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Hilfsorganisation: Kritik an medizinischer Versorgung

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Zahlreiche Menschen in Deutschland bleiben nach Angaben der Hilfsorganisation «Ärzte der Welt» ohne die notwendige medizinische Behandlung: «In Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt, haben derzeit hunderttausende Menschen keine Möglichkeit, die medizinisch notwendige Behandlung zu bekommen, ohne in eine finanzielle Notlage zu geraten», sagte die Grundsatzreferentin der Organisation, Johanna Offe, in Berlin. Der Staat komme seiner menschenrechtlichen Verpflichtung nicht nach, den Zugang zur Gesundheitsversorgung zu sichern.

 

Für viele Menschen mit geringem Einkommen seien hohe Krankenversicherungsbeiträge eine finanzielle Belastung, sagte Offe. «Wenn sie Beitragsschulden haben, bekommen sie bis zur kompletten Rückzahlung nur stark eingeschränkte Versicherungsleistungen.» Betroffen seien auch Asylsuchende, die in den ersten 15 Monaten nur einen eingeschränkten Anspruch auf Gesundheitsversorgung hätten. Menschen ohne Papiere hätten den gleichen eingeschränkten Anspruch wie Asylsuchende. «Vor einem Arztbesuch müssten sie jedoch zum Sozialamt, um einen Krankenschein zu beantragen», sagte Offe. Das Sozialamt müsse Betroffene aber bei der Ausländerbehörde melden, wenn sie die Rechtmäßigkeit ihres Aufenthalts nicht nachweisen könnten, womit Abschiebung drohe. «Arztbesuche werden daher vermieden, bis die Krankheit zu einem Notfall wird, der im Krankenhaus behandelt werden muss.»

 

21.03.2018 l dpa/PZ

Foto: Fotolia/Suprijono Suharjoto