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Kostenlose Schnelltests

ABDA fordert mehr Geld für Corona-Testungen

Die Bundesvereinigung begrüßt die geplante kostenlose Schnelltestung auf Covid-19 unter anderem in Apotheken. Allerdings fordert die ABDA eine höhere Vergütung für die Apotheker. Die bislang angesetzte Vergütung von 9 plus 9 Euro je Test sei »deutlich zu niedrig«. Zudem werde ein einfaches Abrechnungsprozedere benötigt.
Ev Tebroke
19.02.2021  14:00 Uhr

Um das Covid-19-Infektionsgeschehen einzudämmen, sollen ab 1. März kostenlose Antigen-Schnelltests in Testzentren, Arztpraxen und Apotheken möglich sein. Das sieht das Bundesgesundheitsministerium (BMG) mit einer geplanten Erweiterung der Nationalen Teststrategie vor. Die ABDA hält es für folgerichtig, die Apotheken in dieses weitergehende Angebot von Schnelltests mit einzubeziehen. In ihrer gestern an das BMG übersandten Stellungnahme pocht sie aber auf einige Anpassungen und Änderungen. Und vorab stellt sie klar, dass es den Apotheken grundsätzlich freigestellt bleiben müsse, ob sie diese Aufgabe übernehmen wollen oder nicht. Denn die Durchführung solcher kostenlosen Tests sei mit einem hohen personellen, sächlichen und organisatorischen Aufwand verbunden, der nicht von jeder Apotheke geleistet werden könne.

Grundsätzlich fordert die Bundesvereinigung eine Klarstellung der apothekenrechtlichen Rahmenbedingungen für die Durchführung dieser Tests. Die Vorschriften der Apothekenbetriebsordnung verbieten aus Sicht der ABDA nicht, dass Apothekenleiter ihr Personal für die Durchführung von Tests in Pflegeheime schicken. Es sollte daher klargestellt werden, dass die Behörden Apotheken auch die Möglichkeit gestatten, die Tests in angemieteten Räumen oder Zelten durchführen zu können, falls die Apotheke vor Ort keine geeigneten Räumlichkeiten dafür hat. Diese Möglichkeit des Testangebots durch Apotheken in externen Räumlichkeiten wird derzeit bereits beispielsweise im  Raum Böblingen im Modellversuch praktiziert. Aber auch in Hamburg bieten einige Apotheken in leerstehenden Räumlichkeiten die Tests an.

Zudem verlangt die ABDA, das Apothekenpersonal von Schnelltest-durchführenden Apotheken bei der Impfpriorisierung zu berücksichtigen. Sie regt an, in der Corona-Impfverordnung eine entsprechende Einstufung vergleichbar zu anderen Heilberufen mit direktem Patientenkontakt vorzusehen.

Vergütung sei »deutlich zu niedrig«

Was die für die Testung vorgesehenen Vergütungshöhe betrifft, so hält die ABDA diese für unzureichend. Die Apotheken sollen laut BMG-Plan pro Test 9 Euro Beschaffungskosten und 9 Euro für die Durchführung und die anschließende Erstellung eines Testzeugnisses erhalten. Die Honorierung der Testdurchführung hält die Bundesvereinigung für »deutlich zu niedrig, da dieser Betrag den in den Apotheken entstehenden Aufwand nicht in ausreichender Weise abbildet«. Einen Gegenvorschlag macht sie in der Stellungnahme allerdings nicht. Auch dass Arztpraxen für die Testung momentan mit 15 Euro höher vergütet werden als etwa Apotheken ist aus ABDA-Sicht ungerechtfertigt. Sowohl das Qualifikationsniveau der testenden Personen als auch die übrigen Rahmenbedingungen seien vergleichbar, unterstreicht die ABDA.  Zudem sollten die Abrechnungsbeträge in der Testverordnung ausdrücklich als Nettobeträge ausgewiesen werden, also »zuzüglich Umsatzsteuer«. Ansonsten seien die Apotheken schlechter gestellt als anderen Leistungserbringer, deren Leistung grundsätzlich umsatzsteuerfrei sind.

Abrechnung und Berechtigungsnachweis einfach halten

Was die Abrechnung der Tests betrifft, so fordert die ABDA eine »möglichst schlanke und unbürokratisch ausgestaltete Lösung«. Apotheker hatten bereits gegenüber der PZ geäußert, dass die Abrechnung über die Rechenzentren erfolgen sollte, ähnlich wie bei den Schutzmasken für Risikopatienten. Auch sollte es eine einfache Lösung dafür geben, wie im Einzelfall geprüft werden kann, dass Personen zur kostenlosen Testung berechtigt sind. Das BMG-Papier lässt bislang offen, ob und in welcher Form Test-Interessenten ein Nachweis erbringen müssen, dass sie sich kostenlos in der Apotheke testen lassen dürfen.

Und auch im Fall der Selbsttests fordert die ABDA eine pragmatische Lösung für einen Berechtigungsnachweis, falls es eine Anspruchsbeschränkung auf eine bestimmte Anzahl innerhalb eines gewissen Zeitraums geben soll. So wäre etwa der Einsatz von Gutscheinen denkbar, wie sie bereits bei der kostenlosen Abgabe von FFP2-Masken verwendet werden.  Diese Voucher behalten die Apotheken ein und machen sie dann bei der Abrechnung geltend.

Die Masken-Abgabe soll auch als Vorbild dienen, falls Selbsttests lediglich gegen eine geringe Eigenbeteiligung abgegeben werden dürften. Bei der Maskenabgabe hatten einige Marktteilnehmer versucht, auf die vorgeschrieben 2 Euro Patientenbeteiligung zu verzichten und damit Kunden anzuwerben. Das Landgericht Düsseldorf hatte diese Prozedere letztlich dann untersagt. Die ABDA regt daher an, falls auch bei den kostenlosen Tests in den Apotheken eine Eigenbeteiligung geplant ist, deren Einbehalt zwingend vorzuschreiben. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte am heutigen Freitag jedoch angekündigt, dass er die Preisentwicklung der Selbsttests zunächst beobachten wolle, bevor der Bund die Abgabe der Selbsttests finanziell unterstützt.

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