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Schwindel: Gentamicin-Injektion hilft bei Morbus Menière

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Einigen Patienten mit der seltenen Krankheit Morbus Menière hilft eine einmalige Injektion des Antibiotikums Gentamicin, langfristig schwindelfrei zu bleiben. Das berichten österreichische Forscher jetzt im Fachjournal «Auris, Nasus, Larynx» und bestätigten damit andere Studien, die ebenfalls einen protektiven Effekt der Nebenwirkung des Aminoglykosid-Antibiotikums zeigten. Denn Gentamicin hindert nicht nur das Ablesen der bakteriellen mRNA am Ribosom. Es reduziert auch die Erregbarkeit der Gleichgewicht-Sinneszellen in den Bogengängen des Innenohrs, allerdings irreversibel. «Unsere Auswertungen bestätigen die Wirksamkeit dieser einfachen Behandlungsmethode», erklärt Dr. Béla Büki, Leiter der Ambulanz für Hör- und Gleichgewichtsstörungen am Universitätsklinikum Krems.

 

Büki und Dr. Heinz Jünger vom Karl-Landsteiner Universitätshospital in Krems werteten die Daten von 32 Menière-Patienten aus, die zwischen 2012 und 2015 an der Klinik mit Gentamicin behandelt wurden. Bei 13 Patienten reichte eine einmalige Injektion durch das Trommelfell in die Paukenhöhle (intratympanal) aus, um den Schwindel verschwinden zu lassen. Bei den anderen Patienten traten die Schwindelattacken nach einigen Monaten zwar wieder auf, sprachen aber auf eine erneute Gentamicin-Injektion an. Es ließ sich allerdings nicht vorhersagen, welche Patienten mehrmalige Injektionen benötigten. Hier müsse der Behandlungsverlauf einfach abgewertet werden.

 

Die Erkrankung des Innenohrs ist nach dem französischen Arzt Prosper Menière (1799 bis 1862) benannt. Sie manifestiert sich meist zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr. Die Inzidenz liegt schätzungsweise bei 5 von 10.000 Einwohnern, womit die Erkrankung als selten gilt. Die Betroffenen leiden unter anfallsartigem Drehschwindel, Hörminderung und Tinnitus. Die Pathophysiologie ist noch nicht geklärt. An Medikamenten werden Antiemetika, Betahistidin, kaliumsparende Diuretika und Corticoide eingesetz. Die Wirkung von Ginkgo biloba gilt als umstritten. Möglich sind auch eine Lokalanästhesie sowie bei ungenügender Wirksamkeit konservativer Therapien operative Eingriffe. Während eines Anfalls sollen die Patienten Bettruhe halten. (dh)

 

DOI: 10.1016/j.anl.2017.02.008

 

04.07.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Thaut Images