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Jahresbilanz 2020

Apobank will IT-Probleme bis September ausstehen

Die Querelen rund um die missglückte IT-Migration lassen die Apobank nicht los. Bis September gibt sich das Kreditinstitut, um die letzten Nachwehen auszustehen. Auch in der Bilanz für 2020 hinterlässt das Projekt Spuren. Die Apobank ist dennoch zufrieden mit dem Geschäftsjahr.
Stephanie Schersch
15.04.2021  15:00 Uhr

Die Covid-19-Pandemie hat auch den Bankensektor fest im Griff. Bislang konnte sich die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) mit ihrem Geschäftsmodell vergleichsweise solide durch die Krise manövrieren. Ein anderes Thema drückt dem Kreditinstitut hingegen sehr viel stärker auf das Gemüt. Auch mehr als 10 Monate nach dem Umstieg auf ein neues Kernbanksystem hat die Bank immer noch mit zahlreichen Nacharbeiten der IT-Migration zu tun. Bis Ende März sollten diese Probleme eigentlich ausgestanden sein. Nun gilt ein Ende der Nachwehen bis Anfang September als das neue Ziel.

Am heutigen Donnerstag zog die Apobank in Düsseldorf Bilanz. Im Zuge der IT-Umstellung hatte das Kreditinstitut Ende Mai 2020 innerhalb weniger Tage die komplette Hard- und Software auf eine neue Plattform gehoben. »Ein ausgesprochen komplexes Projekt«, sagte Apobank-Chef Ulrich Sommer. Das Ergebnis waren teils chaotische Zustände und verärgerte Kunden, die vorübergehend nicht auf ihre Konten hatten zugreifen können. Die Umsetzung habe in der Tat nicht den Qualitätsanspruch der Apobank erfüllt, »insbesondere an der Schnittstelle zu unseren Kunden«, so Sommer. Dennoch hat die Bank nach eigenen Angaben kaum Kunden infolge der Probleme verloren.

Mehr Ausgaben für die Verwaltung

»Aktuell befinden wir uns in der Konsolidierungsphase, die bei Projekten dieser Art üblich ist.« Sommer zufolge gibt es derzeit weniger als 400 Bugs, die als signifikant eingestuft werden. In den kommenden Monaten sollen weiterhin regelmäßige Updates eingespielt und die meisten Probleme damit behoben werden. Wo genau es noch hakt, verriet Sommer nicht. Auch bei den Kosten der IT-Migration lässt sich die Apobank nicht so recht in die Karten schauen. Sommer sprach von einem »mittleren dreistelligen Millionenbetrag«, der für das Projekt ausgegeben wurde. Damit liege man innerhalb der für die Umstellung veranschlagten Summe, inklusive Nacharbeiten.

Trotz aller Querelen verteidigte Sommer die Entscheidung für das neue Kernbanksystem der Schweizer Firma Avaloq. »Die Umstellung war durch das Auslaufen unseres alten Systems zwingend erforderlich geworden.« Zudem wolle man sich mit der neuen IT besser für die Zukunft rüsten. Die Kosten für die IT-Migration hinterlassen derweil auch Spuren in den Geschäftszahlen der Apobank. So liegen die Verwaltungsausgaben für 2020 mit 721 Millionen Euro mehr als 5 Prozent über dem Vorjahreswert. »Damit haben wir einen substanziellen Teil der IT-Migrationskosten verarbeitet«, sagte Holger Wessling, Chef der Privatkunden-Sparte. »Ohne diese wäre unser Verwaltungsaufwand sogar gesunken.«

Eine Dividende für 2019

Insgesamt konnte die Apobank ihren Jahresüberschuss mit 65,3 Millionen Euro im Vergleich zu 2019 (64,1 Millionen) leicht ausbauen. Auch die für Banken so wichtige Kernkapitalquote kletterte auf 16,3 Prozent (2019: 15,2 Prozent). Dem Zinsüberschuss haben die günstigen Refinanzierungsbedingungen im vergangenen Jahr erneut Rückenwind verschafft. So stieg diese wichtige Ertragsquelle der Bank um fast 9 Prozent auf 750,4 Millionen Euro (2019: 691,1 Millionen). Auch beim Provisionsüberschuss legte das Kreditinstitut 5 Prozent auf 184,3 Millionen Euro zu (2019: 175,3 Millionen).

Ihren Kunden gewährte die Bank Kredite in Höhe von insgesamt 38,2 Milliarden Euro, ein Plus von 2,5 Prozent im Vergleich zu 2019. Zurückhaltender agierte sie hingegen im Neugeschäft mit Darlehen, das mit 5,8 Milliarden Euro unter dem Vorjahreswert lag. Deutlich weniger als 2019 hat die Apobank zudem in die Risikovorsoge mit Reservecharakter gesteckt. Mit 33,5 Millionen Euro flossen satte 41 Prozent weniger in diesen Pool.

Eine Dividende für 2020 wird es vorerst nicht geben. Sommer zufolge wäre die Apobank zwar in der Lage, ihre Mitglieder mit 4 Prozent am Gewinn zu beteiligen. Das allerdings lassen die Pandemie-bedingten Vorgaben der Europäischen Zentralbank derzeit nicht zu, unter deren Aufsicht die Apobank steht. Immerhin für 2019 soll es nun aber verspätet eine Dividende in Höhe von 2 Prozent geben.

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