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Opioid-Therapie: Diese Sicherheitsregeln sind zu beachten

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Opioide sind hoch wirksam bei schweren Schmerzen, bergen aber auch Tücken. Eine Atemdepression komme bei stabiler Dosiseinstellung kaum vor, sondern sei eher eine Folge von Überdosierung, erklärte der Schmerzmediziner Konrad Rammelt von der Universität Würzburg beim Bayerischen Apothekertag in Augsburg. Diese drohe zum Beispiel bei unsachgemäßer Anwendung von Schmerzpflastern. «Erklären Sie dem Patienten, dass er ein Kirschkernkissen oder die Wärmedecke nicht auf das Opioid-TTS legen darf.»

Zu beachten sind ferner Toleranzeffekte sowie Abhängigkeit und Substanzmissbrauch, die nach Rammelts Erfahrung auch bei geriatrischen Patienten vorkommen. Eine Opioid-induzierte Hyperalgesie trete vor allem unter einer Hochdosistherapie auf, verschwinde aber bei zügiger Reduktion der Dosis. «Dies muss man dem Patienten gut erklären.»

Bezüglich der Nebenwirkungen der Opioide gab Rammelt zu bedenken, dass Übelkeit und Erbrechen vor allem zu Beginn auftreten und nach einigen Tagen nachlassen. Dagegen bleibt die Obstipation bestehen. «Ohne Laxanzien geht es meistens nicht.» Das Sturzrisiko ist in der ersten Woche der Opioidtherapie um den Faktor 5 erhöht, nehme aber mit der Zeit ab. Neben Müdigkeit, Sedierung und Schwindel müsse der Arzt bei geriatrischen Patienten besonders auf ein hypoaktives Delir achten, sagte der Arzt. «Das wird kaum erkannt, die Patienten können aber schnell eine Pneumonie bekommen.»

Schnell anflutende Opioide sind nicht indiziert zur Langzeitgabe bei Patienten mit Nicht-Tumorschmerzen. «Einen Durchbruchschmerz, der solche Opioide erfordert, gibt es nur bei Tumorschmerzpatienten.» Bei Nicht-Tumorschmerzen seien schnell wirksame Opioide nur zur Akuttherapie im Krankenhaus als Rescue-Medikament bei bestehender Retardmedikation geeignet und müssten spätestens bei Entlassung des Patienten abgesetzt werden. Können die Patienten ein retardiertes Opioid nicht schlucken, sollte man bei schweren Schmerzen rasch umsteigen auf ein TTS.

Beim Stufenschema zur Schmerzbehandlung sei der multimodale Ansatz am wichtigsten, betonte der Facharzt für Anästhesiologie. Die nicht-medikamentösen Optionen wirkten auch bei geriatrischen Patienten gut, wenn sie sie unter Anleitung erlernen können. Der Schmerzpatient sollte zu körperlicher Aktivität ermuntert werden. «Jede Bewegung, jedes Treppensteigen ist Physiotherapie.» Ebenso müssten Symptomatik, unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Therapieplan regelmäßig evaluiert werden. (bmg)

 

11.06.2018 l PZ

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