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Sinnvoller Schutz

Alles Wichtige zur Beratung bei der Maskenabgabe

Auf die Apotheker kommt eine große Aufgabe zu: Sie sollen 400 Millionen FFP2-Masken an Risikopersonen abgeben, um diese möglichst effektiv vor einer SARS-CoV-2-Infektionen zu schützen. Da ein hoher Schutz nur bei korrekter Handhabung der Masken besteht, kommt der Beratung in der Apotheke eine große Bedeutung zu. Die PZ hat die wichtigsten Aspekte zusammengefasst.
Carolin Lang
11.12.2020  17:30 Uhr

Der vor Kurzem veröffentlichte Verordnungsentwurf des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) sieht die Abgabe von rund 400 Millionen partikelfiltrierenden Halbmasken an Risikopatienten durch Apotheken vor, um eben diese Personen ganz besonders vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 zu schützen. Das soll schwere Verläufe und Todesfälle verhindern. Damit stehen die Apotheker vor einer großen Aufgabe – sowohl regulatorisch als auch pharmazeutisch. Denn die Nachfrage ist nun bereits groß und die Beschaffung der Masken sowie die Kontrolle der Berechtigung problematisch. Doch zu alldem sollten Apothekenmitarbeiter möglichst noch zu den Masken beraten, wenn die Verteilung einen medizinischen Sinn ergeben soll.

Der Schutzeffekt durch eine FFP2-Maske ist nämlich laut Robert-Koch-Institut (RKI) bei einer fehlerhaften Anwendung nicht zwangsläufig höher als bei einer medizinischen Gesichtsmaske (MNS). Er sei nur dann umfassend gewährleistet, wenn die FFP2-Maske dicht sitzend, also passend zur Gesichtsphysiognomie und abschließend auf der Haut, und nach Durchführung eines sogenannten FIT-Tests getragen werde. »Bei der Anwendung durch Laien ist ein Eigenschutz über den Effekt eines korrekt getragenen MNS hinaus daher nicht zwangsläufig gegeben«, schreibt das Institut auf seiner Internetseite (im FAQ unter Infektionsschutzmaßnahmen).

Zudem ist das RKI der Auffassung, dass eine Anwendung durch Laien möglichst ärztlich begleitet werden sollte, um »über die Handhabung und Risiken aufzuklären, einen korrekten Dichtsitz zu gewährleisten, die für den Träger vertretbare Tragedauer unter Berücksichtigung der Herstellerangaben individuell festzulegen und gesundheitliche Risiken/Folgen zu minimieren«. Denn eine FFP2-Maske stellt einen relevanten Atemwiderstand dar. An dieser Auffassung hielt das RKI auf Nachfrage der PZ auch angesichts der anstehenden Verteilung von Masken durch Apotheken fest.

Nun sollen die Masken voraussichtlich ab dem 15. Dezember millionenfach an Laien abgegeben werden. Da die Ärzteschaft den Ansprüchen des RKI unter den aktuellen Bedingungen in diesem Ausmaß nicht nachkommen kann, wäre es besonders wichtig, dass die Apothekenmitarbeiter ihre Patienten über die korrekte Handhabung und über eventuelle Risiken aufklären. Auch mit Blick darauf, dass kein falsches Sicherheitsgefühl entsteht. Dazu hat die PZ mit Unterstützung durch die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) noch einmal die wichtigsten Informationen zusammengetragen. Der Direktor des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin der Vivantes – Netzwerk für Gesundheit GmbH in Berlin, Dr. Christian Brandt, war daran maßgeblich beteiligt.

Sicherer Umgang mit FFP2-Masken

Ein wichtiger Aspekt für die Schutzwirkung durch eine FFP2-Maske ist die Tragedauer. Eine FFP2-Maske ist immer dann zu wechseln, wenn sie durchfeuchtet ist. Das wird beispielsweise durch Sprechen begünstigt. Bei Erkältungssymptomen sollte man vom Tragen einer FFP2-Maske eher absehen, denn dann durchfeuchtet die Maske sehr schnell. Eventuelle Herstellerangaben zur Tragedauer sollten bei jedem Produkt individuell geprüft und beachtet werden.

