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Reden wir über den Tod: Umgang mit Angehörigen

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«Reden ist immer besser als schweigen» – so schloss der Münchner Theologe und Seelsorger Hermann Reigber beim Bayerischen Apothekertag in Augsburg seinen Vortrag zum Thema «Angehörige begleiten – Fragen am Lebensende». Adressat dieses Hinweises waren in diesem Fall Apotheker, die jederzeit in die Situation gelangen können, dass hilflose Angehörige Schwerkranker und Sterbender sie konsultieren. «Ist in der Apotheke Platz für Trauernde?», fragte Reigber.

 

Zumindest schienen die Zuhörer in der Augsburger Stadthalle durchaus berührt von dem, was Reigber aus seiner Palliative-care-Erfahrung berichtete. «Sterben ist schlecht kontrollierbar, für Familie ist es etwas, das sich nicht in Schablonen pressen lässt», erklärte er. Es sprenge den Rahmen und mache Angst. Allein über den Tod zu sprechen, stelle für viele Menschen ein Tabu dar. «Deshalb braucht es einen roten Faden, um aus dem Labyrinth dieser Erfahrung wieder herauszufinden.»

 

Trauer, so Reigber weiter, beginne bereits, wenn Angehörige die Diagnose über eine unheilbare Erkrankung ihres Familienmitglieds erhielten. «Das kann sich über Jahre hinziehen.» Seine These: Trauer endet niemals, auch wenn sie mit der Zeit leichter wird. Wenn Kunden in einer solchen Situation in die Apotheke kämen, gelte es, sensibel und zugewandt auf sie zu reagieren.

 

Solche Rücksichtnahme gelte im Übrigen auch für die Apothekenmitarbeiter selbst: «Wenn Sie als Apothekenleiter wissen, dass sich ein Mitarbeiter in einer Trauerphase befindet, lassen Sie ihn möglichst nicht in Kontakt mit Kunden kommen, wo er mit extremen Emotionen von außen konfrontiert werden kann», riet Reigber. 80 Prozent der Menschen sterben Reigber zufolge nach einer Erkrankung, nur 20 Prozent scheiden plötzlich aus dem Leben. «Aber auch wenn der Tod dann vorhersehbar ist, bleibt er doch chaotisch», sagte der Theologe. (cd)

 

08.06.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Photographee