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Kassenärztliche Vereinigung: Eigene Arztpraxen

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Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) sieht sich im Kampf gegen den Ärztemangel im Südwesten gezwungen, eigene Hausarztpraxen zu betreiben. 20, 30 solcher Praxen im Südwesten halte er für realistisch, sagte KV-Vize Johannes Fechner in Stuttgart. «Das ist eine Notfallmaßnahme für einen begrenzten Zeitraum», erläuterte KV-Chef Norbert Metke. In Ostdeutschland gebe es das Modell schon seit Jahren, wobei in etlichen Fällen die von der KV angestellten Ärzte schließlich die Praxis übernähmen.

 

Mit dieser Neuerung wird laut KV im Südwesten bereits in diesem Jahr begonnen – wo genau, gab sie nicht bekannt. Die betroffenen Kommunen wünschten das nicht, denn sie sähen darin einen Standortnachteil. Rückenwind bekamen die Kassenärzte von Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne). Er forderte überdies von der neuen Bundesregierung eine bundeseinheitliche Lösung, um Klinik- und Praxisversorgung sowie Pflege und andere Gesundheitsdienstleister besser zu verzahnen.

 

Die größte gesetzliche Kasse im Südwesten, die AOK, sieht keinen Anlass zu Alarmismus. «Die Zukunft der medizinischen Versorgung in Kliniken und Praxen ist in Baden-Württemberg weit besser als ihr Ruf», sagte AOK-Landeschef Christopher Hermann. Die KV hingegen, die die Interessen von 21.000 Praxisärzten und Therapeuten vertritt, sieht großen Handlungsbedarf und stellte einen millionenschweren Masterplan vor. Dieser soll helfen, mit den bereits jetzt 500 vakanten Hausarztstellen – und weiteren 500 in den kommenden fünf Jahren – umzugehen. So sollen Übernahmen und Neugründungen von Praxen sowie die Anstellung von Ärzten in schlecht versorgten Gebieten gefördert werden.

 

13.03.2018 l dpa

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