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Alzheimer: Bluttest zeigt gute Ergebnisse

Eine erhöhte β-Amyloid-Last im Gehirn ist das früheste Hinweiszeichen auf einen Morbus Alzheimer. Ihr Nachweis gelingt bislang ausschließlich mittels Positronen-Emissions-Tomografie (PET) oder anhand von Liquorproben. Dies könnte sich jedoch bald ändern: Ein japanisch-australisches Forscherteam stellt im Fachjournal «Nature» einen Bluttest vor, der zuverlässig Aufschluss über die Ausdehnung der zerebralen Protein-Plaques gibt.

 

Die Arbeitsgruppe um Professor Dr. Akinori Nakamura vom National Center for Geriatrics and Gerontology in Obu, Japan, entwickelte ein Verfahren, bei dem verschiedene Amyloid-Moleküle mittels Antikörper gebunden (Immunpräzipitation) und anschließend mittels Massenspektrometrie mengenmäßig bestimmt werden. Dabei konnten auch die Mengenverhältnisse von Amyloid Precursor Protein 669-711 zu Ab1-42 und Ab1-40 zu Ab1-42 ermittelt werden, die neueren Erkenntnissen zufolge eine wichtige Bedeutung für die Pathogenese haben.

 

Die Zuverlässigkeit ihres Bluttests testeten die Forscher an zwei unabhängigen Studienkollektiven, einem japanischen mit 121 und einem australischen mit 252 Probanden. Beide Kohorten umfassten klinisch unauffällige Teilnehmer, Individuen mit leichten kognitiven Einschränkungen sowie Patienten mit manifester Alzheimerdemenz. Die zerebrale Amyloidlast der Studienteilnehmer wurde mittels PET objektiviert, von einigen Probanden lagen zudem Liquorbefunde vor.

 

Den Forschern gelang es, mithilfe der Plasma-Biomarker – getestet wurden die beiden genannten Quotienten sowie ein kombinierter Score – Personen mit ausgedehnten Amyloid-Plaques zu identifizieren. Auch die individuelle PET-Amyloid-Last der einzelnen Probanden ließ sich anhand der Blutwerte sehr genau vorhersagen. Ferner korrelierten die Aβ-Spiegel im Plasma signifikant mit den in der Liquorflüssigkeit gemessenen Werten.

 

Sollten sich diese vielversprechenden Studienergebnisse in weiteren Untersuchungen bestätigen, so die Forscher, stünde ein minimal invasives und kostengünstiges Verfahren zur frühen Alzheimerdiagnostik zur Verfügung. Dieser Bluttest könnte helfen, geeignete Probanden für klinische Studien mit krankheitsmodifizierenden Wirkstoffen zu identifizieren. Patienten in einem präklinischen oder prodromalen Erkrankungsstadium – vor Eintritt irreversibler Hirnschäden – stellen diesbezüglich das ideale Studienkollektiv dar.

 

Auch für den klinischen Alltag versprechen sich Nakamura und Kollegen einen Nutzen: Als Screeninginstrument, bei differenzialdiagnostischen Schwierigkeiten und zur Festlegung des therapeutischen Vorgehens sowie möglicherweise als Monitoring-Parameter könnte der Bluttest hilfreich sein. Vor dem routinemäßigen Einsatz der Methode, so ihr Fazit, müssen allerdings die Technologie standardisiert und die diagnostische Effektivität der Biomarker umfangreich validiert werden. (jl)

 

DOI: 10.1038/nature25456

 

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05.02.2018 l PZ

Foto: Fotolia/ralwel