamburg beschränkt, soll das Geschäft mit den Karten möglichst schnell großflächig an den Start gehen; wegen der Corona-Pandemie habe sich der gesamte Prozess um zwei Jahre verzögert, erklärt Rabe. Inzwischen stehe aber von der Technik bis zu den Karten alles bereit.

Analoge Impfausweise für Menschen ohne Smartphone

Um physisch vorhandene Karten dreht es sich auch beim nächsten Start-up, das sich im Vorpitch für das Apostart-Finale qualifiziert hat. Die »Immunkarte« ist ein analoger Impfnachweis in Scheckkartenformat, der »die Lücke zwischen dem digitalen Impfzertifikat und dem analogen gelben Impfpass« schließen soll, wie das Unternehmen in seiner Präsentation beschreibt. Der digitale Impfpass, der im Zuge der Coronavirus-Pandemie den Impfstatus anzeigt, sei zwar eine gute Lösung für digital-affine Menschen, heißt es dort. Jedoch gebe es keine »alltagstaugliche analoge Alternative«. Von einem Apotheker ins Leben gerufen, ziele die »Immunkarte« genau auf diese Problematik ab und hole Kunden ohne Smartphone so mit ins Boot. Die Karte könne mit allen offiziellen EU-Scan-Apps verifiziert werden. Sechs Monate nach seiner Gründung arbeite das Start-up inzwischen bereits mit 2000 Apotheken in Deutschland zusammen.

Einem klassischen Apothekenthema widmet sich der nächste Finalist Adjuta-Byte. Das Spin-Off des Fraunhofer-Instituts für Algorithmen und Wissenschaftliches Rechnen in Sankt Augustin bei Bonn erstellt Software für Tourenplanung – hier geht es also um den Botendienst der Apotheken. Künstliche Intelligenz und Algorithmen sollen hierbei helfen, die täglichen Routen zu optimieren, etwa durch kürzere Fahrzeiten. Dabei soll die smarte Software den hauseigenen Botendienst nicht ersetzen, heißt es in der Unternehmensbeschreibung, sondern »die Apotheken stärken und unterstützen, ihre Botendienstleistung optimal anbieten zu können und somit eine sichere Versorgung und Beratung ihrer Kunden zu garantieren«.

Teilnahme an Coupon-Kampagnen vereinfachen

Beim vierten und letzten Finalisten Digicoupon geht es um Coupon-Kampagnen im inhabergeführten Einzelhandel. Mit einer Softwarelösung soll es zum Beispiel Apotheken leichter gemacht werden, an solchen Kampagnen teilzunehmen. Das Ganze soll frei zugänglich sein, also nicht integriert ins jeweilige Kassen- oder Warenwirtschaftssystem der Apotheke. Das System gebe der Industrie die Möglichkeit, konzertierte Aktionen über Vor-Ort-Apotheken auszurollen, heißt es in der Produktbeschreibung. »Jede Apotheke, die bei Digicoupon angemeldet ist, kann an jeder Aktion, die beworben wird, teilnehmen.« Dies beschleunige die Marketingaktionen und mache die lokale Apotheke als Partner attraktiver.

Wer der vier Finalisten am kommenden Dienstag als Sieger des diesjährigen Apostart-Pitches hervorgehen wird, ist naturgemäß noch offen; das digital zugeschaltete Publikum hat aber auch hier die Möglichkeit mitzuwirken. Neben einer Fachjury bestimmen die Zuschauerinnen und Zuschauer, wer letztendlich das Rennen um den ersten Platz macht und damit unter anderem 4000 Euro Preisgeld sowie die Möglichkeit gewinnt, sich kostenlos bei der Expopharm 2022 zu präsentieren.

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