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Umfragen: Alle wollen weniger Rezeptpflicht

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Apotheker, Patienten und sogar viele Ärzte möchten mehr Medikamente von der Rezeptpflicht befreit sehen. Das hat eine Untersuchung im Auftrag des Bundesverbands der Arzneimittelhersteller (BAH) ergeben, für die rund 700 Apotheker, 500 Ärzte und 1000 Bürger befragt wurden. 85 Prozent der Apotheker sprachen sich dafür aus, mehr Wirkstoffe aus der Verschreibungspflicht zu entlassen. Auch 57 Prozent der Bürger fänden das gut und sogar 51 Prozent der Ärzte sind dafür.

 

Die Apotheker würden sich über mehr sogenannte Switches vor allem freuen, weil sie dadurch ihre heilberufliche Kompetenz gestärkt sehen. Das gaben 95 Prozent von ihnen an. 41 Prozent der Ärzte vermuten zwar, dass ihre Bedeutung als Ansprechpartner bei Gesundheitsproblemen dadurch eher abnehmen würde. 33 Prozent der Mediziner glauben aber auch, dass dies wiederum ihre Kompetenz bei schwerwiegenden Erkrankungen stärken würde.

 

Gefragt, gegen welche Beschwerden es denn mehr Wirkstoffe ohne Rezept geben sollte, nannten die Apotheker zuallererst Präparate gegen Heuschnupfen, gefolgt von Akne und Rosacea, Migräne, Augeninfektionen und Refluxbeschwerden. Für Statine, Kontrazeptiva und Mittel gegen erektile Dysfunktion soll den Apothekern zufolge dagegen weiterhin die Rezeptpflicht gelten.

 

Die Ärzte sind insgesamt skeptischer. Zwar würden auch hier die meisten mehr rezeptfreie Präparate gegen Heuschnupfen, Akne und Reflux befürworten. Mittel gegen Rosacea oder Migräne möchten viele allerdings weiterhin nicht von der Rezeptpflicht befreien.

 

Laut Umfrage fände es jeder zweite Bürger gut, mehr Medikamente ohne Rezept in der Apotheke zu bekommen, um den Weg zum Arzt zu sparen und mehr Mitsprache bei ihrer Therapie zu haben. Der Geschäftsführer Wissenschaft beim BAH, Elmar Kroth, erklärte, durch die alternde Bevölkerung und den Ärztemangel werde die Selbstmedikation immer wichtiger. Deshalb müsse es mehr Switches geben. Damit sich diese für die Hersteller finanziell lohnen, forderte Kroth eine dreijährige Marktexklusivität für Präparate, die aus der Rezeptpflicht entlassen wurden. Schließlich müssten Hersteller dafür umfangreiche und teure Studien vorlegen.

 

Der BAH ist auch dafür, Grippeimpfstoffe aus der Verschreibungspflicht entlassen und zu erlauben, dass sie in der Apotheke injiziert werden dürfen. Der Verband rechnete vor, dass es dadurch jedes Jahr 900.000 Grippefälle, 4000 Krankenhausaufenthalte und 40 Grippetote weniger geben würde, außerdem würden mehr als 9 Millionen Krankheitstage von Bürgern wegfallen. Die Heilberufler selbst sind allerdings skeptisch: Nur 47 Prozent der Apotheker und 28 Prozent der Ärzte befürworten laut Befragung Grippeimpfungen in der Apotheke. (ap)

 

12.06.2018 l PZ

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