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Walking Football: Die Fußball-Alternative für Senioren

Wenn im Alter die Hüfte schmerzt und die Puste ausgeht, geben viele Senioren das Fußballspielen auf. Eine neue Trendsportart aus England soll das ändern: Beim «Walking Football» spielen sie nach seniorenfreundlichen Regeln. Rainer Küpper, Vorstandsmitglied beim TuS Holsterhausen in Essen, trainiert seit Kurzem jeden Donnerstag mit den Senioren. Die meisten von ihnen sind langjährige Hobby-Kicker über 60, die «irgendwann nicht mehr so konnten, wie sie wollten». Beim Geh-Fußball sollen sie trotzdem auf den Platz. «Hier kann man auch mit einer kaputten Hüfte oder einem Ersatzknie spielen», so Küpper.

Die wichtigste und zugleich schwierigste Regel: Mindestens ein Fuß muss auf dem Boden sein. «Es ist eine unheimliche Umstellung, nicht zu laufen», sagt Küpper. Im Spiel fällt das den Senioren sichtlich schwer. «Nicht rennen!» etwa rufen sich die Männer immer wieder zu. Sonst gibt es Freistoß. Verboten außerdem: Reingrätschen, Körperkontakt, den Ball über Hüfthöhe spielen. Es gibt weder Abseitsregel noch Torwart. Die Teams, die etwa halb so groß wie eine normale Mannschaft sind, spielen auf etwa 20 mal 40 Metern.

In England und Holland ist der Sport schon weit verbreitet. In Deutschland haben Vereine wie Werder Bremen, Schalke oder der VfL Wolfsburg «Walking Football»-Teams. Wie viele Amateurvereine den Sport anbieten, ist nicht bekannt. Meike Ebbert vom Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen meint: «Das kommt wirklich gut an.» Ein Grund: Viele Vereine mit Altherrenmannschaften würden sich an den Verband wenden und sagen: «Uns geht die Puste aus.» Und es sei auch eine Möglichkeit, ältere Menschen an den Verein zu binden, sagt Ebbert.

Auch Werner Hensch spielt in Essen mit – er kann schon seit seiner Jugend nicht ohne Fußball. Der 64-Jährige hat er zwei operierte Knie. Beim «Walking Football» bekomme er Bewegung und sei an der Luft. Zwar sei das nicht mit normalem Fußball zu vergleichen, aber als Pensionär immer noch besser, als zuhause zu sitzen.

Für seinen Mitspieler Heiko Kleszka, der zwei künstliche Knie und eine Gefäßstütze am Herzen hat, ist der Geh-Fußball «Reha-Sport», wie er sagt. «Hier macht jeder so viel, wie er eben kann.» Die Intention hinterm «Walking Football» sei vor allem der Spaß – «und man tut was für die Gesundheit», sagt Trainer Küpper. «Die sind froh, mal wieder spielen zu können und gegen den Ball treten zu dürfen.» Aber dennoch nähmen die Spieler das Ganze sehr ernst: Über eine verfehlte Torchance ärgerten auch sie sich.

Wer sich aber bei einem erhöhten Blutdruck zu sehr aufregt, soll nach Meinung des Sportmediziners Herbert Löllgen vom Deutschen Sportärztebund DGSP besser verzichten. Generell hält «Walking Football» die Senioren aber fit: Trainiert würden die Beweglichkeit, die Aufmerksamkeit und das Reaktionsvermögen. «Auch das langsame Bewegen hat einen moderaten Trainingseffekt», sagt Löllgen.

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27.04.2018 l PZ/dpa

Foto: Fotolia/Ljupco Smokovsk