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BAH: Apotheker sollen Lotsen im Gesundheitswesen sein

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Mit einem Aufruf zur Besinnung auf die eigene Kompetenz hat sich der Verband der Arzneimittelhersteller (BAH) heute beim OTC-Gipfel in Düsseldorf hinter die öffentliche Apotheke gestellt. Der BAH-Vorstandsvorsitzende Jörg Wieczorek (Foto) forderte die Apotheker auf, ihre Rolle als Berater sowie als Schnittstelle zwischen Arzt und Patient einzunehmen –  und zwar selbstbewusst, da dies auch angesichts der Diskussion um ein Rx-Versandverbot geboten sei. «Denken Sie kaufmännisch und handeln Sie heilberuflich, das schließt sich gegenseitig nicht aus – und das sieht der Versandhandel anders!», so Wieczorek.

 

Gerade bei OTC-Präparaten könnten Apotheker zu «Lotsen für Patienten im Gesundheitswesen avancieren», sagte Wieczorek bei der vom Apothekerverband Nordrhein organisierten Veranstaltung. Dieses Selbstverständnis sei umso wichtiger, als die Gesundheitsbranche vor immensen Herausforderungen stehe. Alterung, Individualisierung, Digitalisierung, Urbanisierung und Veränderung der Arbeitswelt – mit diesen Aspekten habe sich die Gesellschaft insgesamt und mithin die Apotheke auseinanderzusetzen, führte Wieczorek in seinem Vortrag «Selbstmedikation in der Apotheke – Wo liegen die Zukunftschancen?» aus.

 

Selbstmedikation halte sowohl einen Nutzen für den einzelnen Patienten als auch für die Gesellschaft bereit, so Wieczorek. Einerseits helfe sie dabei, Krankheiten zu verhüten, zu lindern und zu heilen. Andererseits reduziere sich dadurch die Zahl der Arztbesuche, was wiederum Ressourcen für mehr schwerwiegende Erkrankungen freisetze. «Das sind wertvolle Impulse für die Gesundheitswirtschaft», so Wieczorek.

 

Selbstmedikation brauche allerdings bestimmte Voraussetzungen. «Es geht um Menschlichkeit, Vertrauen in Produkte, Entscheidungsfreiheit.» Die Apothekenpflicht trage wesentlich zu diesem Vertrauen in die Produkte bei. Überdies zeige sich beim Rx-to-OTC-Switch ein Bewusstseinswandel. Umfragen hätten ergeben, dass Apotheker mittlerweile darin zu 80 Prozent einen Vorteil sehen, so Wieczorek.

 

Einem aggressiven Preiskampf in Apotheken erteilte Wieczorek eine Absage. «Immer wenn ich nichts mehr weiß, dann mach ich was beim Preis» – mit diesem Credo sei das unternehmerische Scheitern programmiert, erklärte der BAH-Chef. «Über Beratung können Sie sich viel besser profilieren als über Rabattschlachten und Dumping-Preise.» Schon heute sei jedes zweite in der Apotheke abgegebene Präparat ein OTC-Präparat, Tendenz steigend. «In zehn Jahren dürften es zwischen 60 und 70 Prozent sein.» (cd)

 

12.10.2017 l PZ

Foto: PZ/Alois Müller