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Typ-1-Diabetes: Insulinpumpe bringt Vorteile für Kinder

 

Die Behandlung mit einer Insulinpumpe kann für Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes Vorteile gegenüber der herkömmlichen Therapie mit Insulinpens oder -spritzen bringen. Es treten seltener schwere Unterzuckerungen und Stoffwechselentgleisungen auf, der Insulinbedarf ist niedriger und die HbA1c-Werte sind besser. Das hat eine große Studie an 350 Diabeteszentren in Deutschland, Österreich und Luxemburg gezeigt, die vor Kurzem im Fachjournal «JAMA» veröffentlicht wurde. Bislang war unbekannt, wie sich einen Insulinzufuhr per Pumpe auf das Gewicht und die Häufigkeit schwerer Hypoglykämien auswirkt. Auch war zuvor befürchtet worden, Ketoazidosen könnten häufiger unter Pumpentherapie auftreten als unter Spritzen.

«Mit einer programmierbaren Insulinpumpe kann der Körper über einen kleinen Katheter im Unterhautfettgewebe kontinuierlich mit Insulin versorgt werden», erläutert Studienautorin Professor Dr. Beate Karges von der RWTH Aachen in einer Pressemitteilung der Deutschen Diabetesgesellschaft (DDG). Mit einer Pumpe könne die Insulinzufuhr insbesondere bei jungen Kindern gesteuert werden als mit mehrfach täglichen Injektionen.

In Deutschland leben schätzungsweise 31.000 Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes. Die Mehrzahl von ihnen wird laut DDG mit einer Insulinpumpe versorgt, bei den Kindern unter sechs Jahren sind es sogar mehr als 85 Prozent. Für die Studie wurden nun die Daten von 9814 Kindern und Jugendlichen mit Insulinpumpe mit denen von 9814 pädiatrischen Typ-1-Diabetikern unter Spritzentherapie verglichen. Dabei traten 9,55 schwere Hypoglykämien pro 100 Patienten pro Jahr unter der Pumpe auf gegenüber 13,97 unter Injektionen.

 

Zu Unterzuckerungen mit Bewusstlosigkeit kam es in 2,30 Fällen pro 100 Patienten pro Jahr unter Pumpentherapie gegenüber 2,96 unter Injektionen. Zudem traten weniger ketoazidotische Entgleisungen auf (3,64 versus 4,26 pro 100 Patienten pro Jahr). Der mittlere HbA1c-Wert lag in der Pumpengruppe bei 8,04 Prozent und 8,22 Prozent unter Insulin-Injektionen. Während die Patienten mit Pumpe täglich im Schnitt 0,84 Einheiten pro Kilogramm Körpergewicht und Tag brauchten, waren es 0,98 beim Spritzen.

«Die Insulinpumpe ist eine sichere Behandlungsform, die der Mehrzahl der Patienten eine verbesserte Stoffwechseleinstellung, vermehrte Flexibilität und damit Lebensqualität verschafft», meint Studienautor Professor Dr. Reinhard Holl von der Universität Ulm. (dh)

DOI: 10.1001/jama.2017.13994

 

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17.11.2017 l PZ

Foto: Fotolia/Dmitry Lobanov