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Apothekenpersonal: Politik muss Fachkräftemangel beheben

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Die dritte Hermann-Hager-Tagung der Apothekerkammer Brandenburg am 9. und 10. März 2018 in Rheinsberg zeigte sich im neuen Format und bot Vorträge und Seminare für alle pharmazeutischen Berufe in der Apotheke. «Wir beschreiten diesen neuen Weg der Fortbildung, da jede Berufsgruppe in der Apotheke eine ganz wichtige Rolle spielt», konstatierte Kammerpräsident Jens Dobbert bei der Begrüßung der 175 Teilnehmer. Sowohl bei den Apothekern als auch bei den PTA und PKA sei ein wachsender Nachwuchsmangel zu verzeichnen. «Die Situation spitzt sich zu», so Dobbert. Immer wieder habe er die Politik daher bereits in der Vergangenheit aufgefordert, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, sprich: einen Studiengang Pharmazie in Potsdam oder an einem anderen Standort des Bundeslandes zu etablieren sowie Geld für die Ausbildung von mehr PTAs und PKAs in die Hand zu nehmen.

«Wir sind mit unseren Anliegen noch nicht am Ziel, aber wir sind trotzdem guter Hoffnung, dass die Fachkräfteproblematik bei der Landesregierung angekommen ist», sagte Dobbert. Er werde in seinem Bemühen nicht nachlassen und auch zukünftig jede Gelegenheit nutzen, dieses Thema zu positionieren. «Wir fordern mehr Gehör. Daher werden wir weitere Zeichen setzen und unter anderem auch unsere Öffentlichkeitsarbeit verstärken», unterstrich der Kammerpräsident.

So sei nicht nur eine Plakataktion, sondern unter dem Arbeitstitel «Tacheles» auch die Herausgabe eines Magazins zur Information von Politikern und Abgeordneten geplant. Dieses solle regelmäßig und ungefiltert über die wirtschaftlichen und personellen Probleme der Apotheken und somit letztlich die mögliche Gefährdung der flächendeckenden Arzneimittel-Versorgung der Bevölkerung vor Ort informieren.

Will sich die GroKo gemäß Koalitionsvertrag weiterhin für ein Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln engagieren, so setze er darauf, dass dieses Vorhaben auch durchgeführt wird, so der Kammerpräsident weiter. Dabei, so Dobbert, vertraue er auf die Tatsache, dass sich der neue Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bereits in der Vergangenheit als stets verlässlicher Partner erwiesen hat.   

Das diesjährige Fortbildungswochenende der Landesapothekerkammer Brandenburg stand unter der Überschrift «Patient Kind». Namhafte Referenten schilderten neueste Erkenntnisse zur Arzneimitteltherapie(sicherheit) bei Kindern sowie in der Schwangerschaft und Stillzeit. Die pädiatrische Pharmazie ist nicht nur vom Lebensumfeld der Kinder, ihren biografischen und biologischen Besonderheiten, ihrer im Vergleich zu Erwachsenen anderen Pharmakokinetik und -dynamik sowie der Notwendigkeit eines kindgerechten Medikationsmanagements gekennzeichnet. Sie ist insbesondere auch von der Beratung, Information, Betreuung und Schulung der Eltern rund um den Einsatz von Arzneimitteln im Falle spezieller Kinderkrankheiten wie akuten Atemwegsinfektionen, Otitis media, Neurodermitis, Windeldermatitis oder auch Gastroenteritis geprägt. Das machten im Verlauf der Veranstaltung Dr. Christian Ude, Fachapotheker für Arzneimittelinformation, Darmstadt, sowie der Kinder- und Jugendarzt Dr.  Ulrich Enzel, Schwaigern, deutlich.  

Ob Suppositorien, Trockensäfte, Augentropfen, Kapseln oder Tabletten: Der Einsatz von Medikamenten bei Neugeborenen, Säuglingen, Klein- oder Schulkindern muss individuell und altersgerecht erfolgen. «Arzneimitteltherapie im Kindesalter ist alles andere als trivial und darf niemals ohne kompetente fachliche Begleitung erfolgen», sagte Ude mit Verweis auf die Notwendigkeit spezifischer Dosierungen und Darreichungsformen in der Pädiatrie.

Hat gerade die Selbstmedikation von Kinderkrankheiten ihre Grenzen, so zeigte sich Enzel erfreut über die erfolgreiche Zusammenarbeit und synergistische Kompetenz von Medizinern und Pharmazeuten. «Kinder brauchen eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Flüssigkeit, Schlaf, Spielen und Sport an der frischen Luft sowie viel Liebe und Zuwendung und oft auch Rat und Hilfe aus der Apotheke», so lautete seine Quintessenz. (cb)

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12.03.2018 l PZ

Foto: PZ/Christiane Berg