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Diskussion ohne Apotheker: AVWL empört über SPD

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Mit Empörung haben die Apotheker in Westfalen-Lippe auf die personelle Zusammensetzung einer für morgen im Sauerland geplanten Diskussionsrunde zur Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum reagiert. Zu der von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung initiierten Runde in Bestwig war zwar offenbar ein Vertreter der Versandapotheke Doc Morris geladen worden, aber niemand aus der regionalen Apothekerschaft.

 

«Uns Apotheker hat dieses Vorgehen der Stiftung Ihrer Partei empört», wendet sich der Vorsitzende des Apothekerverbands Westfalen-Lippe (AVWL), Klaus Michels (Foto), heute an den nordrhein-westfälischen SPD-Landesvorsitzenden Michael Groschek. Wie nur wenige andere Gesundheitsakteure repräsentiere die Apotheke in der Nachbarschaft die Gesundheits- und Arzneimittelversorgung auf dem Land. Anstatt aber ihren gesetzlichen Versorgungsauftrag sowie ihre hohe Akzeptanz in der Bevölkerung zu berücksichtigen, werde nun dem «marktradikalen Treiben» der Versender ein Forum geboten, kritisiert Michels.

 

Dass ausgerechnet die NRW-SPD auf Diskussionspartner aus der regionalen Apothekerschaft verzichte, sei umso unverständlicher, als die Landespartei seit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Oktober 2016 stets aufseiten der Offizin-Apotheker gestanden habe. Das Urteil, das ausländische Versender von der in Deutschland geltenden Arzneimittelpreisbindung bei Rx-Medikamenten entbindet, hatte eine Protestwelle in der Apothekerschaft ausgelöst, die sich unter anderem in einer Bundesratsinitiative für ein Rx-Versandverbot niedergeschlagen hat – mit Unterstützung der SPD. «Gerade die nordrhein-westfälische SPD hat den öffentlichen Versorgungsauftrag der örtlichen Apotheken nie in Frage gestellt, sondern ihn stets bekräftigt und unterstützt», so Michels.

 

Mit Blick auf den zurückliegenden Bundestagswahlkampf, in dem die Apotheker das Rx-Versandverbot mehrmals mit Politikvertretern diskutiert hatten, resümierte Michels: «Wir wäre niemals auf die Idee gekommen, die SPD als politischen Partner auszuschließen.» Den Apothekern fehle jedes Verständnis dafür, «dass dies nun umgekehrt uns gegenüber in einer für die Apotheken, ihre Beschäftigten und die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung zentralen Fragen geschieht».

 

Obwohl die Kritik des AVWL unmittelbar auf die Landes-SPD abzielte, wollte diese heute auch auf Nachfrage keine Stellung beziehen. Die Friedrich-Ebert-Stiftung arbeite autark und ohne jede Absprache mit der Partei, sagte ein SPD-Sprecher. (cd)

 

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14.11.2017 l PZ

Foto: AVWL