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Covid-19

Antikörper-Kombis wirksam – aber bislang kaum nutzbar

Monoklonale Antikörper zur Behandlung einer leichten bis moderaten Covid-19-Erkrankung dürfen eingesetzt werden, um schwere Verläufe zu verhindern. Sie reduzieren das Risiko für schweres Covid-19 oder den Tod um 70 Prozent, wie neue Daten von Roche belegen. Ihr Einsatz scheitert bislang allerdings an der Logistik.
Daniela Hüttemann
24.03.2021  17:00 Uhr

Drei Präparate mit monoklonalen Antikörpern gegen SARS-CoV-2 durchlaufen derzeit bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA ein Rolling-Review-Verfahren: 1. REGN-COV2 von Roche und Regeneron, das Casirivimab und Imdevimab enthält; 2. Bamlanivimab/Etesevimab von Eli Lilly und 3. das Monopräparat Regdanvimab von Celltrion. 

Zwar steht die offizielle Zulassung noch aus, doch hat die EMA die Anwendung von Casivirimab/Imdevimab und Bamlanivimab/Etesevimab bereits empfohlen. Das gilt für Patienten ab zwölf Jahre mit leichtem bis moderatem Covid-19, die nicht auf eine Sauerstoffzufuhr angewiesen sind, aber ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben. 

Heute von Roche bekannt gegebene Daten zeigen für die Kombination aus Casirivimab und Imdevimab, dass eine einmalige Infusion bei der vorgesehenen Personengruppe das Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf oder Tod um 70 Prozent reduziert. Zudem verkürzt sich die Dauer der Symptome signifikant um vier Tage. Die Daten stammen aus der Studie REGN-COV 2067. An dieser Phase-II/III-Studie haben mehr als 4500 nicht hospitalisierte Covid-19-Patienten mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf teilgenommen. Sie erhielten entweder die Antikörper-Kombination (1200 oder 2400 mg) oder eine Placebo-Infusion. In beiden Dosierungen sei der primäre Studienendpunkt erreicht worden. Die Risikoreduktion betrug 70 Prozent (1200 mg) beziehungsweise 71 Prozent (2400 mg). Die Symptomdauer sank von 14 auf 10 Tage (sekundärer Endpunkt).

Zudem berichtet Roche aus einer anderen Phase-III-Studie mit dem Präparat mit symptomatisch oder asymptomatisch Infizierten mit niedrigem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf, dass sich bei den Probanden die Viruslast signifikant reduzierte (REGN-COV 20145). Außerdem hätte Roche in Laborversuchen zeigen können, dass seine Antikörper-Kombination auch vor Virusvarianten schützt, was das Unternehmen jedoch nicht näher ausführte.

Wo und wie bekommen leicht Erkrankte die Infusion?

Stellt sich nur noch die Frage, wie kommt ein leicht Erkrankter an die Infusion im ambulanten Setting? Dafür scheint es für Deutschland noch keine Lösung zu geben. Wie das »Deutsche Ärzteblatt« gestern in Bezug auf eine Pressekonferenz mit dem Berliner Infektiologen und Pneumologen Professor Dr. Leif Erik Sander berichtet, seien die vom Bund im Januar besorgten 200 Millionen Dosen Antikörper bislang kaum genutzt worden. Bis zum 12. März sollen es erst rund 620 Flaschen Bamlanivimab und 190 Ampullen Casirivimab/Imdevimab gewesen sein, so das Ärzteblatt und beruft sich dabei auf Zahlen aus dem Bundesgesundheitsministerium.

Bereitgestellt werden die Dosen vom Bund an die Krankenhäuser beziehungsweise deren Apotheken, dabei sollen ja eigentlich noch nicht hospitalisierte Patienten die Medikamente bekommen. Laut Infektiologe Sander seien die Präparate bislang wohl vor allem bei Patienten stationär zum Einsatz gekommen, die aus anderen Gründen im Krankenhaus waren, zum Beispiel Krebspatienten, bei denen im Rahmen von Testungen eine SARS-CoV-2-Infektion festgestellt wurde. Sander betonte, dass der Einsatz wirklich in der Frühphase der Erkrankung erfolgen müsse.

Casirivimab und Imdevimab müssen zuerst noch verdünnt werden und können dann gemeinsam infundiert werden. Die Infusion sollte über mindestens 60 Minuten laufen. Gleiches gilt für Bamlanivimab/Etesevimab, nur das hier die Infusionszeit je nach Dosierung 21 bis 70 Minuten dauert.

Ins Krankenhaus könne man leicht kranke Covid-19-Patienten jedoch nicht einfach einbestellen, da sie dafür nicht krank genug seien, zitiert das Ärzteblatt den Infektiologen. Im BMG ist man sich aber wohl des Problems bewusst und arbeite an Lösungen. Möglich sei zum Beispiel, dass Ärzte im Notdienst oder Rettungsdienste solch ein Präparat zum Patienten nach Hause bringen, dort intravenös verabreichen und den Patienten anschließend noch mindestens eine Stunde überwachen. 

»Ein Einsatz in Hausarztpraxen ist aus meiner Sicht theoretisch vorstellbar, allerdings müssten dann SARS-CoV-2 positive PatientInnen einbestellt werden für eine einstündige Infusion mit Nachbeobachtung – das ist logistisch wahrschein schwer zu leisten«, kommentiert Sander auf Nachfrage der Pharmazeutischen Zeitung. Er hofft trotzdem, dass ein breiterer Einsatz der Antikörper-Präparate der dritten Welle ihre Wucht nehmen kann, indem Hospitalisierungen verhindert werden. 

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