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Fußball-WM: Doping-Skandal unwahrscheinlich

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Der Nürnberger Pharmakologe Fritz Sörgel hat den Fußball-Weltverband FIFA für seine Haltung im Anti-Doping-Kampf scharf kritisiert. «Ich glaube, im gesamten Weltfußball haben keine zehn Leute den McLaren-Report von vorne bis hinten gelesen und sich schon gar nicht Gedanken gemacht, was das für die WM in Russland bedeutet hätte. Die Weltmacht Fußball muss nicht lesen», sagte der Doping-Experte der Deutschen Presse-Agentur. Die FIFA hatte im Mai Ermittlungen gegen russische Nationalspieler im Zuge des Reports von WADA-Sonderermittler Richard McLaren «mangels ausreichender Beweise» eingestellt.

 

Bei der Fußball-WM erwartet Sörgel keine positiven Dopingfälle. «Während der WM selber wird wohl nichts passieren. Einen Dopingskandal während der WM wird es wohl erst wieder geben, wenn die WM mal 80 Mannschaften umfasst und kleine Länder ohne große Erfahrung in der Vertuschungstechnik dazukommen», sagte der Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Nürnberg. Das Dopingthema liege dauerhaft wie eine dunkle Wolke über dem Fußball, auch wenn man während der WM durch monströse Fußball-Shows die Wolken zu vertreiben suche. Sörgel rechnet nicht damit, dass sich in Russland seit dem Sotschi-Skandal etwas geändert hat. «Es glaubt doch wohl keiner, dass die Staatsspitze einer grundlegenden Reform zustimmt. Der Sport ist bei autoritären Regimen als wichtiges Propagandamittel Teil des Fundaments des Systems, des Staates.»

 

11.06.2018 l PZ/dpa

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