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AV-Neujahrsempfang: Rx-Versandverbot «nicht laufen lassen»

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Der Apothekerverband (AV) Köln mahnt die Politik beim Thema Rx-Versandverbot zur Eile. Andernfalls drohe letztlich ein unwiderruflicher Verlust politischer Steuerungsmöglichkeiten, hieß es jetzt beim Neujahrsempfang des AV in Köln. Um Bedrohungen für die hiesigen Apotheken durch kommerziell ausgerichtete Konzerne sowie «kontraproduktive Entscheidungen aus der EU» abzuwenden, müsse die Politik konsequenter handeln und die lokalen Strukturen der Gesundheitsversorgung stärken. «Apotheken vor Ort brauchen mehr Planungssicherheit und zuverlässige Rahmenbedingungen», fordert der AV-Vorsitzende Thomas Preis (Foto, rechts) laut einer Mitteilung des Verbands.

 

Unabdingbar hierfür sei, weiterhin auf einem Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln zu beharren, betonte Preis und warnte vor einem «Laufenlassen» dieses Vorhabens. «Wir brauchen ein Verbot für den Versandhandel mit verordneten Medikamenten, wie es drei Viertel der EU-Staaten schon haben. Die große Mehrheit in einer möglichen neuen Großen Koalition, die CDU/CSU, hat das längst erkannt. Aber jetzt muss es auch im Koalitionsvertrag vereinbart werden und dann auch von einer neuen Bundesregierung zügig umgesetzt werden», forderte Preis.

 

Georg Kippels (Foto, links), CDU-Bundestagsabgeordneter und Gastredner beim Neujahrsempfang, pflichtete Preis bei und bezeichnete es in seinem Grußwort als «offene Wunde», dass auf das folgenschwere Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Oktober 2016 bislang noch keine politischen Konsequenzen gefolgt seien. Mit dieser Problematik müsse man sich weiter beschäftigen.

 

Als Vorbild für die Bundespolitik nannte Preis das «klare Bekenntnis» zu den Freien Berufen der schwarz-gelben Regierungskoalition in Nordrhein-Westfalen. Auf insgesamt 27 Seiten im Koalitionsvertrag würden die Freien Berufe bei ausdrücklicher Nennung der Apotheken berücksichtigt. Es sei «bundesweit in dieser Form einzigartig», die Bedeutung der Freien Berufe für ein Bundesland nicht nur darzustellen, sondern zusätzlich konkrete Planungen zu deren Fortentwicklung festzuschreiben. Dies solle Ansporn sein, die Themen in dem «hoffentlich bald zu verhandelnden Koalitionsvertrag in Berlin zu verankern».

 

Positiv wertete Preis die im abgelaufenen Jahr in Kraft getretenen Erhöhungen bei der Rezepturvergütung und bei den Dokumentationsgebühren für Betäubungsmittel und T-Rezepte. Endlich werde die mit der Herstellung und Abgabe dieser Arzneimittel verbundene pharmazeutische Leistung sowie der Dokumentationsaufwand «zwar nicht kostendeckend, aber immerhin nach Jahrzehnten ohne jegliche Erhöhungen in diesem Bereich besser honoriert».

 

Für ihre langfristige wirtschaftliche Sicherung benötigten die Apotheken allerdings auch Planungssicherheit bei der Entwicklung ihres Fixhonorars. Allein schon weil sich die Apotheken auf immer wieder neue Herausforderungen einstellen müssten, sei diese Forderung gerechtfertigt. «Neben dem Rx-Versandverbot gehört ein angemessenes Apothekenhonorar zu den Kernforderungen an eine neue Bundesregierung», so Preis. (cd)

 

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12.01.2018 l PZ

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