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Ab kommender Woche

Alle Covid-19-Impfstoff-Bestellungen an einem Tag

Schon in der kommenden Woche werden die Prozesse rund um die Bestellung von Covid-19-Impfstoffen neu sortiert. Dann werden auch Amtsärzte, Kliniken und Impfzentren Vakzine in öffentlichen Apotheken ordern. Zudem kommt Spikevax zum ersten Mal in die Offizinen. Und: Bestellen werden alle Leistungserbringer gebündelt an nur einem Wochentag.
Stephanie Schersch
16.09.2021  14:10 Uhr

In den vergangenen Monaten haben Großhandel und Apotheken die Auslieferung von rund 50 Millionen Dosen Covid-19-Impfstoff gestemmt. Inzwischen zählt die Abwicklung zum Alltag in den Offizinen. Nun werden die Prozesse ein Stück weit neu sortiert. Schon in der kommenden Woche müssen sich die Apotheken damit auf neue Abläufe einstellen.

Ein Grund für die neuen Strukturen sind Umstellungen der nationalen Impfkampagne. So werden Ende September die meisten Impfzentren schließen. Zugleich sollen Amtsärzte und Kliniken künftig verstärkt Covid-19-Impfungen übernehmen. Auch die mobilen Impfteams bleiben vielerorts im Dienst, um etwa gezielt Pflegeeinrichtungen anzufahren. Bislang werden sie ebenso wie die Impfzentren selbst von Bund und Ländern mit Vakzinen beliefert. Diese Aufgabe sollen ab Oktober nun Großhandel und Apotheken übernehmen. Damit laufen künftig alle Impfstoffe über diesen Vertriebsweg.

Eine große Bestellrunde am Dienstag

Darüber hinaus werden auch die Bestellrhythmen zusammengefasst. Alle Stellen sollen somit am gleichen Wochentag ihre Aufträge in der Apotheke abgeben, wie aus einem neuen Leitfaden der ABDA hervorgeht . Bislang galten unterschiedliche Fristen für niedergelassene Ärzte und Betriebsmediziner. In Zukunft müssen die Offizinen nun immer dienstags eine ganz große Auftragsrunde stemmen. Bis spätestens 12 Uhr müssen die Rezepte eingehen, damit sie bis 18 Uhr beim Großhandel sind. Bereits in der kommenden Woche gehen die neuen Prozesse an den Start. Denn: Bestellt wird wie bislang auch stets zwei Wochen im Voraus. Alle am Dienstag (21. September) für Kalenderwoche (KW) 40 (4. bis 10. Oktober) georderten Dosen werden somit ab dem 4. Oktober in die Auslieferung gehen.

Zunächst werden auf die Apotheken mit den neuen Leistungsbringern auch weitere Prüfpflichten zukommen. Denn welche Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst tatsächlich impfen dürfen, ist in den Ländern durchaus unterschiedlich geregelt. Wichtig ist die Teilnahme am sogenannten Digitalen Impfquoten-Monitoring des Robert Koch Instituts (RKI). Mit der ersten Bestellung müssen Amtsärzte und Kliniken daher eine von der Bundesdruckerei ausgestellte Bescheinigung über den Anschluss an dieses System vorlegen können. Auch Ärzte in Impfzentren und ihren mobilen Teams brauchen einen Beleg, dass sie zum Bezug der Covid-19-Vakzine berechtigt sind. Dieses Dokument müssen die Bundesländer ausstellen, einen einheitlichen Vordruck gibt es nicht.

