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Diabetes: 600.000 Migranten sind betroffen

Die gesundheitliche Versorgung der in Deutschland lebenden Migranten mit Diabetes ist nach wie vor schlechter als die der Gesamtbevölkerung. Dabei spielen kulturelle, sprachliche sowie auch bildungsbedingte Barrieren eine Rolle. Darauf machen die Organisationen diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) anlässlich des heutigen Internationalen Tages der Migranten aufmerksam. Die gemeinnützigen Organisationen setzen ein Info-Mobil mit mehrsprachig und interkulturell ausgebildeten Diabetesberaterinnen in Regionen mit einem hohen Bevölkerungsanteil von Menschen mit Migrationshintergrund ein, um mögliche Betroffene persönlich und wohnortnah über die Stoffwechselerkrankung aufzuklären.

Schätzungen zufolge sind in Deutschland etwa 600.000 Menschen mit Migrationshintergrund an Diabetes mellitus erkrankt, die meisten an Typ 2. Allein von den knapp zwei Millionen Bürgern mit türkischem Migrationshintergrund, die hierzulande leben, sind schätzungsweise 300.000 betroffen. Für Menschen mit Wurzeln aus anderen Ländern liegen noch keine Zahlen vor. Immer noch verhindern bei vielen Betroffenen Sprachbarrieren, kulturelle Besonderheiten wie Ernährungsgewohnheiten sowie Geschlechterrollen und Familienstrukturen notwendige regelmäßige Arztbesuche.

Der gleichberechtigte Zugang zur gesundheitlichen Versorgung ist ein Grundrecht für alle Bürger in Deutschland und sollte auch für alle Menschen mit Migrationshintergrund unabhängig von ihrer Nationalität, ihrer Herkunft oder ihrer Religionszugehörigkeit selbstverständlich sein, fordert die Organisation in einer Pressemitteilung. DiabetesDE gibt zum Beispiel einen «Gesundheitspass Diabetes» in deutsch-türkischer Sprache heraus. Die Organisation bietet außerdem unter www.diabetesde.org/dolmetscher kostenlos den Diabetes-Dolmetscher an. Er bietet die wichtigsten Begriffe rund um Diabetes in zehn verschiedenen Sprachen: Englisch, Türkisch, Arabisch, Italienisch, Französisch, Spanisch, Niederländisch, Polnisch, Portugiesisch und Griechisch mit jeweils deutscher Übersetzung. (ch)

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18.12.2017 l PZ

Foto: Fotolia/tbralnin