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Laufwettbewerbe: Keine Schmerzmittel vor dem Start

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Passend zum Beginn der Laufsaison warnt die Apothekerkammer Niedersachsen vor den Risiken einer Schmerzmitteleinnahme bei Freizeitsportlern. «Die Einnahme von verschreibungsfreien Analgetika wie ASS, Diclofenac oder Ibuprofen, vorsorglich oder gegen bestehende Schmerzen, kann gefährlich sein», heißt es in einer Pressemitteilung. Denn das Risiko für einen Herzinfarkt, andere kardiovaskuläre Ereignisse oder Nierenfunktionsstörungen erhöht sich.

Beim Ausdauersport wird die Durchblutung der Muskulatur aufgrund des höheren Sauerstoffbedarfs erhöht, wohingegen die Durchblutung des Magen-Darm-Traktes stark und die der Niere leicht herabgesetzt wird, erklärt die Apothekerkammer. Zudem schränken nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) per se die Nierenfunktion ein. Kommt noch ein Flüssigkeitsmangel hinzu, was bei Langstreckenläufern oft passiert, kann es zu Nierenschäden kommen. Eine weitere Folge können Blutverluste im Magen-Darm-Trakt oder in der Niere sein, die langfristig zu einer Blutarmut führen können. «Sie wird jedoch selten mit dem Sport unter Schmerzmitteln in Verbindung gebracht», schreibt die Kammer.

Jede vor oder während des Laufes eingenommene Schmerztablette erhöht das Risiko, dass währenddessen oder danach gesundheitliche Probleme auftreten – auch wenn das Mittel aus wichtigem Grund eingenommen wird», mahnt die Kammer. «Das gilt auch für Analgetika, die nach dem Sport eingenommen werden, um belastungsabhängige Schmerzen zu reduzieren.» Muskel- und Gelenkschmerzen können topisch mit entsprechenden Gelen und Cremes behandelt werden. Hier wirken die Schmerzmittel in erster Linie lokal. Der Sportler sollte dann besonders darauf achten, sich nicht zu überlasten, da es sonst zu dauerhaften Schäden kommen kann. Ein Training bei geringen Schmerzen sei grundsätzlich möglich, sollte jedoch nur leicht ausfallen.

Bei Kopfschmerzen am Morgen und einer Laufveranstaltung am Nachmittag sei die Einnahme eines Analgetikums vertretbar. Von einer Einnahme wenige Stunden oder unmittelbar vor dem Lauf rät die Apothekerkammer allerdings ab. «Sportliche Höchstleistungen unter dem Einfluss von Schmerzmitteln oder unter Schmerzen verzögern mindestens die Regeneration und können schlimmstenfalls organische Schäden nach sich ziehen», heißt es.

Übrigens helfen Schmerzmittel nicht schneller oder besser über die Ziellinie – im Gegenteil: Die Abbruchrate sinkt unter Analgetika-Einnahme aufgrund von Magen-Darm-Krämpfen sogar an. «Schmerzen müssen immer als Warnsignal des Körpers verstanden werden», so die Kammer. «Wird dieses Signal ausgeschaltet und werden die schmerzenden Muskeln oder Gelenke weiterhin belastet, können sich die Beschwerden sogar verschlimmern. Bei Schmerzen sollte besser auf den Start verzichtet und auf eine der vielen anderen Laufveranstaltungen ausgewichen werden.» (dh)

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14.03.2018 l PZ

Foto: Fotolia/oneinchpunch