Wie gehabt, nutzen Vertragsärzte das reguläre Muster-16-Rezept für ihre Bestellungen. Alle anderen Leistungsebringer greifen auf das blaue Rezept zurück. Wie genau die Ärzte den Vordruck ausfüllen müssen, hat die ABDA ausführlich in einer aktualisierten Handlungshilfe zusammengefasst, die auf der ABDA-Homepage im geschützten Bereich zu finden ist. Für KW 40 können die Ärzte neben Comirnaty® (Biontech/Pfizer), Vaxzevria® (Astra-Zeneca) und Vaccine Janssen® (Johnson & Johnson) dabei erstmals auch Spikevax® von Moderna bestellen. Der mRNA-Impfstoff ist ähnlich sensibel wie das Biontech-Präparat und bislang nur in den Impfzentren zum Einsatz gekommen. Auch Betriebsärzte dürfen in Zukunft jeden der Impfstoffe ordern. Die bislang vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) verankerte Beschränkung auf Comirnaty entfällt.

Gesonderte PZN für Amtsärzte und Impfzentren

Abgeschafft werden auch die gesonderten PZN für Bestellungen der Betriebsärzte. Sie ordern in Zukunft über die gleichen Nummern wie Vertrags- und Privatmediziner sowie Klinikärzte: Comirnaty (17377588 COMIRNATY BIONTECH BUND), Vaxzevria (17377625 VAXZEVRIA ASTRAZENECA BUND), Vaccine Janssen (17377648 COVID19 VACCINE JANSSEN BUND), Spikevax (17377602 SPIKEVAX MODERNA BUND). Andere PZN gelten hingegen für Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Impfzentren und ihre mobilen Teams: Comirnaty (17755286 COMIRNATY BIONTECH BUND OEGD), Vaxzevria (17755323 VAXZEVRIA ASTRAZENECA BUND OEGD), Vaccine Janssen (17755731 COVID19 VACCINE JANSSEN BUND OEGD), Spikevax (17755240 SPIKEVAX MODERNA BUND OEGD).

Grundsätzlich sind die Bestellungen immer Arztgebunden. Dabei sollten niedergelassene Mediziner wie bislang auch Impfstoffe stets in ihrer Bezugsapotheken ordern, die sie auch sonst mit Praxisbedarf versorgt. Gleiches gilt auch für Betriebsärzte, wobei sie nach Absprache auch eine Apotheke in räumlicher Nähe ihres Einsatzortes wählen können. Ärzte in Kliniken sollen in der zuständigen Krankenhaus- oder aber klinikversorgenden Offizin bestellen. Amtsärzte, Impfzentren und ihre Teams sollten sich an eine nahegelegene Apotheke wenden.

Ärzte müssen Impfzubehör gesondert bestellen

Wie bislang auch müssen die Apotheken eine umfangreiche Begleitdokumentation mit den Impfstoffen ausliefern. Die ABDA empfiehlt den Offizinen, darin auf eine Besonderheit zur Haltbarkeit hinzuweisen. Denn: Am 13. September hat die EU nach Aussage der Bundesvereinigung die Haltbarkeit von ultratiefgekühltem Comirnaty genehmigt. Statt wie bislang sechs sind die Vials demnach nun neun Monate lang verwendbar. Das aufgedruckte Haltbarkeitsdatum verlängert sich damit automatisch um drei Monate.

Eine große Umstellung wird es darüber hinaus auch beim Impfzubehör geben. Das wird bislang automatisch vom Großhandel mitgeliefert, ab KW 40 greift dieses System allerdings nicht mehr. Die Kosten für die Materialien soll zwar nach wie vor der Bund tragen, allerdings müssen die Ärzte etwa Kanülen separat bestellen. Das betrifft bereits die Aufträge, die am kommenden Dienstag für KW 40 rausgehen werden. Offenbar gibt es allerdings noch Klärungsbedarf in diesem Punkt. So würden die Details »derzeit zwischen dem BMG und den Beteiligten abgestimmt«, heißt es bei der ABDA. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) zeigt sich verärgert über die fehlenden Informationen. So habe man zusammen mit Großhändlern und Apotheken beim Ministerium auf eine Verschiebung der Umstellung gedrängt, um sich besser vorbereiten zu können, hieß es. »Ständige kurzfristige Änderungen im Bestellprozess belasten die Praxen unnötig zusätzlich«, kritisierte KBV-Chef Andreas Gassen.

 

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