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Epilepsie: Risiko für Überdosierungen und Suizid erhöht

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Menschen mit Epilepsie haben ein dreifach höheres Risiko, eines unnatürlichen Todes zu sterben, als Menschen ohne das Anfallsleiden. Einer Analyse von zwei britischen Kohorten zufolge, die Forscher der Universität Manchester nun im Fachjournal «JAMA Neurology» veröffentlichten, spielen dabei neben Unfällen auch Medikamenten-Überdosierungen und Suizide eine Rolle.

Dass Epilepsie-Patienten ein erhöhtes Risiko für nicht natürlichen Tod haben, ist schon länger bekannt. Mit der üblichen Begründung, dass aufgrund der Anfälle das Unfallrisiko steigt, gab sich das Team um Dr. Hayley Gorton jedoch nicht zufrieden. Die Forscher analysierten Daten von insgesamt knapp 59.000 Epilepsie-Patienten und 1.180.000 Personen ohne die Erkrankung aus England und Wales hinsichtlich der Todesursachen. In beiden Kohorten zusammen starben 271 Epilepsie-Patienten einen nicht natürlichen Tod, davon 192 an einem Unfall (71 Prozent). Damit lag das Risiko für einen nicht natürlichen Tod fast dreimal höher als in der Vergleichsgruppe (Hazard Ratio 2,77) und das Risiko für einen tödlichen Unfall war ebenfalls um den Faktor drei erhöht (Hazard Ratio 2,97).

Neben Unfällen traten aber auch Überdosierungen von Medikamenten auf: So kam es bei Epilepsie-Patienten fünfmal häufiger zu unbeabsichtigten tödlichen Überdosierungen als in der Vergleichsgruppe. Diese erfolgten in der großen Mehrheit mit Opioiden und psychotropen Substanzen und selten mit Antiepileptika. Das Suizidrisiko war bei Menschen mit Epilepsie doppelt so hoch wie bei nicht Erkrankten. Obwohl höher als in der Allgemeinbevölkerung, sei das Risiko für einen unnatürlichen Tod bei Epilepsie-Patienten in absoluten Zahlen mit 0,3 bis 0,5 Prozent aber relativ gering, schreiben die Forscher.

Ein Grund für das erhöhte Risiko könnten psychische Komorbiditäten wie Substanzmissbrauch, Angsterkrankungen, Depression und Persönlichkeitsstörungen sein, die bei Epilepsie-Patienten deutlich häufiger vorkamen als in der Vergleichsgruppe. Gorton und ihre Kollegen fordern daher in einer Mitteilung der Universität, Patienten nicht nur über das Unfallrisiko aufzuklären, sondern auch bezüglich psychischer Gesundheit und Suizidgedanken zu überwachen. Zudem sollten Ärzte besonders kritisch hinterfragen, ob Medikamente, die sie Epilepsie-Patienten zur Behandlung anderer Erkrankungen verordnen, hinsichtlich ihrer Toxizität für die Patienten geeignet sind. (ch)

DOI: 10.1001/jamaneurol.2018.0333

16.04.2018 l PZ

Foto: Fotolia/nobeastsofierce