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Securpharm

Alarm ohne Folgen

Die meisten Meldungen des Sicherheitssystems Securpharm stellen sich als Fehlalarme heraus. Laut ABDA sind häufig doppelte Ausbuchungen oder Scannerprobleme schuld daran. Derzeit kommt es zu rund 15.000 Alarmen am Tag.
Jennifer Evans
26.05.2020  15:40 Uhr

Je weniger Fehlalarme entstehen, desto besser funktioniert das Fälschungsschutzsystem Securpharm. Wie die ABDA nun erneut hervorhebt, kann jede einzelne Apotheke dazu beitragen, die Anzahl der Falschmeldungen zu reduzieren. Die meisten Probleme entstehen demnach durch doppelte Ausbuchungen oder falsche Scannereinstellungen. Derzeit kommt es der Bundesvereinigung zufolge an regulären Wochentagen noch zu rund 15.000 Alarmen. Anfang Mai dieses Jahres hat die sogenannte Alertquote in Deutschland beispielsweise 0,28 Prozent betragen. Im Vergleich dazu lag der EU-Durchschnitt in derselben Kalenderwoche bei 0,58 Prozent. Zu dem Zeitpunkt waren 1,43 Milliarden Packungen im System registriert. Die ABDA weist darauf hin, dass sowohl die Anzahl der Alarme als auch die Transaktionen an Wochenenden und Feiertagen geringer ausfallen als an Wochentagen. 

Seit dem 9. Februar 2019 müssen alle Rx-Packungen spezielle Sicherheitsmerkmale tragen. Um ein Medikament auf seine Echtheit zu prüfen, sind die Apotheker verpflichtet, den darauf aufgedruckten Data-Matrixcode zu scannen. Jede einzelne Packung ist durch Produktcode, Seriennummer, Charge und Verfalldatum identifizierbar. Im legalen Arzneimittelmarkt existiert also nur jeweils eine einzige Schachtel mit genau dieser Datenkombination. Wer unsicher ist, ob er eine Packung bereits ausgebucht hat, sollte sie kein zweites Mal aus dem System auszubuchen, so die ABDA. Denn das erzeuge einen Fehlalarm. Stattdessen sollte der Apotheker zunächst den Status der Packung überprüfen, weil diese Verifizierung grundsätzlich keinen Alarm auslöst.

Ein weiteres Problem entsteht, wenn der Scanner die Daten nicht korrekt ausliest. Weil er die Packung im System nicht finden kann, kommt es zu einem Alarm. Nach Angaben der Bundesvereinigung ist daran oft die Spracheinstellung der Scanner, die Verarbeitung von Groß- und Kleinbuchstaben sowie der inversen Codes (weiß auf dunklem Grund) schuld daran, und das Gerät muss konfiguriert werden. Schwierigkeiten können demnach auftreten, wenn etwa bei einer englischen Spracheinstellung die Darstellung der Buchstaben Y und Z vertauscht ist. Zudem können einige Scanner die inversen Codes nicht automatisch auslesen. Die ABDA rät den Apothekern daher, jeden einzelnen Scanner zu testen. Diese Art von Fehlerquellen erkenne beispielsweise der Scannertest der Netzgesellschaft Deutscher Apotheker (NGDA). Der Aufwand sei relativ gering, der Effekt auf Fehlalarme jedoch groß, heißt es.

Behörden werden Verstößen künftig nachgehen

Wer dabei helfe, solche Fehlerquellen zu beheben, stärke das gesamte europäische Fälschungsschutzsystem, betont die ABDA. Außerdem weist sie darauf hin, dass legitimierte Aufsichtsbehörden perspektivisch die Möglichkeit erhalten sollen, selbständig Prüfpfade abzufragen. Das bedeutet, diese bekommen dann die Informationen zu allen Akteuren, die Anfragen zu einer Packung ausgelöst haben. »Potenzielle Verstöße gegen die Fälschungsschutzrichtlinie können dann deutlich leichter und umfassender nachverfolgt werden.« Derzeit dürfen die Behörden Prüfpfade nur auf Anfrage einsehen. Sollte sich das ändern, will unter anderem die ABDA die Apotheken über die erweiterten Zugriffsmöglichkeiten informieren. Das könne jedoch auch kurzfristig sein, warnt die Bundesvereinigung.

Ziel des europaweiten Überwachungsmechanismus ist es zu ermitteln, ob und an welcher Stelle gefälschte Arzneimittel in die legale Lieferkette gelangt sind. In Deutschland steht hinter dem Schutzsystem die Initiative Securpharm, ein Zusammenschluss von Herstellern, Apothekern und Großhändlern.

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