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Migräne: Antikörper erzielt gute Ergebnisse in Phase III

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Eine Antikörper-Therapie, die sich gegen ein Molekül richtet, das bei Migräne freigesetzt wird, verringert die Zahl der Tage mit Kopfschmerzen. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, die in der Fachzeitschrift «New England Journal of Medicine» veröffentlicht wurde. Hatten Migräne-Patienten den Wirkstoff Fremanezumab von Teva vierteljährlich oder einmal pro Monat erhalten, reduzierten sich die Tage mit Kopfschmerzen pro Monat im Schnitt um 4,3 beziehungsweise 4,6 Tage gegenüber Placebo. Bei einigen Studienteilnehmern blieben Migräne-Attacken sogar ganz aus, bei anderen verringerten sie sich um 75 Prozent.

 

Wie gut die Patienten allerdings auf die Therapie reagierten, sei von Person zu Person verschieden gewesen, sagt Erstautor Dr. Stephen D. Silberstein von der Thomas Jefferson University in Philadelphia. Ein Blick auf die individuelle Kopfschmerz-Belastung pro Monat zeigte, dass bei 37,6 Prozent der Teilnehmer mit monatlicher Therapie die Kopfschmerzen um die Hälfte zurückgegangen waren, bei vierteljährlicher Therapie waren es sogar 40,8 Prozent der Patienten. In der Placebo-Gruppe galt dies nur für 18,1 Prozent.

 

Das Molekül, auf das die Antikörper-Therapie abzielt, ist das Calcitonin Gene-Related Peptid (CGRP), das als Reaktion auf einen entzündlichen Prozess während eines Migräne-Anfalls in größeren Mengen freigesetzt wird. Dies führe zu einem Stufenprozess, der die weitere Freisetzung des Moleküls stimuliere, erläutern die Forscher. Als Resultat reagiere das Gehirn sensibler auf Schmerzen.

 

Der neue Wirkstoff setzt an dieser Stelle an: Er binde an besagtet Peptid und blockiert es. Mit der Blockade hoffen die Ärzte, den Kreislauf von zunehmender Entzündung und zunehmender Schmerz-Sensibilität, der zur Entstehung von Migräne-Kopfschmerzen beiträgt, durchbrechen zu können. Bei der aktuellen Arbeit handelt es sich um eine Phase-III-Studie mit 1.130 Studienteilnehmern. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass das neue Medikament bald als Alternative zur Behandlung von Migräne zur Verfügung stehen wird. In der EU liegt allerdings bislang noch kein Zulassungsantrag vor. (hh)

DOI: 10.1056/NEJMoa1709038

 

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05.12.2017 l PZ/Aponet

Foto: Fotolia/wutzko