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Alzheimer

Antipsychotika erhöhen Risiko für Kopfverletzungen

Antipsychotika erhöhen nicht nur das Sturzrisiko, sondern womöglich auch das Risiko für Kopfverletzungen. Hinweise auf eine Assoziation liefert eine Studie mit Alzheimer-Patienten, die kürzlich im Fachmagazin »Journal of the American Geriatrics Society« veröffentlicht wurde.
Kerstin A. Gräfe
08.01.2020  13:46 Uhr

Antipsychotika sind nicht nur bei Schizophrenie indiziert, sondern werden auch bei älteren Personen mit Demenz eingesetzt. Eine bekannte Nebenwirkung ist, dass sie bei Behandlungsbeginn zu orthostatischer Hypotonie führen und dadurch das Sturzrisiko erhöhen. Unklar war bislang, ob damit vermehrt Kopfverletzungen einhergehen.

Das Team um Dr. Vesa Tapiainen von der University of Eastern Finland analysierte  landesweit die Daten von Finnen, bei denen in den Jahren von 2005 bis 2011 eine Alzheimer-Demenz diagnostiziert wurde. Sie konnten rund 43.500 Betroffene ausfindig machen, von denen 21.795 mit der Einnahme von Antipsychotika begannen. Als Kontrollgruppe dienten ebenfalls 21.795 Patienten, die keine antipsychotischen Medikamente einnahmen.

Die Einnahme von Antipsychotika war mit einem 29 Prozent höheren Risiko für Kopfverletzungen verbunden. Die »Ereignisrate« pro Jahr betrug 1,65 gegenüber 1,26 pro 100 Personenjahre bei den Anwendern gegenüber den Nicht-Anwendern. Zudem war die Einnahme mit einem 22 Prozent höheren Risiko für traumatische Hirnverletzungen assoziiert. Beim Vergleich der Antipsychotika untereinander hatten Quetiapin-Anwender ein 60 Prozent höheres Risiko für ein Schädel-Hirn-Trauma als Risperidon-Benutzer.

»Menschen mit Alzheimer haben ein höheres Risiko für Stürze, Kopfverletzungen und Schädel-Hirn-Traumata und eine schlechtere Prognose nach diesen Vorfällen im Vergleich zu Personen ohne Alzheimer-Krankheit«, sagt Tapiainen. Daher sei es wichtig, ein erhöhtes Risiko durch Antipsychotika in dieser gefährdeten Bevölkerungsgruppe möglichst zu vermeiden.

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