Generell kann eine FFP2-Maske im Alltag mehrfach verwendet werden, meint Brandt. Voraussetzung für eine volle Schutzwirkung bei der Wiederverwendung ist allerdings, dass die Maske vorher nicht komplett durchfeuchtet war. In diesem Fall wäre die Maske sofort zu entsorgen. Wichtig bei der Wiederverwendung ist außerdem, dass die Maske zwischendurch so gelagert wird, dass sie erstens gut trocknet und zweitens keine anderen Gegenstände kontaminieren kann – dies kann zum Beispiel durch Aufhängen der Maske gewährleistet sein.

Beim erneuten Aufsetzen der Maske sollte darauf geachtet werden, eventuell vorhandene Erreger von der Außenfläche nicht auf die Innenfläche zu verschleppen. Die Innenseite der Maske sollte daher bestenfalls nicht berührt werden. Eine FFP2-Maske sollte weder durch Waschen noch durch Desinfizieren noch mithilfe einer Mikrowelle »aufbereitet« werden.

Zudem kann es vorteilhaft sein, das Auf- und Absetzen von Masken als Anwender zu üben, da der Sicherheitsvorteil der Maske durch falsche Handhabe schwindet.

 

Ein guter Sitz ist entscheidend

Wie bereits erwähnt, ist der gute Sitz einer FFP2-Maske entscheidend für eine volle Schutzwirkung. Bei einem dichten Sitz sollte sich die Maske beim Einatmen zusammenziehen und sich beim Ausatmen etwas ausbeulen. Ein Bart kann die Schutzwirkung negativ beeinträchtigen.

Derzeit gibt es bei FFP2-Masken keine standardisierten Größen. Wenn also eine Maske nicht gut passt, sollte eventuell auf ein anderes Modell zurückgegriffen werden. Daher kann es sinnvoll sein, dass Apotheken sich mit verschiedenen Modellen ausstatten, sofern dies möglich ist. Hatte eine in der ersten Welle abgegebene Maske nicht die optimale Passform, könnte bei der Abgabe in der zweiten Welle an diesen Patienten so eventuell auf ein anderes Modell zurückgegriffen werden.

Atmen mit Maske

Treten beim Tragen der Maske Probleme mit der Atmung auf, sollten Betroffene zunächst einmal ruhig weiteratmen. »Die Beeinträchtigung durch die Maske ist vielmehr subjektiv, als dass wirklich ernsthafte Störungen des Gasaustausches auftreten. Außer Frage steht, dass mit Maske keine sportliche Höchstleistung zu erbringen ist«, sagt Brandt. Generell sollten Situationen, in denen das Tragen einer Maske erforderlich ist (zum Beispiel Menschenansammlungen), vermieden werden – das gilt insbesondere für die Risikogruppen, die häufiger Atemprobleme haben.

Falls Atembeschwerden auftreten, die nach dem Absetzen der Maske fortbestehen, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Das hält Brandt aber im Zusammenhang mit dem Tragen einer Maske für unwahrscheinlich. Bei Menschen mit schweren Lungenvorerkrankungen könnte das lange Tragen von FFP2-Masken rein theoretisch zu CO2-Retentionen führen, heißt es in einer offiziellen Handlungsempfehlung der DGHM.

Bei den FFP2-Masken stehen grundsätzlich Modelle mit und ohne Ausatemventil zur Verfügung. Nur bei einer Maske ohne solch ein Ventil kann grundsätzlich von einem Fremdschutz ausgegangen werden. »Es gibt in der Pandemie keine Indikation für Masken mit Ausatemventil«, äußerte sich Brandt deutlich. Das RKI fasst die Unterschiede hier noch einmal anschaulich zusammen.

Allgemeine Maßnahmen nicht vernachlässigen

Der Einsatz von FFP2-Masken sollte nicht dazu führen, dass die allgemeingültigen Maßnahmen zur Infektionsprävention vernachlässigt werden. Auch wenn man diese Masken trägt, gilt: Abstand halten, Kontakte reduzieren, Hygiene beachten sowie regelmäßig lüften.

Brandt persönlich hält die Maskenverteilung durch Apotheken für sinnvoll. »Apotheker können beurteilen, ob die Masken die entsprechende Qualität aufweisen und könnten außerdem verschiedene Modelle vorrätig haben und dann eventuell mit der Risikoperson entscheiden, welches Modell am geeignetsten für sie ist«, sagt er abschließend.

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