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Krebs: So kann Komplementärmedizin schaden

Komplementärmedizin kann bei Krebs ergänzend zur schulmedizinischen Therapie angewandt werden, sollte diese jedoch nicht ersetzen. Tut sie es doch, ist das für den betroffenen Patienten mit einer verkürzten Lebenserwartung verbunden. Das hat eine kürzlich im Fachmagazin «JAMA Oncology» erschienene Untersuchung gezeigt, für die Forscher um Dr. Skyler B. Johnson von der Yale School of Medicine in New Haven retrospektiv die Patientenakten von 1290 Krebspatienten aus den gesamten USA auswerteten.

 

Berücksichtigt wurden Patienten mit nicht metastasiertem Brust-, Prostata-, Lungen- oder Darmkrebs, die mindestens eine schulmedizinische Intervention erhalten hatten. 258 Teilnehmer hatten laut eigenen Angaben zusätzlich auch auf komplementärmedizinische Methoden wie Probiotika, Vitamine und Mineralstoffe, Ayurvedische oder Traditionelle Chinesische Medizin, Homöopathie oder Yoga zurückgegriffen. Bei diesen Patienten dauerte es im Schnitt zwar nicht länger, bis die konventionelle Therapie begonnen wurde. Im Vergleich mit rein schulmedizinisch behandelten Teilnehmern lehnten sie aber häufiger bestimmte Interventionen ab. Die Ablehnquoten betrugen für die Operation 0,1 versus 7,0 Prozent, für die Chemotherapie 3,2 versus 34,1 Prozent, für die Bestrahlung 2,3 versus 53,0 Prozent und für die Hormontherapie 2,8 versus 33,7 Prozent.

 

Dies war mit einer schlechteren Fünf-Jahres-Überlebensrate verbunden: Von den strikt schulmedizinisch therapierten Patienten lebten fünf Jahre nach der Diagnose noch 86,6 Prozent, von den Nutzern der Komplementärmedizin nur 82,2 Prozent. Berücksichtigten die Forscher in ihrem Modell die Verzögerung oder Verweigerung bestimmter Interventionen, ergab sich kein Unterschied beim Fünf-Jahres-Überleben. Nicht die Komplementärmedizin an sich hatte somit ihren Nutzern geschadet, sondern deren Ablehnung gegenüber der Schulmedizin.

 

Wie in früheren Untersuchungen zu dieser Problematik waren Anhänger der Komplementärmedizin überdurchschnittlich häufig weiblich, jung, einkommensstark, gut ausgebildet, privatversichert und körperlich fit. Auch war der Trend zu beobachten, dass Patienten mit schlechterer Prognose eher zur Komplementärmedizin griffen, wohl um selbst etwas für sich und ihre Genesung zu tun. Eine Schwäche der Studie ist, dass sie nicht erfasste, welche Art von Komplementärmedizin die Teilnehmer nutzten und in welchem Umfang. (am)

 

DOI: 10.1001/jamaoncol.2018.2487

 

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21.08.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Klaus Eppele