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Appell von Intensivmedizinern

Alle Kliniken müssen jetzt handeln

Trotz dringender Appelle bereiten sich nicht alle Kliniken in Deutschland auf die Zunahme an Covid-19-Patienten vor, kritisieren Intensivmediziner. Unsolidarisches Vorgehen einzelner Kliniken sollte sanktioniert werden, fordern sie.
Christina Hohmann-Jeddi
22.03.2020
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Wie Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, wird die Zahl der Beatmungsplätze das Nadelöhr im Gesundheitssystem bei der SARS-CoV-2-Pandemie sein. Angesichts der deutschland- und europaweit dramatisch zunehmenden Infektionen mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 und Covid-19-Erkrankungen fordert die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) alle Krankenhäuser in Deutschland auf, sämtliche planbaren Operationen sofort abzusagen und auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben – soweit dies medizinisch vertretbar erscheint.

»Trotz der dringenden Appelle der Bundesregierung und zuletzt auch des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn erreichen uns immer noch Meldungen aus Krankenhäusern, dass ungeachtet der aktuellen Bedrohungslage durch die rasch ansteigenden Covid-19-Erkrankungen immer noch operative Eingriffe und Untersuchungen durchgeführt werden«, sagt DIVI-Präsident Professor Dr. Uwe Janssens, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin am St.-Antonius-Hospital in Eschweiler, laut einer Mitteilung der DIVI. Ein solches Vorgehen sei völlig unverantwortlich. Alle Krankenhäuser sollten die Zeit jetzt nutzen, um die Kapazitäten vor allem auf den Intensivstationen zu erhöhen und Personal zu schulen.

Sollten Krankenhäuser von diesem unsolidarischen und unkollegialen Vorgehen nicht abweichen, sind nach Ansicht der DIVI für diesen Fall sanktionierende Maßnahmen durch die Behörden vorzusehen. Notfalls müsse man mit einem rechtsverbindlichen Erlass die Einhaltung der Empfehlungen der Bundesregierung durchsetzen.

Website zur Abfrage freier Beatmungsplätze gestartet

Vor allem die Kapazität von Beatmungsplätzen ist für die Versorgung von schwer Erkrankten Covid-19-Patienten entscheidend. Die DIVI hat zusammen mit dem Robert-Koch-Institut und der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) eine Website erstellt, über die freie Beatmungsplätze in allen Kliniken Deutschlands registriert und abgefragt werden können. Das DIVI-Intensivregister wurde vor wenigen Tagen freigeschaltet. Ab sofort sollen unter www.divi.de/intensivregister erstmals mehr als 1000 Kliniken aus ganz Deutschland zentral erfasst und öffentlich einsehbar sein.

Über die Online-Plattform sollen Intensivmediziner aller Kliniken in Deutschland unkompliziert Kapazitäten abfragen können. Das Register setzt darauf, dass alle Krankenhäuser tagesaktuell ihre Daten in einem geschlossenen Bereich der Datenbank selbstständig einpflegen, um auf dieser Basis eine regionale Koordination der intensivstationären Betten und damit eine optimale Versorgung der Covid-19-Patienten sicherzustellen. Die DKG hat alle Klinikleiter angeschrieben und zur Zusammenarbeit aufgerufen. Dr. Gerald Gaß, Präsident der DKG, sagt dazu: »Durch die neue Plattform werden wir die Versorgungssituation sicherlich verbessern können und hoffen, mögliche Engpässe zu verhindern.«

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