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Tabakheizsysteme: Reduzierter Schadstoffgehalt im Aerosol

Emmissionen von Tabakheizsystemen enthalten deutlich weniger Schadstoffe als der Rauch von herkömmlichen Zigaretten. Das zeigen Untersuchungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), wie der Studienleiter Dr. Frank Henkler-Stephani im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung mitteilte. «Für einen Raucher, der es nicht schafft aufzuhören, ist der Umstieg kein Nachteil», so Henkler-Stephani. «Dennoch konsumiert er immer noch ein Tabakprodukt mit einem erheblichen Gesundheitsrisiko.»

 

Bei Tabakheizsystemen (THS) handelt es sich um batteriebetriebene Geräte, in denen kurze Stränge aus komprimiertem Feinschnitttabak auf etwa 300 °C erhitzt werden, um inhalierbare Dämpfe zu erzeugen. Diese enthalten Nikotin und schmecken nach Tabak. Eine Verbrennung findet aber nicht statt und somit auch keine Rauchentwicklung. Philip Morris International hat Mitte 2017 als erste Firma bundesweit ein solches System namens IQOS auf den Markt gebracht. Laut Studien des Herstellers sollen die von diesem Produkt erzeugten Dämpfe um 90 bis 95 Prozent weniger Schadstoffe enthalten als Zigaretten.

Da hierzu bislang nur Daten des Herstellers vorlagen, hatte das BfR sich entschlossen, wichtige Befunde in eigenen Studien zu prüfen. Zu zwei Substanzklassen sowie Nikotin und Teer ermittelte das Institut die Konzentrationen im Dampf. Die bislang nicht publizierten Ergebnisse stellte das BfR auf der Deutschen Konferenz für Tabakkontrolle in Heidelberg vor. «Unsere Untersuchungen haben die Angaben aus der Fachliteratur – mit kleinen Abweichungen – im Wesentlichen bestätigt», so Henkler-Stephani. Trotz der deutlichen Reduktion seien die Dämpfe schwach mutagen, wie der Hersteller in eigenen Untersuchungen zeigte.

Weiterführende Studien wie Zelluntersuchungen oder klinische Studien hat das Institut noch nicht vorgenommen. Daten des Herstellers zeigen aber, dass auch die Zelltoxizität und Mutagenität des Aerosols um 90 Prozent unter denen des Tabakrauchs liegen. Auch klinische Untersuchungen zeigen, dass das gesundheitliche Risiko durch den Umstieg auf ein THS deutlich reduziert wird.

Das kann das BfR derzeit nicht bestätigen. Es hält es aber für wahrscheinlich, dass eine erhebliche Reduzierung der gesundheitlich bedenklichen Emissionen mit verminderten gesundheitlichen Risiken gegenüber herkömmlichen Zigaretten verbunden ist. Für die Abschätzung der verminderten Risiken sind jedoch weitere Untersuchungen notwendig, die auch im Rahmen eines Einstufungsverfahrens in den USA durchgeführt werden. Es bleibt zu klären, ob andere THS eine ähnliche Verminderung von kanzerogenen und gesundheitsschädlichen Stoffen in den Emissionen erreichen. Insgesamt könnten THS weniger bedenklich als herkömmliche Rauchtabakerzeugnisse sein. Nichtrauchen bleibt aber die gesündeste Alternative. (ch)

 

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11.12.2017 l PZ

Foto: Philip Morris International