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Heimbewohner: Apotheker optimieren die Medikation

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Fünf Faktoren beeinflussen maßgeblich die Häufigkeit unerwünschter Arzneimittelwirkungen (UAW) bei Senioren im Pflegeheim: Hyperpolymedikation, das heißt zehn oder mehr Medikamente, eine aufgrund der Nierenfunktion ungeeignete Dosierung, Niereninsuffizienz sowie die Einnahme von Diuretika oder von Psychopharmaka. In multivariater Analyse wurden Hyperpolymedikation und ungeeignete Dosierung bei Niereninsuffizienz als Hauptfaktoren herausgefiltert. Diese Studienergebnisse zu UAW in Alten- und Pflegeheimen zeigte Professor Dr. Ulrich Jaehde, Pharmazeutisches Institut der Universität Bonn, beim Bayerischen Apothekertag in Augsburg.

 

Obwohl die Bedeutung der Nierenfunktion für die renale Elimination gut belegt ist, war nur bei der Hälfte der untersuchten Heimbewohner ein Kreatininwert dokumentiert. Und die Hälfte der Patienten, bei denen der Wert bekannt war, hatte keine an die Nierenfunktion angepasste Dosierung.

 

Anspruch und Wirklichkeit klafften in der Versorgung von Heimbewohnern oft auseinander, konstatierte Jaehde. So habe der Pflege-Report 2017 viele Mängel aufgezeigt: Jeder Dritte bekomme Antidepressiva, viele Demenzpatienten auch Antipsychotika, obwohl diese die Mortalität, zum Beispiel durch Schlaganfälle, erhöhen und eine Demenz verschärfen. Es gebe aber große Unterschiede zwischen den Heimen.

 

Dass die multiprofessionelle Zusammenarbeit die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) verbessern kann, zeigte Jaehde anhand des „AMTS-Ampel-Projekts“ (2012 bis 2015). Hier wurde eine multiprofessionelle Intervention bei 888 Bewohnern in 18 Heimen in NRW und Mecklenburg-Vorpommern untersucht. Lag die Prävalenz von UAW zu Beginn bei etwa 12 Prozent, so sank sie auf rund 6 Prozent nach sechs Monaten. Auch nach zwölf Monaten war der positive Effekt noch vorhanden, wenn auch nicht mehr signifikant.

 

«Ältere Menschen in Heimen sind prädestiniert für UAW, aber eine multiprofessionelle Intervention kann die AMTS deutlich verbessern», resümierte Jaehde. Die Sensibilisierung aller Beteiligten und ein Berufsgruppen-übergreifendes Denken und Handeln nannte er als wichtigste Komponenten einer erfolgreichen Intervention. (bmg)

 

08.06.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Alexander Raths