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Vaginale Impfung: Besser Studien abwarten

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Mit Vaginalsekret könnte das Immunsystem von Kaiserschnitt-Kindern aufgepäppelt werden. Doch Eltern sollten nichts überstürzen: Ärzte und Hebammen raten, Studien abzuwarten. Beim sogenannten vaginalen Impfen oder Vaginal Seeding wird der Mutter wenige Minuten vor der Geburt eine mit steriler Kochsalzlösung getränkte Mullbinde in die Scheide eingeführt. Mit dem so aufgesaugten Vaginalsekret wird das Baby nach der Geburt eingerieben. Auf diese Weise sollen Kaiserschnittkinder die Keimgrundlage für die eigene Darmflora bekommen, die Babys haben, die auf natürlichem Weg geboren werden.

 

Das soll beim Aufbau des Immunsystems helfen. Doch aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) gibt es noch keine Belege für den langfristigen Erfolg. Daher müsse die Methode in klinischen Studien untersucht werden, sagte Frank Louwen von der DGGG. Bis Ergebnisse vorliegen, werde es vier bis sechs Jahre dauern. Auch Susanne Steppat vom Deutschen Hebammenverband sprach sich für Studien aus, sagte aber auch: «Mit Blick auf das Immunsystem kann es eine kluge Idee sein, die vaginale Geburt nachzuspielen.» Solange es dem Kind nicht schade, könne man das machen.

 

Forscher der University of Western Australia in Perth dagegen appellieren vor Kurzem an Ärzte und Geburtshelfer, die Praxis aufzugeben, da ein Schaden nicht ausgeschlossen werden könne. Aus deren Sicht könnten beim vaginalen Impfen auch potenziell gefährliche Bakterien oder Viren von der Mutter auf das Kind übertragen werden – ein vermeidbares Risiko. (ke)

 

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18.07.2018 l PZ/dpa

Foto: Fotolia/freepeoplea