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Nach Positionspapier: Hubmann stellt GKV-Spitzenverband infrage

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Der GKV-Spitzenverband ist beim Bayerischen Apothekertag in Augsburg unter Beschuss geraten. Hans-Peter Hubmann (Foto), Vorstandsvorsitzender des bayerischen Landesapothekerverbands, nahm sich die Spitzenorganisation gestern zur Brust. Auf deren aktualisiertes Positionspapier mit angeblichen Einsparungen von einer Milliarde Euro auf Kosten der Apotheker bei einem jährlichen Verlust von rund 200 Apotheken gebe es nur eine Antwort: «Lösen Sie diesen Spitzenverband auf», forderte er.

 

Zudem sei die Kritik der GKV, Apotheker seien neuen Wegen gegenüber nicht aufgeschlossen, völlig verfehlt. Das Gegenteil sei richtig, sagte Hubmann. Mit dem Perspektivpapier Apotheke 2030, der Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit, der Medikationsanalyse und dem Medikationsmanagement sowie dem Projekt ARMIN habe die Apothekerschaft klar aufgezeigt, dass sie jederzeit bereit sei, neue Konzepte zu entwickeln. Sie sei bereit, die Arzneimittelpreisverordnung weiter zu entwickeln und zukunftssicher zu machen, mit einem Nebeneinander von Packungshonorar und honorierter pharmazeutischer Dienstleistungen als Grundlage.

 

Hubmann dankte in seiner Rede Zweien, die sich für das Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln stark gemacht haben: der bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) und dem ehemaligen Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Allerdings sei die Aufnahme des Verbots in den Koalitionsvertrag nur der erste Schritt. Jetzt müsse erreicht werden, dass das Vorhaben nicht auf die lange Bank geschoben werde, forderte Hubmann. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass die Politik das Vorhaben aussitze und auf lange Sicht die flächendeckende Arzneimittelversorgung gefährde.

 

Hubmann machte deutlich, dass er nicht länger darauf warten wolle, dass sich die Politiker dem Thema zuwenden. Im Koalitionsvertrag habe die Bundesregierung vereinbart, Orts- und Stadtkerne zu beleben. Wenn es der Regierung damit ernst sei, dann sollte sie schnell handeln, sagte der Verbandsvorsitzende. «Jeder Ortskern braucht eine Apotheke – ganz besonders in strukturschwachen Gegenden.»

 

Hubmann machte in seiner Rede deutlich, dass der Arzneimittelversand nicht das eigentliche Problem sei. Die eigentliche Bedrohung für die Apotheken sei die Gefahr, dass die Gleichpreisigkeit für ausländische Versender aufgegeben werde. Die Konsequenz daraus wäre eine «Schlacht um Rabatte und Boni», bei der die öffentlichen Apotheken nur verlieren könnten – vor allem die Kunden.

 

Die Hoffnung, über die Sozialgesetzgebung einen geregelten Preiswettbewerb zu organisieren, hält Hubmann für eine Illusion. Ausländische Versender hätten sich noch nie an Verträge gehalten, die sie in ihrem Gewinnstreben behindert hätten. Nicht nachvollziehen kann der Verbandschef die Behauptung, das Rx-Versandverbot sei europarechtlich nicht haltbar. «Wenn es so unendlich schwierig sein soll, warum gibt es das Rx-Versandverbot dann in 21 von 28 EU-Staaten?» (dr)

 

08.06.2018 l PZ

Foto: ABDA